460 Einzelne Dichter
Seine Verse sind auf doppelte Art gebaut: Mörin, Grasmetze, Jesus derArzt haben die übliche Zahl von 4 bzw. 3 Hebungen; Spiegel, Schleiertüchlein,Goldener Tempel klappern die Verse in 3 Hebungen stumpf ab. Dabei ist inBetracht zu ziehen, daß durch den mundartlichen Abfall vieler schwacher emittelhochdeutsch klingende Reime zu stumpfen geworden sind.
Hermann von Sachsenheim ist ein echter Typus des spätmittelalterlichenRittertums; die Ideale des hochhöfischen Ritters sind zum bloß äußerlichenStoffseiner Dichtungen geworden, sie sind nicht mehr ein eigenes inneres Er-lebnis. Auch fehlt ihm die poetische Erhebung, er ist plump und platt. SolcheMängel kann sein recht umfassendes Wissen * nicht ersetzen. Er besaß Kennt-nisse in Theologie, Jurisprudenz, Naturkunde, Geographie, hat wohl studiertund ist durch eine Fahrt ins Heilige Land (Schleiertüchlein) weit herumge-kommen. Seine Belesenheit in der deutschen Literatur bringt er an, wo esmöglich ist, so daß solche Reminiszenzen geradezu zu seinem Stil gehören(s. oben). 2
Als angesehener Dichter seiner Zeit hat er auch Nachahmer 3 gefunden, soMich. Beheim und Hans Folz, den Verfasser von „Der neuen Liebe Buch"(s. Hans Hoffmann aaO.) und vom ,,Minneturnier".
Johannes Rothe
Eine fruchtbare und vielseitige Tätigkeit entfaltete Johannes Rothe*auf verschiedenen Gebieten der Literatur, in der Didaktik und Tugendlehre,biblischen Erzählung und Legende, Chronikschreibung. Er war geboren zuKreuzburg in Thüringen und lebte in Eisenach, war daselbst Priester undzeitweise Stadtschreiber, danach (etwa 1421-34) Domherr und Scholastikus(Lehrer) am Stift unserer lieben Frauen. Gestorben ist er 1434. Er begegnetmehrfach in Urkunden, aber die Kenntnis über seine Person schöpfen wir ausden Akrostichen einiger seiner Werke: 5 die Anfangsbuchstaben der 8 Ein-gangsstrophen und der folgenden Abschnitte seines Ritterspiegels ergeben denSatz Johannes von Cruzceborg Rothe genant; 5 im Leben der heil. Elisabethebenfalls in den Anfangsbuchstaben Johannes scolast. .. Rothe; 5 am ausführ-
1 Martin S. 14-33; Schröder, Gott. Nachr. Rothes Passion, Germ. Abh. H. 26, 1906;a. a. O. Ders., Joh. Rothes Lehrgedicht Des rätis
2 Martin S. 26-32; Schröder, Gott. Nachr. zeucht, Progr. Berlin-Tempelhof 1913 (darin1931,204. neuere Lit. S.3f.); Priebsch, Dt. Hss. in
3 Schröder, Gott. Nachr. aaO. S. 209. England I S. 238-41: aus Rothes Gedicht von4 Wegele, Joh. Rothe, ADB. 29, 350 f.; der Keuschheit; Karl Zander, Joh. Rothe,
MSH. 4, 875-77; Bech, Germ. 6, 45-80. 257 Diss. Halle 1923; Günth. Müller in Walzeis
-87. 7, 354-67. 9, 172-79; Bechstein, Zur Handb. d. Lit.wissensch. S.59; REHM,ZfdPh.
neueren Lit. über Joh. Rothe, Zs. d. Ver. f. 52, 322-28 pass. — Goedeke, Grundr. I 2 ,
thür. Gesch. u. Altertumskde 9, 1879, 259-67; 290f.; BoBERTAG.KürschnersDt.Nat.-Litt.ll,
Michelsen, ebda 3, 23ff.; H. Helmbold, 217-36. — Siehe die Lit. bei den einzelnen
J. Rothe u. die Eisenacher Chroniken des Werken hier im folgenden.
15. Jh.s, ebda 29, 1913, 393^52. — Jul. 6 Bech, Germ. 6, 45-53. 9, 172; Petersen
Petersen, Das Rittertum in der Darstellung S. 13 ff.; Heinrich, Joh. Rothes Passion
des Johannes Rothe, QF. H. 106, 1909, dazu S. 101; Aug. Witzschel, Leben d. heil. Eli-
Götze, Anz. 35, 93 f., Kluckhohn, Hist. sabet.Zs. d. Ver. f. Thür. Gesch. u.Altertums-
Viertelj. 14, 2; Alfr. Heinrich, Johannes künde 7, 1869, 359ff. 493ff.