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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Hermann von Sachsenheim 459

für das Kalb ihrer Herrschaft) ihm stets derbe Antworten gibt und ihnzum Narren hält. 308 V. Der Humor liegt in dem Kontrast zwischen demhöfischen Ton und der bäurischen Roheit. Den Namen des Dichters enthältdie Überschrift im Liederbuch der Hätzlerin. 1

Eine Gruppe gegenüber den weltlichen Gedichten [Nr. 1-4] bilden die beidenreligiösen Allegorien:

5. Der goldene Tempel. 2 Der Dichter will der edelnMaget einen Tempelbauen (V. 12 f.). Er schildert diesen in seinen Teilen: die vier Tore sind dievier Himmelsrichtungen (Orient, Westerwind, meridion, septemptryon), an diesich je vier Mauern (Wände) anschließen (die vier Elemente ignis, aer, aqua,terra), die zwölf Türme sind die zwölf Monate und die zwölf Sternzeichen;beim Chor kommt er auf das Alte Testament; die Orgeln sind die hohen Schu-len (London, Paris, Wien, Padua, Monpellier, Köln, Heidelberg, Erfurt,Leipzig); die Glocken sind vier Kirchenväter (Augustinus, Ambrosius, Hiero-nymus, Gregorius). Zum Schluß wird Maria als Fürbitterin angerufen; denTitel des Gedichtes nennt er dort ebenfalls (1178 f.):der guldin tempel, derist durch dichgebut." So wie das Gedicht überliefert ist, hat es 1321 Verse, aberdie V. 1224-1280 gehören zur Mörin (s. oben). Das Abfassungsjahr ist in demechten Schluß des Tempels V. 1291 ff. angegeben: 1455.

DerGoldene Tempel" steht unter dem Einfluß von Konrads v. WürzburgGoldener Schmiede, aber der Stil, die geblümte Ausdrucksweise, ist geradezueine Nachahmung derMinneburg", aus der besonders im Eingang viele blu-migen Redensarten direkt wörtlich entlehnt sind.

6. Jesus der Arzt ist in 20 achtzeiligen Strophen abgefaßt. Die durch Evain die Welt gekommene Sünde ist eine nie verheilende Wunde, der Arzt istJesus Christ, V. 50. 3

7. Des Dichters selbstgedichtete Grabschrift ist noch erhalten. 4

Die Sprache 5 Sachsenheims hat eine hervorstehende Eigenart in demvolkstümlichen Ton, der sich ausprägt in Worten und Redensarten der ge-meinen Umgangssprache, auch in Dialektismen, in Redensarten und Sprich-wörtern. Der Stil als Kunstsprache steht manchmal dazu im Gegensatz, soergeht er sich besonders im Eingang des goldenen Tempels in einer lächerlichgespreizten Anwendung der geblümten Rede, des schweren Schmucks.

Gedruckt bei Haltaus, Liederbuch der Keller, Altdeutsche Gedichte, 1846, S.4-10).

Clara Hätzlerin, 1840 (s. unten), S. 279-83. 2 Ausg.: Martin S. 232-71 .2 Hss. : Martin

Hoffmann, Ad. Bl. 2,64f.; Singer, Neidhart- S. 9; Priebsch, Dt. Hss. in England II S. 99.

Studien, 1920 (s. bei Neidhart) S. 9; Rosen- 3 Ausg.: Martin S. 272-76. 1 Hs.: Martin

hagen, Reallex. 1, 209. Stelle: Ehrismann, S. 9; Priebsch, Dt. Hss. in England II S. 99.

Beitr. 20, 79. 4 In der Hs. des Liederbuchs der Clara

Durch den Titel und durch den niederen Hätzlerin, abgedruckt bei Haltaus S. 278

gesellschaftlichen Stand klingt an dieses Ge- V. 209-18. Martin, Ausg. S. 10. 13 f.

dicht Sachsenheims an ein anderes, Die Gra- 5 Sprache, Versbau: Martin S. 33^5 (s.

serin, von einem unbekannten Verfasser, auch S. 13f.); Ders., Anz. 5, 224; Roethe,

Hier preist ein Knecht seine glückliche Ehe mit ADB. aaO.; Hofmann, E. Nachahmer S. 52

einer Magd (Graserin) und die Liebesfreuden -69; Stil: Brinkmann, Wesen u. Form S. 16.

der niederen Minne (213 V.). Es ist eine Pa- 148f. 160. Fritz Walter, Die Flexion bei

rodie auf die hohe Minne (hgb. Adelbert H. v. S., Tübing. Diss. 1924, Masch.druck.