412 Geistliche Prosa des .13. Jahrhunderts
Ermahnung und Zurechtweisung festgelegt wird. Gereimte Predigten wiedie Büß-und Sittenpredigten LG. II, 184 ff. sind keine offiziellen Gemeinde-predigten.
In bezug auf die Form der Predigt unterscheidet man zwei Gattungen: dieHomilie ist im wesentlichen Erklärung des Predigttextes, Sermo behandeltmit oder ohne Text einen besondern Gegenstand. Eine zweite Art der Eintei-lung ist die in Sermones de tempore, die Predigten der Sonntage des Kirchen-jahres von Advent an, und in Sermones de Sanctis an den Feiertagen derHeiligen.
Die älteren Predigten, aus dem 12. Jahrhundert, sind im Inhalt noch unfrei,insofern sie sich an lateinische Muster anlehnen, weshalb sie häufig Anklängeaneinander haben. Erst mit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts undhauptsächlich mit Berthold von Regensburg gewinnen die Prediger eine eigeneHaltung und persönliche Sprache. Dieser Aufschwung geschah durch die sog.Bettelorden, die Franziskaner oder Minoriten und die Dominikaner oderPredigerorden.
Ein gutes Beispiel für die Unselbständigkeit der Predigt des 12. Jahrhun-derts gibt das Speculum ecclesiae 1 (die Benediktbeurer Sammlung), eine Pre-digtsammlung aus der Mitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Siegeht stellenweise eng mit des Honorius Augustodunensis Speculum ecclesiae(Migne 172, 80-1108; s. LG. II, 1, 75 Anm.4) zusammen, nach dem derHerausgeber Kelle auch die deutsche Sammlung benannt hat. Aber überhauptsind lateinische Predigten die Quellen dieser wie aller älteren deutschenPredigten. Unsere Sammlung, die als liturgisches Hilfsmittel dienen sollte,beginnt und schließt mit liturgischen Stücken, Glaubensbekenntnis, Beichte
ebda 154, Stück VIII ebda 155 (Stück 2-8 Die Bibelzitate in den ad. Predigten, Greifsw.
über Berthold v. Regensburg); s. auch Schön- Diss. 1907.
bach, ZfdA. 35, 411-15; R. M. Werner, * Vollst. Lit. Catalogus cod. manuscript.Predigtbruchstück, ZfdA. 35, 335-60. — P. Bibl. Monacensis V pars I, Erich Petzet, D.Keppler, Zur Passionspredigt des MAs, deutschen Perg.hss., 1920, S.66f. — Hgb. Joh.Hist. Jahrb. d. Görresgesellsch. III, 285-315. Kelle, Speculum Ecclesiae altdeutsch, 1858,IV,161-88; L.Pfleger, Zur Gesch. des Predigt- dazu Bech, Germ. 4, 493-501. — Petzet undwesens in Straß.bg. vor Geiler v. Kaisersberg, Glauning, Schrifttafeln 2, XXII. — Cruel1907; M. Bihl, Zur Predigtgesch. der Domini- S. 167-81; Linsenmayer S. 250-56; Schön-kaner und Barfüßer in Mühlhausen in Thürin- bach, Üb. Keiles „Speculum ecclesiae", Stud.gen, Mühlhauser Geschichtsbl. 10, 1910; H. z. Gesch. d. ad. Pred., 1. Stück, Wien. SB. 135Rinn, Kulturgeschichtliches aus dt. Predigten Nr. 3, 1896; Bech, Bemerkungen zu Schun-des MAs, Progr. Hamburg 1883; Bruno bachs Studien z. Gesch. d. ad. Pred., ZfdPh.Kunze, Beitr. z. mhd. Predigtforschg., Jahrb. 30, 226-37 (s. oben); Schönbach, ZfdA. 24,d. phil. Fakultät d. Univers. Halle-Wittenb., 87-93 (Collation von Keiles Ausg. mit der1921/22 I, 10-12; L. A. Willoughby, Von Hs.); Pfeiffer, ZfdA. 1, 285-94 (= Kelledem jungesten Tage, 1918 (s. oben) S. 23-36; Ausg. S.39ff. 104ff.); Bartsch aaO. (Ver-LG. I, 333-36. II, 1, 142f. Ernst Wolf- wandtschaft mit Grieshabers Predigten);gang Keil, Deutsche Sitte und Sittlich- Strauch, ZfdA. 38, 206-8; Schröder, Ane-keit im 13. Jh. nach den damaligen Pre- genge S. 54 Anm.; Wilh. Schaper, Zur Laut-digern, 1931, dazu Piquet, Revue germ. 24, und Flexionslehre des Speculum ecclesiae,1933, 159f.— Stil der Predigt: A. Hass, Das Hall. Diss. 1891 (Dial. alemann); Naumann,Stereotype in den ad. Predigten, Greifsw. Diss. Ad. Prosaleseb. S. 16-22. — Hs. München1903, dazu Ehrismann, ZfdA. 36, 513f.; H. Cgm.39 aus Benediktbeuern): Kelle, Ausg.Hasse, Beiträge zur Stilanalyse der mhd. S. XI ff.; Petzet, Catalogus aaO.Pred., ZfdPh. 44, 1-37. 169-98; H. Schmeck,