Hugo von Montfort 451
S. 175-84; Wackernell S. 126-35), 260 Verse: Im Traum hat der Dichterein Zwiegespräch mit einem Priester, sie stimmen überein, daß die Welt „einnarrenspü" ist, wer Gott diente, das wäre recht; damit verwirft der Dichterauch seine Frauenlieder. Dann spricht er über sein „buoch' ': den sechsten Teilhat er zu Roß in Wald und Au gemacht, er zählt auf: 17 Reden, 3 Briefe, 10Lieder; die Weisen zu den Liedern hat sein treuer Knecht Burk Mangolt ge-macht; diese red hat er gemacht im Jahr 1401. — Die letzte 'Rede' (Nr.XXXVIII, Bartsch S. 209-16; Wackerneil S. 155-62), 192 Verse, hat er voll-bracht im Jahre 1414, 57 Jahre alt; die Rede beginnt als ein Liebesgedicht anseine Frau, zugleich als Vertreterin aller Frauen; als Grund der Sittlichkeitstellt er auf: rechter Liebe mit Ehren walten, vor allen Dingen Gott lieb haben.
Das Liebeslied (siehe oben) wurde von diesen Rittern des 14. 15. Jahr-hunderts traditionell weitergeführt, aber gerade hier tritt der Unterschied inder Lebensführung und Auffassung von dem Geist der Blütezeit stark hervor:die Mode des Minnedienstes als Huldigung für eine fremde Herrin wird auf-gegeben zugunsten des Preises der eigenen ehelichen Gattin. Der Minnesangist aus einer höfischen Gesellschaftskunst zu einer Privatsache des Familien-lebens geworden, ganz im Geiste der Verbürgerlichung und Realisierung. DerDichter entrollt die Entwicklung seines inneren Lebens in seinen Dichtungen sVon dem Dienst der Minne und der Welt zum Dienste Gottes und der Erkennt-nis der Nichtigkeit der Welt. Es ist das innere Erlebnis des mittelalterlichenMenschen, wie es in der Dichtung auch der Blütezeit vielfach niedergelegt ist(z. B. in Walthers dichterischer Entwicklung, in Hartmanns Gregorius). Sokennen wir ihn als einen mitten im praktischen Leben wirkenden Kriegs- undStaatsmann von guter Wissensbildung, der doch als tief angelegter Charaktervon nachdenklicher Jenseitsstimmung beseelt ist.
Seine dichterische Begabung ist sehr mäßig, er besitzt keinen höherenSchwung und ist ungewandt in der Form, er sieht die Kunst in der Künsteleides Stils, er spricht selbst öfter von geblüemten worien, besonders in Nr. XXXI(Bartsch S. 175, 5 ff.; Wackerneil S. 127, 5 ff.): gebluemie wehe wort (wcehefein, zierlich, kunstreich), mit geflorierten worten, mit silmen (Silben), rimencluog, spehi wort (spaehe fein, schön, kunstvoll); den wirklichen Kunstwert er-setzt er also durch die geblümte Rede, den schweren Schmuck. Glätte der Vers-messung ist nur erreicht durch mundartlich gekürzte Formen (Wegfall derschwachen e) ; die Reime sind auch unter Zulassung solcher Kürzungen nichtimmer rein. 1 Die Weisen, Melodien der Lieder, hat er nicht selbst gemacht,die hat gemachen Bürk Mangolt, unser getrüwer knecht (s. oben).
1 Sprache: Weinhold aaO. S. 33-38; S. LXXIX-CXI; Mayer u. Rietsch, DieWackernell S. CXLV-CLXXXIX; Ew. Mondsee-Wiener Hs. II, 1896, S. 142; Ehris-Frey, Die Temporalconjunctionen d. dt. mann, Beitr. 22, 323; Ferd. Mohr, Das un-Sprache in der Übergangszeit vom Mhd. z. höfische Element in der mhd. Lyrik von Wal-Nhd. besprochen im Anschluß an Peter ther an, Tübing. Diss. 1913 S. 102ff.; Brinck-Suchenwirt u. H. v. Montfort, 1893; Gilbert mann, Zu Wesen und Form S. 147. 160. 163.Helmer, Zur Syntax Hugos v. Montfort, das 169. — Metrik: Weinhold aaO. S. 29-33;Verbum, Progr. Pilsen 1897 u. SA., dazu John Bartsch S. 5-20; Wackernell S. CXC-Ries, Anz. 24, 208-10. — Stil: Wackernell CCLII; Euling, Priamel S. 346f.
29*