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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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458 Einzelne Dichter

senheim von dem GedichtDer Tugenden Schatz" (s. unten Meister Altswert),aber es ist ihm nicht gelungen, die allegorische Novelle in das weite Gefügeeines Romans zu dehnen .Die ritterliche Romantik vollends ist ganz verschwun-den, statt Heldenabenteuern und Kämpfen Wortgefechte, Disputationen undhöchstens ein Turnier mit Tanz. 1Der Mörin schließen sich inhaltlich folgende drei weltliche Gedichte an:

2. Des Spiegels Abenteuer, 2 nach 1451 (etwa 2300 V.), ist ebenfallszum Preis derPfalzgräfin" verfaßt (S. 100, 12 ff.; Titel S. 202, 18). Inhalt:Auf einem Waldspaziergang hört der Dichter eine Frau klagen, es ist FrauTreue. Sie ist ausgesandt von ihrer Herrin, der Kaiserin Aventiure, Treueunter den Menschen zu suchen 139, 35. Den Hof der Aventiure bilden dieTugenden, ihnen werden die Laster entgegengestellt. Der Dichter rühmt sich,seine Treue sei so groß, daß er damit tausend Elefanten beladen könnte. EinZwerg kommt auf einem Bache angefahren, Frau Triuwe und der Dichterfahren mit ihm zur Kaiserin Aventiure. Der Zwerg trägt einen Spiegel auf derBrust, darin sieht der Dichter die schönsten Frauen, von deren einer ist derDichter ganz verzückt, und so ist seine Treue zu seiner Frau zuschanden ge-worden. Lange Beratung der Aventiure und der Tugenden über diesen Frevel.Es wird ihm ein Buch gebracht, in dem er den schlechten Charakter derschönen Frau liest und die Treue seiner eigenen Frau. Zuletzt wird ihm Sühnegewährt, und der Zwerg bringt ihn wieder heim. Die langgezogene Erzählungist mit einer Menge von Anspielungen auf höfische und Heldenepen gespickt. 3

3. Das Schleiertüchlein (1984 V.), 4 eine rührende Liebesgeschichte. In-halt : Auf einem Waldspaziergang trifft der Dichter einen vor Weh verzwei-felnden jungen Ritter. Er findet bei dem Ohnmächtigen ein blutgetränktesTüchlein. Wieder gekräftigt erzählt dieser ihm seine Geschichte: seine Heiß-geliebte hat ihm ein mit ihrem Blut getränktes Tüchlein auf seine Fahrt insHeilige Land mitgegeben. Beschreibung seiner Reisen dort (wahrscheinlich ge-nau nach einem mündlichen oder schriftlichen Bericht erzählt). Zurückgekehrtfindet er seine Geliebte tot.

4. Eine Parodie auf die Minnedichtung ist das schmutzige Gedicht Von derGrasmetzen, eine Art Pastourelle (s. oben), ein Gespräch zwischen einerDirne und einem Alten, der um ihre Minne buhlt und ihr seinen Dienst in Phra-sen des höfischen Minnesangs anträgt, wobei dieGrasmetze" (sie holt Gras

1 Ein Abschnitt der Mörin, nach 6032, ist Urheberin der Freude und des hohen Mutes.in der Ausgabe Sachsenheims, die unserer Der Dichter hat einen Traum: ein KaufmannÜberlieferung zugrunde liegt, durch Blatt- schenkt ihm einen stählernen Spiegel, darinVerwechslung in den Goldenen Tempel ge- man die Guten und Bösen erkennen kann,raten, wo er die Verse 1224-80 einnimmt, s. Eine schöne tugendhafte Dame sieht mit ihmunten Gold. Tempel. in den Spiegel, die er um ihre Minne anfleht.

2 Abgedruckt bei Keller, Meister Altswert, Da erwacht er. Huldigung an seine Dame.Lit. Ver. 21, 1850 S. 129-202. Goedeke, 4 Abgedruckt bei Keller, Meister AltwertGerm. 1, 361 f. S. 203-55. Goedeke, Germ. 1, 361 f.

3 In der Ausgabe des Meisters Altswert (Kel- Hs.: Martin, Ausg. S. 9; Priebsch, Dt. Hss.ler S. 117-28 geht ein Gedicht vorher, das in England II S. 99.

heißt der spiegel (128, 14): Preis der Minne als