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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Reimchroniken 431

und ist bis heute in Wien als Enenkel erhalten), war Bürger in Wien und besaßdaselbst ein Haus (Weltchronik 84 f.). Zwei historische Werke hat er nach1277, also in den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts, verfaßt, davon dasältere, die Weltchronik, das umfangreichere (28928 V. und zwei Anhängemit zusammen 1644 V.), das jüngere aber, das Fragment gebliebene Für-stenbuch, das künstlerisch fortgeschrittenere ist.

Die Weltchronik 1 erzählt die Geschichte von der Schöpfung bis zum TodeFriedrichs II. in der üblichen Einteilung der 6 Weltalter (s. nach V. 10166und 16933), die aber nicht recht übersichtlich hervortritt (1 = 497-1670.2 = 1671-3560. 3 = 3561-10166. 4 = 10167-16932. 5 = 16933-21800.6 = 21801 bis Schluß). Der erste Teil (V. 139-21 800), bis zu den römischenKaisern, enthält, der christlichen Weltgeschichtsschreibung entsprechend, dieGeschichte des Volkes Israel und die der gleichzeitigen heidnischen Reiche,also u. a. auch den Trojanischen Krieg (13495-16932) und Alexander denGroßen (18 923-19 658). Als Quellen sind benutzt die Bibel, die Historiascholastica des Petrus Comestor und die Imago mundi des Honorius Augusto-dunensis. Für den zweiten Teil (21 801 bis Schluß) die römischen Kaiser bisauf Konstantin, dann die deutschen bis auf Friedrich II. dient hauptsäch-lich die Kaiserchronik in der Bearbeitung C als Vorbild, 2 wobei auch HonoriusAug. benutzt wurde; manches geht auf mündliche Berichte zurück, oder isteigene Erfindung und willkürliche Entstellung. Der Verfasser hat nur einewirre Vorstellung von den Ereignissen, die er erzählt; manches ist auch ganzmißverstanden abgeschrieben. Er, der Stadtbürger, arbeitete nicht in derGunst eines reichen Herren, sondern weil die Zeit Interesse für geschichtlichesWissen hatte. Er mochte es dabei aufs Geldverdienen abgesehen haben, denner besaß einen kräftigen Geschäftssinn (Strauch, ZfdA. 28, 38 ff.), auch dieGnade Gottes schätzt er naiv auf ihren Geldeswert ein: si hilf et baz dan täsentmarc (32).

Auch in der Anlage der Erzählung hat ihm die Kaiserchronik als Mustervorgeschwebt, er mischt fabulistische Partien ein, Erzählungen, Sagen, Fa-

Werke.Mon. Germ. hist.Dt.ChronikenBd.il! Julie Deuschle, D. Verarbeitg. biblischer

Abt. 1,1891, Weltchronik, dazu Rosenhagen, Stoffe im dt. Roman des Barocks, Amsterd.

ZfdPh. 27,126-9, Cbl. 1892,787; Abt. 2,1900, Diss. 1927 S. 7 ff. u. ö. Stelle: Schröder,

Fürstenbuch, dazu Rosenhagen, ZfdPh. 33, ZfdA. 67, 73 f. Siehe LG. II, 1 Reg. S. 352.

505-8, Cbl. 1902, 1294, Schönbach, Histor. 36 Hss.u. Brachst., Strauch, Ausg. S. VII

Vierteljahrsschr. 5, 95 ff. Lit.: Piper, Höf. f.; Piper aaO.; Wilhelm, Strickers Karl

Ep. 3, 658-62. Abhandl.: Strauch, Stud. (s. ob.) S. 266 f.; H. Lichtenberg, D. Archi-

üb. Jans. En., ZfdA. 28, 35-64, dazu Lampel, tekturdarstellungen in d. mhd. Dichtg., 1931,

Mitteil. f. österr. Geschichtsforschung 1884, 57 f. 107. 111. Miniaturen: Panzer, Frei-

656-8; Seemüller, Gesch. d. Stadt Wien burger Münsterblätter II H. 1 S. 29; We-

III. Bd. 1. Hälfte 1907, 1 ff.; Günther Mül- gener, Bilderhss.d.Heidelberg.Univers.-Bibl.,

ler, Walzels Handbuch S.20; Georg Lei- 1927, 6-9; Petzet u. Glauning, Schrifttafeln

dinger, Münchener Dichter d. 14. Jh.s, Bayer. III, 1912.

Akad. (Münch.) 1930. a Schröder, Kaiserchr. S. 75 f. Die Epi-

^usg.: Strauch aaO. Abhandl.: Mass- sode von Kaiser Focas und Eraclius (20411

mann, Kaiserchr. 3, 103-13; Walth. See- -942. 21951-22182) ist aus Ottes Eraclius

Haussen, Michael Wyssenherre S.80ff. (Sage (s. LG. II, 2, 117-23) geschöpft (Schröder,

von Karl d. Gr., Heimkehrsage); Martha Münch. SB. 1924, Abh. 3 S. 16 f.).