Hildegard von Bingen. Mechthild von Magdeburg 423
deutsch, aber verschieden gemischt; C vollständig deutsch; D Fragmente,durchgängig lateinisch. Das Verhältnis ist so, daß der deutsche Teil des Werkesder ursprüngliche, der lateinische daraus übersetzt ist (Denifle; dagegenWagner und Preger umgekehrt: der Mönch habe den Traktat zuerst latei-nisch abgefaßt, dann ins Deutsche übertragen). — Traktate in Prosa vomMönch von Heilsbronn: Birlinger, Alem. 3, 97 ff. 205 ff.
Hildegard von Bingen
Besonders die Frauen waren empfänglich für mystische Empfindungen undleicht in visionäre Zustände erhoben, und so entstand die feinste Blüte dieserFrühmystik in Deutschland durch das Wirken dreier geistlicher Frauen.
Hildegard von Bingen, 1098-1179, war Äbtissin des Benediktinerinnen-klosters auf dem Rupertsberge bei Bingen; sie wurde später heilig gesprochen.Ihre religiösen Schriften sind lateinisch: Scivias (= Sei vias erkenne die Wegedes Herrn) und die von warmem Naturgefühl getragenen Sequenzen auf denheiligen Maximin und auf die heilige Jungfrau. 1 Diese Verbundenheit mit derNatur war wohl schon durch die Klosterschule in ihr begründet worden, denndie Benediktiner pflegten die Naturkunde. Und diesem Boden erwuchs ihrewissenschaftliche Haupttätigkeit: sie war Ärztin und verfaßte das berühmteBuch „Hildegardis causae et curae". 2
Benachbarter Gegend entstammte Elisabeth von SchÖnau, 3 1129-64,aus der Benediktinerabtei Schönau bei Bingen. Auch sie hat nur lateinischeWerke veröffentlicht, LiberviarumDei, LiberVisionum,Liber Revelationum,Epistolae.
Mechthild von Magdeburg
Die glühendsten Worte für die bräutliche Minne hat Mechthild vonMagdeburg 4 gefunden. Aus Frauenherzen kommt die Minne zu Gott dem
1 F. W. E. Roth, Stud. z. Lebensbeschrei- stikertexte, Elisabeth von Schönau u. Mech-bung der heil. Hildegard, Stud. u. Mitteil, aus tild von Magdeburg, ZfdA. 64, 277-81 u. Anz.d. Benediktinerorden 39, 68-118; Herm. Fi- 47, 156; Engelbert Krebs, Stammlers Ver-scher, Die heil. Hildegard v. Bingen, die erste fasserlex. 1, 554-56 mit Lit.'
deutsche Naturforscherin u. Ärztin, ihr Leben 4 Vollständige Lit.: Josef Quint, Mystik in
u. Werk, 1927 (mit Lit.). — Die Gedichte: Merker-Stammler Reallex. Bd. IV (Nachträge)
Paul v. Winterfeld, Dt. Dichter des lat. S.70. — Ausg.: P. Gall Morel, Offenbarung
MA.s, 1913, 438-40; Fischer S. 399^101; Der der Schwester Mechthild von Magdeburg oder
heil. Hildeg. v. Bingen Reigen der Tugenden das fließende Licht der Gottheit, 1869; Über-
(Ordo virtutum, ein Singspiel, hgb. v. d. Abtei Setzung: Meta Escherich, 1909, dazu H.
S.Hildegard, 1927); Jos. Bernhart, H. v. Haupt, Lbl. 1913,190 f.; W. Oehl (Auswahl),
Bingen, Arch. f. Kulturgesch. 20, 1930, 249 1911; H.A. Grimm (Auswahl), 1917/18; Rich.
-60; H. Liebeschütz, D. allegorische Welt- Ziegler, 1927. — Preger, Gesch. d. dt. My-
bild bei der heil. Hild. v. Bingen, 1930. stik 1, 91-112; Ders., Herzogs Realencyklo-
2 Übersetzung: Hugo Schulz f, DerÄbtissin pädie f. Protestant. Theologie 9, 1881, 453;Hildegard von Bingen Ursachen U.Behandlung Strauch, ADB. 21, 154-56; Ders., ZfdA. 27,der Krankheiten, Causae et curae, 1932. — 368-73; A. Rügamer, Lehrevond. drei Wegen,Naturwissenschaftlich, ebenfalls lateinisch, aaO. S. 42-52; Jeanne Ancelet-Hustache,sind ihre „Physica". Mechtilde de Magdebourg, Paris 1927, dazu
3 Ausg.: F. W. E. Roth, Die Visionen der hl. Pahnke, DLz. 1929, 1948-50; Grete Lüers,Elisabeth u. die Schriften der Äbte Ekbert u. D. Sprache der dt. Mystik im Werke derEmecho von Schönau, 1884, dazu Strauch, Mecht. v. Magdeb., 1926, dazu Strauch,Anz. 12, 25-37; W. Oehl, Neuentdeckte My- ZfdPh. 52, 170-75, Pahnke, DLz. 1927, 311