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Einzelne Dichter
Oswald von Wolkenstein, 1
1377-1445, gehörte einem angesehenen Rittergeschlechte an, dessen BurgWolkenstein im südlichen Tirol, im Grödener Tale, stand. Seine Lieder sindErlebnisdichtung, sind „lyrische Selbstbiographie" (Roethe). Er ist einedurchaus andere Natur als Hugo von Montfort: diesem ist das Leben der Raumzur Erfüllung eines Berufs, einer Pflicht, für Oswald v. Wolkenstein ist dasLeben ein Abenteuer. Jener war Beamter, dieser ungehemmter Willensmensch.Jedes seiner Gedichte ist ein Niederschlag seiner unbändigen, selbstwilligenPersönlichkeit, wenn nicht immer in Gehalt und Sinn, so doch in der Form,dem sprachlichen Ausdruck.
Mit 10 Jahren, 1386/87, lief er von zu Hause weg und schlug sich 14 Jahrelang bis zum Tod seines'Vaters (1399 oder 1400) in der Fremde herum, inniederen Diensten als Reit-, Stall- oder Ruderknecht. Auf diese Weise —doch wohl aber auch, als er erwachsen war, in besseren Stellungen — be-reiste er zu Land und übers Meer Ostdeutschland (Preußen, Livland), denNorden (Schweden), Rußland und die Türkei, Asien bis in die Tatarei,Persien, Arabien. Dazu kam er dann später, seit er in Kaiser SigismundsDiensten stand, nach Paris, England, Portugal, Spanien, Italien (er zählt dievon ihm besuchten Länder auf in den Liedern Nr. 36.64.65. 107); 10 Sprachen
1 Ausg.: Beda Weber, 1847; Osw. v. Wölk.,Geistliche und weltliche Lieder, ein- und mehr-stimmig, bearbeitet: der Text von JosefSchatz, die Musik von Oswald Koller, 1902,dazu Wustmann, Anz. 29, 227-33, Behag-hel, Lbl. 1903, 367-69, Ladendorf, N.Jahrb. VII, 1,398-100; 2. Aufl.: J. Schatz,Die Gedichte Osw.s v. Wölk., 1904, dazuMichel, Arch. 115, 192 f., J. Hammer, Mitteil.d. Inst. f. österr. Gesch. 28, 1908, 164-66;Piquet, Rev. germ. 1, 1908,353; H. Jantzen,Lit.-Denkmäler, Sammig. Göschen, 1903; ein-zelne Lieder schon früher gedruckt, s. Kober-stein l 6 , 364 Anm. 15; Wernike, Findling,Anz. f. Kunde der dt. Vorz., 1881, 80. 144;Haltaus, Hätzerlin S. XI u. pass.; Walt,de Gruyter, Das dt. Tagelied, 1887, S. 42ff.u. Roethe, Anz. 16, 86. — Übersetzungen:Johannes Schrott, 1886, dazu Bartsch,Germ. 33, 237f., W. Hertz, Lbl. 1887, 386-88, J. V. Zingerle, ZfvglLG. NF. 2, 1889,375-81; L. Passarge, Reclam, 1891. — Ab-handle Schatz, ADB. 44, 137-39. UhlandsSchriften 2, 205ff. 217-19; J. V. Zingerle,Wien. SB. 1870, 619-96; Otto Ladendorf,Literaturgeschichtl. Skizze, SA. aus den Jahrb.f. d. klass. Altert. 41,1901, 133-59, dazu R. M.Meyer, Anz. 18, 377; Brill, Die SchuleNeidharts, Pal. 37, 1908, 229-32; Leitzmann,Ein Cento aus Freidank bei O. v. W., Festschr.Braune 1920, 255-59; Roethe, Anz. 16, 80(Tagelied); Ders., Dt. Rundschau 197, 1923,143-58, wieder abgedruckt in Dt. Reden vonGustav Roethe 1927,108-33 (der ganze Menschaufs lebensvollste entwickelt); Ottokar
Stauf von der March, Der Wolkensteiner,1924; Brinkmann, Dt. Vjschr. 3, 1925, 638;Ders., Wesen u. Form Reg. S. 193; FritzKarg, ZfDtschkde 1926, 458-67; WernerMarold, Kommentar zu den Liedern O.sv. W., Gott. Diss. 1927, Teildruck; Günth.Müller, Dt. Vjschr. 5, 1926, 108; Ders.,Walzels Handbuch S. 79f.; Ders., Aufriß derdt. LG., 1931, S.45; Stammler, Von der My-stik zum Barock, 1927, S. 11; Ziesemer, DieLit. des Dt. Ordens in Preußen, 1928, 118;Rehm, ZfdPh. 52, 289-330 pass.; Ders., DerTodesgedanke, 1928,105. Otto Mann, O. v.W.u. die Fremde, Deutschkundliches, Friedr.Panzer überreicht 1930, 44-60; HelmuthLangenbucher, Das Gesicht des Minne-sangs, 1930, 87ff.; Schatz, Sprache u.Wort-schatz der Ged. O.s v. W., Denkschr. der Ak.d. Wiss. in Wien 69, 2, 1930, dazu Schröder,Anz. 49, 179-81; Otto Mann, 0. v. W.s Naturu.Heimatdichtung, ZfdPh. 57, 243-61; ArturGraf v. Wolkenstein-Rodenegg, O. v. Wol-kenst., 1930 (Biographie), dazu Ranke,ZfdPh. 57, 398f.; Herbert Loewenstein,Wort und Ton bei O. v. W., Königsb. Diss.
1932, dazu Werner Marold, Anz. 52,44-52; Singer, Die religiöse Lyrik d. MA.s,
1933, 123-26. — Stellen: Elvira Sever,Beitr. 32,296f.; Leitzmann, Beitr. 44,309-11.— Goedeke Grundr. I 2 , 305f. (Lit.); Kön-necke, Bilderatlas l.Aufl. S. 25; Rosen-hagen, Merker-Stammler Reallex. 1, 209. 2,364; Castle, ebda 2, 584 f. (mit Musiklit.). —3 Hss., mehrere Lieder sind auch einzelnüberliefert: Schatz S. 21-58.