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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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422 Mystik in der deutschen Literatur des 12./13. Jahrhunderts

Wagner und Preger, sowie Denifle gehören diesem Verfasser nur die SechsNamen des Fronleichnams und die Sieben Grade an. Er war Mönch in demzwischen Ansbach und Nürnberg gelegenen Cistercienserkloster Heilsbronnund verfaßte dort die genannten Werke in den ersten Jahrzehnten des14. Jahrhunderts, als Konrad von Brundelsheim des Klosters Abt war (1303-06 und 1317-21), denn er benutzte stark dessen lateinisches Predigtwerk(Soccus, Sermones Socci). Die Sprache 1 seiner beiden Werke ist mehr thürin-gisch als ostfränkisch, er mag also wohl aus Thüringen stammen. Seinen Na-men gibt er nur an am Schluß:Mönch von Halsprunne". 2

1. Das Buch von den sieben Graden, 3 Gedicht.

Die sieben Stufen sind sieben aufsteigende Arten des Gebetes, von demGebet des trockenen Herzens zu dem der Reue und Buße, dann der Minne,der Gnade; auf der fünften Stufe ist die Andacht schon zum notwendigenBestand der Seele, zur Gewohnheit geworden, auf der sechsten folgt die Ver-einigung der Seele mit Gott, auf der siebenten Stufe wird das Gebet vor Gottselbst gesprochen. Eingeleitet wird das Gedicht mit der Vision des Ezechielvom neuen Tempel Kap. 40; der Tempel bedeutet das Himmelreich (et septemgraduum erat ascensus ejus, Ez. V.22, et in gradibus septem ascendebaturad eam [portam], V.26). Der Verfasser ist nicht genannt. 4 Die Verse sindglatt (2218 V.).

Später ist der gleiche Aufstieg des Gebetes in einem prosaischen Traktatbehandelt worden,Die sieben Staffeln des Gebetes", der mit dem Ge-dichte des Mönchs eine gemeinsame Quelle hatte. 5

2. Das Buch von den sechs Namen des Fronleichnams, 6 Prosa mitgereimtem Vor- und Nachwort (zusammen 150 V.). Hier nennt sich derVerfasser in den Schlußversen (s. oben). Der Eingang der Prosa gibt denInhalt des Ganzen an: Der Fronleichnam Gottes, den er seinen Kindernzu einer Speise gemacht hat, hat sechs Namen: Eucharistia Gnade, DonumGabe, Cibus Speise, Communio Gemeinsamkeit, Sacrificium Opfer, Sacra-mentum Heiligkeit. Das heilige Abendmahl wird systematisch erklärt nachden Kategorien Ursprung, Wesen, Ziel und Umfang, Inhalt, Wirkung. Quelleist die Predigtsammlung des Soccus, der der Verfasser genau folgt. Die vielenHandschriften (15) beweisen die Verbreitung des Werkes. Die MünchenerHandschriften haben viererlei Textrezensionen: 7 A und B lateinisch und

1 Wagner aaO. (md.); Ehrismann, Beitr. 22, Mönches von Heilsbronn erwiesen.

338. 6 Pfeiffer, Dt. Mystiker I S. XLIII u. 387

2 Halesprunnen urkundl. bis ins 14. Jh.: -97; Wagner S. 43-52; Denifle S. 309-12.Scheins, ZfdA. 18, 153-55; Wagner S. 14. 6 Hgb. Merzdorf S. 1-60; Pfeiffer, Ad.

3 Hgb. Merzdorf S. 69-125. Preger Bl. 2, 350-59; Birlinger, Alem. 3, 108-19.

S. 17-21. 46 f. Stellen: H. Niewöhner, 205-34. Wagner aaO.; Preger aaO. 2,

ZfdA. 64, 235 f.; Suolahti, Mem. de la soc. 12-17. 21-24. 40^6; Strauch, Anz. 9, 117 f.;

neophilol. de Helsingfors 6, 1919, 109 ff. K. Tomanetz, ZfdA.29,318-25(Bruchstücke);

2 Hss. Über die Siebenzahlen s. LG. II, 1, Petzet, Catalogus S. 176.

66 ff. ' Wagner S. 9; Preger 2, 12-17; Denifle

1 Wagner hat das Gedicht als Werk des S. 301-6; Strauch, Anz. 9, 117.