Der Schwarzwälder Prediger. Der St. Georgener Prediger 419
sind die historischen und fabulösen Berichte, die über ihn aufgezeichnet wur-den (Pfeiffer, Ausg. S. XX-XXIII; Rehorn aaO.). Frauenlob hat ihn langeJahre später in einem Gedichte verherrlicht, in dem er ihn als wahren Ver-künder des Verfalles der Sittlichkeit rühmt, und noch später zitiert der Teich-ner Aussprüche Bertholds (Pfeiffer S. XXX f.).
Der Schwarzwälder Prediger
Bekanntschaft mit Bertholds Predigten zeigt an einigen Stellen derSchwarzwälder Prediger, 1 so genannt nach seinem alemannischen Dialektdes badischen Oberlandes. Die Predigten, ein Jahrgang von Sonntagsvorträgennach dem Kirchenjahr, waren, wie die vielen Handschriften erweisen, rechtbeliebt, denn der Ausdruck war populär, frisch, mit Personifikation undApostrophe, dazu gemütvoll und herzlich. Quelle der „Grieshaberschen" Pre-digten war das lateinische Predigtwerk „Sermones de Tempore" des Franzis-kaners Konrad von Sachsen. Der „Schwarzwälder Prediger" war ein gelehrterMönch, wie er denn Thema und Disposition in lateinischer Sprache gibt, inder Disposition meist gereimt.
Der „St. Georgener Prediger"
Mit Bertholds Texten stimmen vier Stücke einer umfassenden Predigt-sammlung vom Ende des 13. Jahrhunderts überein, deren Verfasser bzw.Redaktor, ein Mönch, unbekannt ist und den man nach der Herkunft der äl-testen Handschrift (St. Georgen im badischen Schwarzwald, jetzt in Karlsruhe)„St. Georgener Prediger" nennt. 2 Das Werk ist eine Sammlung von 86Stücken (die vielen Handschriften sind darin sehr verschieden), Predigten undTraktaten für Nonnenklöster, ursprünglich für oberrheinische (darum auchdie „oberrheinischen Klosterpredigten" genannt). Das Werk ist aus mehrerenQuellen zusammengetragen. Die Anlage der einzelnen Stücke ist sehr verschie-den, der Vortrag ist lebendig und anschaulich, von mystischer Empfindungs-
1 Franz Karl Grieshaber, Deutsche Pre- Üb. d. Stil bei dem alemannischen anonymen
digtendesXIII. Jh.s,2Abteilungen 1844.1846. Prediger aus dem XIII. Jh., Berliner Diss.
—PETZETund Glauning, Schrifttafeln Nr. 48. 1897. — Petzet, Catalogus S. 15-17.
— Cruel S. 322-36; Linsenmayer S. 354-64; 2 Ausg.: Karl Rieder, Dersog. St.Georgener
Wackernagel, Ad. Predigten S. 372-75; Prediger, Dt. Texte des MA.s. Bd. X, 1908,
Weigand, ZfdA. 6, 393-97; Pfeiffer, Germ, dazu 0. Simon, ZfdPh. 42, 356, Strauch,
1, 483; Wackernagel, ebda 7, 139-59. — DLz. 1912, 103-6, Behaghel, Lbl. 1910, 1-4,
Johannes Daehring, Die Überlieferung der Cbl. 1909, 206, Piquet, Rev. germ. 6, 223f. —
Grieshaberschen Predigten, Hall. Diss. 1909; Cruel S. 355-61; Linsenmayer S. 364-68. —
Georg Buchwald, Deutsche Heiligenpredig- Wackernagel, Ad. Predigten S. 384ff. 517-
ten nach der Art des „Schwarzwälder Pre- 21. 522-44; Preger, Gesch. d. dt. Mystik 2,
digers", Mitteil. d. dt. Gesellsch. in Leipzig 11, 9-11. 32-39, dazu Strauch, Anz. 9, 120f.;
1913, 52-111; Adolf Franz, Drei deutsche Rieder, Anz. 34, 263 f.; G. Buchwaldt,
Minoritenprediger aus d. XIII. und XIV. Jh., Theol. Stud. u. Krit. 95, 151-54; Strauch,
1907 (darunter Konrad von Sachsen), dazu Germanica Sievers — Festschr. 1925,530-49;
Helm, Lbl. 1909, 5f.; Harald Kaesberger, Osk. Steigerwaldt, Die transzendente Rich-
Üb. Grieshabers Schwarzw. Prediger, Tübing. tung im sog. St. Georgener Prediger und die
Diss. 1924, Maschdruck. — Sprache: H. Auflehnung dagegen im Ackermann aus Böh-
Brendicke, Laut- und Formenlehre in d. men, Würzburg. Diss. 1924, Maschdruck. —
Griesh. Pred., Jen. Diss. 1876; Leitzmann, O. Roloff, Die Stellung des Verbums in den
Zur Laut- und Formenlehre von Griesh. Pred., Predigten des sog. St. Georgener Predigers,
Freiburg. Diss. 1889 und Beitr. 14, 473-521; Greifsw. Diss. 1923, Auszug.Kauffmann, Beitr. 13,468f.; Rich. Sensche,
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