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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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VIII. DIE^PROSA

Die Geschichte der deutschen Prosa 1

Die Anfänge des Gebrauches der Prosa im deutschen Schrifttum sind dempraktischen Bedürfnis entsprungen. Die ältesten in deutscher Prosa geschrie-benen Denkmäler dienen dem christlichen Kultus. Nach den Verordnungen(Capitularien) Karls d. Gr. mußten die Grundstücke der christlichen Lehre,Vaterunser und Glaubensbekenntnis, auswendig gelernt werden. Daran schlös-sen sich dann andere kleinere katechetische (für den christlichen Unterrichtbestimmte) Prosastücke an, Gebete, aus dem Lateinischen übersetzte Predig-ten. Doch schon in der Anfangszeit des deutschen Schrifttums, um 800, ent-stand in der Übersetzung des Isidor eine wissenschaftlich theologische Prosaund später in der Übersetzung desTatian eine umfassende Bibelverdeutschung.Zwei Ubersetzungsmethoden lassen sich erkennen, eine freiere, selbständigereund eine sklavische, die sich von dem lateinischen Text nicht losmachte; alsdie Vertreter der beiden Richtungen können der Verfasser der Isidorüber-setzung, der ein gutes Deutsch schreibt, und der ungewandte Tatianübersetzergelten. Aber erst Notker Labeo am Ende der althochdeutschen Zeit hat, be-gabt mit sprachbildender Kraft, einen eigenen Stil geschaffen aus dem Gefühldes deutschen Sprachgeistes heraus. Damit war die Sprache zu einem auch fürschwierigere Gedanken fügbaren Ausdrucksmittel erhoben worden, und inder frühmhd. Zeit beherrschen Williram und der Verfasser des St.TrudperterHohen Liedes die Sprache vollkommen genug, um die gefühlserregte Stim-mung wiederzugeben. Doch auch in der Blütezeit, im 13. Jh., kamen Poesie,gebundene Rede, Versliteratur und Prosa für gesonderte Inhaltsgebiete inAnwendung. Das Stoffgebiet der deutschen Prosa war beschränkt auf wissen-schaftliche, geschichtliche, geistliche und Rechtsdenkmäler. Besonders diePredigtliteratur hat einen hervorragenden Anteil an der Ausbildung der deut-schen Prosa, und Berthold von Regensburg, frei von der Nachahmung latei-nischer Vorbilder, steigerte die Sprache zu gewaltiger Kraft. Im 14. und15. Jh. gelangte die Prosa zu voller Blüte und war nun wirklich die sprach-liche Wiedergabe der herrschenden Geistesart, einerseits der realistischenZeitströmung, andererseits der mystischen Verinnerlichung.

In der ritterlich-höfischen Dichtung hat die Prosa keinen Platzgehabt. Nur nach französischem Vorgang wurde ein Ansatz zu einem deut-

1 Eine Spezialgeschichte der deutschen Prosa 1919, 81 f. Auch fürs 14. 15. Jh.: Hans

fehlt, dafür sind die bekannten Literaturge- Naumann, Ad. Prosalesebuch, 1916; Ders.,

schichten und Grundrisse von Gervinus, Merker-Stammler Reallex. 2, 272 f.; Alfr.

Scherer, Koberstein, Wackernagel, Goe- Götze, Frühneuhochdeutsches Leseb., 2.Aufl.

deke, Vogt, Golther, Nadler, Schneider 1925; Stammler, Prosa der deutschen Gotik,

und die vorhergehenden Bände dieser Lit- 1933; B. Schmeidler, Vom patristischen Stil

Gesch.nachzusehen. Ferner: BEHAGHEL,Gesch. in der Geschichtschreibung des MA.s, Ge-

der deutschen Sprache 5, 1928, pass.; Friedr. schichtl. Studien Albert Hauck dargebracht,

Wilhelm, Denkmäler deutscher Prosa des 1916; Ewald A. Boucke, Der Prosastil, in

11. u. 12. Jh.s Münchn. Texte H.VIII u. Hofstaetter u. Panzer, Grundzüge der

Kommentar 1914.1916, dazu Ehrismann, Lbl. Deutschkunde, 1925, 71-133.

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