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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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436 Die Prosa

sehen Prosaroman gemacht mit dem Prosa-Lanzelot (s. oben). Indas Gebiet der Minneprosa gehört auch die mittelniederfränkische Über-setzung des französischen Bestiaire d'amour des Richard du Fournival(Mitte des 13. Jh.s). Dies ist eine Minneallegorie, bestehend aus einer Massevon einzelnen Beziehungen, in denen die Liebesempfindungen eines Minnen-den auf die Natur einer Reihe von Tieren (fünfundzwanzig) gedeutet werden. 1

Der Lucidarius

Eine alles Wissen, weltliches und geistliches, zusammenfassende christlicheWeltkunde ist der Lucidarius. 2 Entstanden etwa 1190, ist das Buch Lucida-rius in zwei Rezensionen überliefert: A, die nur Buch I und II enthält (Buch IIIwar schon im Archetypus unserer Handschriften verloren), B, mit Buch I,II und III. A ist die Fassung des Braunschweiger Originals, in niederdeutscher,hochdeutsch temperierter Sprache; B ist eine bayerische Redaktion, die eben-falls noch dem 12. Jh. angehört. A und B haben Reimvorreden 3 verschiedenenTextes. Nach dem Prolog in A (44 V.) gab der Herzog Heinrich seinenKaplanen den Auftrag, das Buch zu dichten, so wie es im Lateinischen ge-schrieben war; dermeister" (das ist wohl der eigentliche Redaktor) nanntees lieberLucidarius" (wart ez ist ein lühtere, V. 3, Erleuchter, Lichtbringer)alsAurea gemma", wie der Herzog wollte. Der gereimte Prolog des B-Textes(36 V.) entbehrt des Hinweises auf den Herzog Heinrich als Veranlasserund auf den Verfasser und nennt beide TitelLucidarius" undAurea gem-ma" als gleichberechtigt.

Die Methode dieses Lehrbuches ist die der Schule, das heißt eines Dialogeszwischen dem Jünger, der fragt, und dem Meister, der Antwort gibt, wie imElucidarium des Honorius Augustodunensis.

Der Lucidarius war für das Hoch- und Spätmittelalter eines der wichtigstenLehrbücher, er wurde ins Französische, Provenzalische, Italienische, EnglischeWallisische übersetzt, der deutsche L.* seinerseits ins Niederländische, Däni-

1 Ausg.: John Holmberg, E. mittelnieder- 53, 11 f.; diese LG. II, 1, Reg. S. 354. Etwafränk. Übersetzg. des Bestiaire d'amour (mit 50 Hss., von etwa 1200 an u. mehr als 80altfranz. Paralleltext), Uppsala, Universitets Drucke von 1473 bis, mit Ausläufern, etwaÄrsskrift, 1925, dazu L. Wolff, Anz. 53,174f. 1800; Schorbach S. 19 ff.; Heidlauf aaO.;

2 Ausg.: Felix Heidlauf, Dt. Texte d.MA.s Schröder, Reimvorreden aaO.; StammlerBd. 28, 1915, dazu Helm, Anz. 39, 42 f., Be- aaO. A. Archangelsks, ZfdA. 41,296-300;haghel, Lbl. 1917, 77 f., Ehrismann, DLz. Wilhelm, Die ältesten Lucidariusbruchstücke,1915, 2487-9. Abhandl.: Wackernagel, Münchn. Texte VIII, 115-31 u. KommentarD. ad. Hss. d. Basler Universitätsbibl., 1835, 2. Hälfte S. 239 f. Wegener, Bilderhss. d.19 ff.; Scherer, QF. 12,1875,60; Doberentz, Heidelbg. Univers.-Bibl., 1927, S. 20. Liepe,Benutzung der Imago mundi des Honorius in Merker-Stammlers Reallex. 3, 482.

dem dt. L., ZfdPh. 12, 387 ff.; K. Schorbach, 3 Reimvorreden: Schröder aaO. Hoff-

Stud. üb. d. dt. Volksbuch Lucid., QF. 74, mann, Ad. Bl. 1,326f.; Karl Schröder, Germ.

1894, dazu Schröder, Anz. 23, 107-9; Heid- 17, 408 f.; Doberentz aaO.; Schorbach

lauf, D. mhd. Volksbuch Lucid., Berl. Diss. S. 133 ff.; Schwietering, Demutsformel

1915; Naumann, Ad. Prosalesebuch 1916, 23 S. 66.

-30; Schröder, Die Reimvorreden des dt. 4 Auch Wolfram schöpfte Fremdkundliches

Lucidarius, Gott. Nachr. 1917, 153-72 (mit aus dem Lucid.: Singer, Wolframs Willeh.,

Lit.); Karg, Hiez-Formel u. hiez-Satz im 1918, 17.Lucid. A, Beitr. 54,268-80; Stammler, ZfdPh.