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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Oswald von Wolkenstein 453

hat er gesprochen. Eine solche geographische Kenntnis hat seinem Leben undseiner Sprache einen besonderen Stempel aufgedrückt und seiner Welt einenweiteren Horizont gegeben. In seinen Liedern allerdings wirkt sich diese Fern-sicht mehr als literarisches und sprachliches Motiv aus (wie in den genanntenLiedern) denn als eine Eigengestaltung seiner Lebensauffassung, von der auser wie von einer hohen Warte das Menschendasein überschaut und gewertethätte. Nach seiner Heimkehr, vielleicht 1401/2, kam er in Beziehungen zuden Mitbesitzern seines Hauensteiner Erbteiles, der Frau Sabine Hausmann,einer geborenen Jäger, die er nach dem Tode ihres Mannes, etwa 1408, heiratenwollte. Auf ihre Veranlassung hin machte er eine Fahrt ins Heilige Land, wohl1409/10. 1414/15 trat er in das Gefolge Kaiser Sigismunds, für den und zumTeil mit dem er die obengenannten Länder besuchte. Im Jahre 1417 vermählteer sich mit Margarete von Schwangau. Dann war sein Leben jahrelang getrübtdurch den Erbschaftsstreit um die Ansprüche auf die Besitzung Hauensteinmit der Familie Jäger, der bis 1427 dauerte. Es kam so weit, daß er dreimalvon den Jägerischen gefangen gesetzt wurde (1421/22. 1423. 1427). Bis 1432war er wieder bei Kaiser Sigismund (Nürnberg, Italien, Basler Konzil). Von1432 bis zu seinem Tode 1445 blieb er zu Hause und verwaltete seine Güter. 1Die Richtung seiner 125 Lieder ist teils weltlich, teils geistlich. Die ersteren"überwiegen. Es sind Liebeslieder, die durch seine zahlreichen Liebschaftenveranlaßt sind; von längerer Dauer ist sein Werben um Sabine (Lieder)1401-08; die schönsten Lieder sind die, die er seiner Frau Margarete vorder Ehe und nach der Verheiratung widmete (oft sind sie durch Andeutungihres Namens gekennzeichnet, auch manchmal bloß maid, freulin, denndie Sabine konnte er damit nicht meinen, da diese ja verheiratet bzw. ver-witwet war). Er lebte gut mit seiner Frau, obgleich er auch Seitensprüngemachte. Eine solche Extratour in Ungarn, wo er einer Kupplerin in die Händefiel, bekam ihm aber übel, er wurde durchgeprügelt und kam zerbleut zu seinerFrau nach Haus, die ihn ausschalt, aber verständnisvoll hinzufügte,das seinhie alte mär", das sind hier alte Geschichten; er aber tröstete sich damit, daßsein Hereinfall Zauberei und Kuppelspiel eines alten Weibes gewesen sei(Nr. 114).

1 Leben: Schatz, Ausg. S. 3-21; Schatz, Schwangau, Gemahlin O.s v. W., Anz. f. Kde

Urkundl. Zeugnisse zu O. v. W., Zs. d. Ferdi- d. dt. Vorz. 27, 1880, 75-80; Ders., O. v. W.

nandeums III. Folge H.45, 1901; Roethe (zwei dt. Dokumente zur Gesch. d. Dichters),

aaO.; Marold aaO. S. 23-34. Beda We- ebda 1881, 99f.; Ders., Ordnung und Gewalt

ber, 0. v. W. u. Friedrich mit der leeren des Minnesingers O. v. W. usw., ebda 28, 1882,

Tasche, 1850; Ign. Zingerle, Margaretha 296-99; M. Herrmann, Die letzte Fahrt O.s

v. Schwangau, Germ. 16, 75-78; Osw. Zin- v. W., Vjschr. f. LG. 1890, 3 (4); A. M. Motz,

gerle, Ein Geleitsbrief für 0. v. W., ZfdA. 24, 0. v. W., Leben und Dichtung mit Rücksicht

268-74; Ant. Noggler, W.s Erbschaftsstreit, auf ihre ungarischen Beziehungen (ungarisch),

Zs. d. Ferdinandeum III. Folge H. 29, 1882, Budapest 1915; R. Marsoner, Ein Brief O.s

101-80; Ders., Eine unbekannte Reise O.s v.W., Der Schiern 9, 1928, 104f., s. Arch. 154,

v. W.,ebda 1883, 1-22; Ders., Hat O. v. W. 136; Artur Graf v. Wolkenstein-Rodenegg,

im Jahr 1424 Tirol verlassen?, ZfdA. 27, 179 Osw. v. Wolkenstein, Schiern-Schriften 17,

-92; L. Schmid, Mitteil. d. Ver. f. Gesch. u. 1930. Sein Bild: Vogt und Koch, Gesch.

Altertumskde in Hohenzollern 13 und 14, d. dt. Lit. I, 1919, S. 273.1879. 1880. 1881; H. Bosch, Margareta v.