Johannes Rothe 461
lichsten in der Thüringer Chronik; auch in Schreiberversen in dem Gedicht„Von der Keuschheit" und in der, wohl nicht von Rothe herrührenden, prosa-ischen Einleitung zur Passion.
Aus seinem umfassenden Berufsleben gehen seine Arbeiten hervor. Seineangeborene Lehrhaftigkeit kommt zur Erscheinung in zwei sozialethischenWerken: Im Ritterspiegel 1 {DU is nu der ritter spigil, am Schluß V.4101)hält er den Rittern einen Spiegel vor, wie sie sein sollen und wie nicht, weralso zum Ritter taugt. Er belehrt über ritterliche Sittlichkeit, Sitte, Benehmen,Kleidung, Wappen, Abzeichen, die sieben Heerschilde, Verhalten für denKampf und stellt oft diesem ritterlichen Rechttun die zu vermeidenden Un-tugenden gegenüber. Dieses Rittertum Rothes ist nun sehr verschieden vondem der Blütezeit und steht weit tiefer. Außer dem Bericht über den Ursprungdes Ritterordens (V. 725-908) ist das Gedicht ohne erzählende Partien reinlehrhaft, die Behauptungen werden mit vielen Sprüchen aus lateinischen undchristlichen Autoren bekräftigt. Die Form des 4108 V. zählenden Gedichtesist insofern etwas gekünstelt, als die ersten 72 V. in 9 achtzeiligen Strophengebaut sind, während der Hauptteil aus vierhebigen, sehr freitaktigen Versenmit Reimkreuzung besteht. Verfaßt nach dem Jahr 1410.
Das andere, von dem Herausgeber Von der stete ampten und von derfursten ratgeben genannte Gedicht 2 besteht aus drei Teilen (bei Vilmar imganzen 1293 Verse): I. V. 1-282 Die Vorrede, Vergleich der Organe derStadtverwaltung mit den Gliedern des Körpers; U.V. 283-677 Des rätiszeucht, sittliche Vorschriften für die Ratsleute; unterscheidet sich von Iund III durch die Form: leoninische Hexameter (Versschluß und Cäsurreimen); III. V. 678-1293 Von der fursten ratgeben. — Ein drittesSittengedicht Rothes, „Von der Keuschheit" (5699 Verse), enthält auchkulturgeschichtliche und historische Abschnitte. 3
Mit Rothes geistlichem Beruf hängt zusammen Die Passion (nach 1418oder 1421). 4 Dieses Gedicht, 2051 Verse, ist nicht etwa die biblische Erzählungvon Christi Leiden, von denen es nur beiläufig berichtet (V. 960-1170), sondernes ist zusammengesetzt aus den Legenden von Judas und von Pilatus : 5 Judas'Geburt und Erziehung; er war Diener des Pilatus, ehe er Jesu Jünger wurde;von der Erfindung der ersten Münze nach der Sintflut. Pilatus 6 war der Sohn
1 Ausg. Bartsch, Mitteldeutsche Gedichte, beiden Hss.), dazu Ehrismann, ZfdPh.41,75f.
Lit. Ver. Bd. 53, 1860, 98-222. — Abhandl.: 3 Auszug: Alfr. Heinrich, ZfdPh. 48, 269
Bartsch, Einl. S. XXIV-XXXVI; Petersen -86. — Bech, Germ. 7, 366f.; Heinrich, Joh.
aaO., bes. S. 13. 24. 32-49 u. öfter in den Rothes Passion aaO. S.4-6; Petersen S. 23f.;
folgenden Abschnitten. Priebsch, Dt. Hss. in England I S. 97.238—41;
2 Ausg.: Vilmar, Progr. Marburg 1835. — Joh. Neumann, Das Lob der Keuschheit, ein
Abhandl.: Bech, Germ. 6, 45-80. 257-87 u. Lehrgedicht von Johannes Rothe, Teildruck,
7, 354-67; an letzter Stelle wird Vilmars nach Berl. Diss. 1932; ders., Das Lob der Keusch-
der Fuldaer Hs. besorgte Ausgabe durch heit, hgb. Dt. Texte d. MA.s Bd. 38, 1934.
Bechs Beiziehung der Berliner Hs. um etwa 260 4 Ausg.: Alfred Heinrich aaO. (mit Lit.),
Verse erweitert; Petersen S. 22f.; Alfred dazu Helm, Lbl. 1908, 368-70; Ehrismann,
Heinrich, Johannes Rothes Lehrgedicht Des ZfdPh. 41, 75f., Cbl. 58, 307f.
rätis czucht, Progr. Berlin-Tempelhof 1913 5 Heinrich S. 59-100. 165-74.
(mit einer krit. Ausgabe dieses Gedichts nach 6 Siehe LG. Bd. II, 1, 157f.