Die Tochter von Syon von Lamprecht von Regensburg. Der Mönch von Heilsbronn 421
zogen in Regensburg, Franz. V. 313, seinen Namen führt er ebda V. 1344.2103 an; auch Püterich in seinem Ehrenbrief Strophe 113 (s. oben) ver-zeichnet die „Tochter von Syone" von „Bruder Lamprecht von Regens-purg". Die Tochter Syon dichtete er um 1250 (Schröder, ZfdA. 42, 321)auf Veranlassung des „Provincialis minister der minnern brüeder Gerhart",V. 50 ff. 292. 3184 (4312 V.). Er war kein begabter Dichter, aber eine ruhigfromme Natur. Das Gedicht ist eine Allegorie von der Vereinigung der Seelemit Gott, Jesus. Die Tochter Syon, d.i. die Seele, die aus Liebe zu Gott vonder Welt zum Himmel strebt, sendet als Boten nach etwas Liebenswertemdie Cognitio (bekantnisse), diese aber findet in der Welt nur Eitles und Ver-gängliches. Die Tochter Syon wird über diese Auskunft ohnmächtig; Fidesund Spes sind die ersten Führer zu Jesus, dazu Sapientia und Caritas, Minne,der die mdze nötig ist, endlich Barmherzigkeit. Die in dem mystischen Bildvon der minnenden Seele liegende poetische Wärme kommt nur vorüber-gehend zur Geltung, da die verstandesmäßig ersonnene Allegorie der Tugen-den, die zudem meist in ihren lateinischen Namen auftreten, dem Ganzen zusehr den Charakter einer Belehrung aufprägen. Auch manche nicht zum eigent-lichen Thema gehörenden christlichen Bestimmungen sind beigezogen, wiedie Trinitätsformel Augustins, memoria, intelligentia, voluntas (V. 794 ff.).Quelle des Gedichtes ist eine lateinische Prosa, Filia Syon (abgedruckt beiWeinhold S. 285-91), die Lamprecht aber nach Belieben bedeutend erweiterthat. Der lateinische Prosatraktat wurde auch in deutsche Prosa übersetzt.
Der Mönch von Heilsbronn
Kürzer (596 Verse) und ohne die ausgedehnten Erklärungen und Abschwei-fungen Lamprechts ist die alemannische Tochter Syons, 1 die den gleichenInhalt hat, denn sie ist ebenfalls eine, aber von Lamprechts Gedicht unab-hängige, jüngere Bearbeitung des lateinischen Traktats vom Ende des 13.oder Anfang des 14. Jahrhunderts. Der Dichter ist unbekannt, früher hieltman dafür den Mönch von Heilsbronn, 2 dem man auch einen St. Alexiuszuschrieb (s. unter Legenden). Nach den Untersuchungen von Albrecht
graf, Der Tractat von d. Tochter von Syon u. 2 Ausg.: Th. Merzdorf, Der Mönch von
seine Bearbeitungen, Greifsw. Diss. u. Beitr. Heilsbronn, 1870 (Tochter Syon, Alexius, die
46, 173-231 (Abdruck des Prosatraktats sechs Namen, die sieben Grade).— Gervinus,
S. 176-81); Schröder, ZfdA. 42, 321; Rü- LG. II 5 , 303 ff.; Pfeiffer, Dt. Mystiker 1
gamer, Die Lehre von den drei Wegen in d. S. XLII f.; Preger, Gesch. d. dt. Mystik 2,
Litgesch. d. MA.s I, Progr. Münnerstadt 1909 12-27. 40-48; Albr. Wagner, Üb. d. Mönch
S. 52 ff.; Josef Quint, Merker-Stammler v. Heilsbr., QF. 15, 1876, dazu Denifle, Anz.
Reallex. Bd. 4 (Nachträge), 72. — Jellinek. 2, 300-13; Wagner, Zum Mönch v. H., ZfdPh.
u. Kraus, ZföG. 44, 1893, 692. 694; Niejahr, 20,92-113 (Hs.); J. B. Wimmer, Beitr. z. Krit.
Euphorion 5, 444 (Stellen). — Sprache: u. Erklärg. d. Werke d. Mönchs v. H., Progr.
Zwierzina 45, 68, Anz. 26 Reg. S.353. 27 Kalksburg 1895; Carl Böckl, Wer ist der
Reg. S.348. — Piper, Geistl. Dichtg. 2, 211 f. Mönch v. H.?, Z. f. kathol. Theol., 1928,
— 3Hss. 230-39, dazu Schröder, Anz. 53, 67 f.;
1 Hgb. Graff, Diutiska 3, 3-21; Osk. Scha- Priebsch, Dt. Hss. in England I S. 139;
de, Daz buochlin von der tohter Syon, 1849; Wiltr. Wichgraf aaO. S. 206-10; Schröder,
Merzdorf, Der Mönch v. Heilsbronn S. 127 Gott. Nachr. 1931, 23-27; Petzet, Catalogus
-44; Goedeke, Dt. Dichtg. im MA. 2 , 1871, cod. manuscript.V pars I S. 104 f. 176; Piper,
244-49. — Übersetzt von Simrock, Die Toch- Geistl. Dichtg. 2, 118-20.
ter Sion od. d. minnende Seele, 1851. '