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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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410 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts

aufblühenden, bürgerlichen Kunst trägt, die weniger farbig ist als die ritter-liche. Doch folgt Kistener, zumal in der Verskunst, Gotfrid von Straßburg undKonrad von Würzburg, dessen Engelhard ihm ja schon wegen der Gleichheitder Fabel Vorbild war. Seine Erzählungsweise ist lebhaft, ein gefühlvoller Zugerwärmt die Darstellung. Sie steht in Zusammenhang mit der elsässischenLiteratur, hat Anklänge an Peter von Staufenberg, Parsifal, wird in vielemnachgeahmt von Hans v. Bühel. Eine späte Bearbeitung erlebte das Gedichtdurch den Baseler Drucker und Schriftsteller Pamphilus Gengenbach amAnfang des 16. Jahrhunderts. 1 Erhalten ist auch eine Prosabearbeitung derLegende. 2 Durchaus geschichtlich aufgebaut, doch mit legendenhaften Zügenausgestattet ist das Gedicht vom Spitale zu Jerusalem. 3 Es ist verfaßtzum Preis des Spitals des heil. Johannes zu Jerusalem, der Geburtsstätte desJohanniterordens; es gibt eine Geschichte des Spitals, beschreibt die kriege-rische Tätigkeit der Johanniter, ihre Sitten und Gebräuche, Ordensstatuten.Die Gründung des Spitals 350 Jahre vor Christus wird geschildert, dann dieKreuzigung Christi; nach derselben bis zur Himmelfahrt erscheint Christusoft im Spital. Die Darstellung ist ungeschickt, eine trockene Aufzählung vonEreignissen. Der Verfasser war wohl Capellan des Johanniterordens, Hoch-alemanne, vielleicht im Elsaß lebend, vor Konrad v. Würzburg; 1420 V.

Jenseitsvisionen 4

Beschreibungen der Freuden der Seligen im Himmel bzw. die Qualen derVerdammten in der Hölle. Solche Darstellungen des Jenseits sind im 12. Jahr-hundert die Visio S. Pauli, S. Patricii Fegefeuer (s. auch oben Heiligen-legenden, die Vision des Tundalus. 5 Visionen des Spätmittelalters: VisioLazari (Voigt S. 1-118; Hamm'erich, ZfdPh. aaO.), Lazarus schildert diePeinen der Hölle. Der Stoff ist mehrfach bearbeitet in verschiedenen Sprachen,im Mittelhochdeutschen in einem Gedicht um 1400, oberbayerisch, 778 V., einunbedeutendes Machwerk.

Die Visionen des Ritters Georg aus Ungarn. 6 Dieser ungarischeRitter machte eine Pilgerfahrt in das Purgatorium St. Patricii, die Patriks-höhle auf Irland, anno 1353. Von dieser lateinischen Prosa von der Visiondes Ritters Georg gibt es vier deutsche Bearbeitungen, Prosa, aus der zweitenHälfte des 14. Jahrhunderts, die nach Österreich weisen.

1 Hgb. Goedeke, Pamphilus Gengenbach, heil. Patrizius, ZfdPh. 53, 25-40.

1856. Euling S. 31 ff 6 Für die Visio Tundali ist zu bemerken, daß

2 Prosa: Pfeiffer, Ad. Übungsb. S. 197-99. zu den LG. II, 1, 162-64 genannten Bearbei-

3 Hgb. Arnold Küster, Diss.. Straßburg tungen für das 15. Jh. eine nd. Prosa hinzu-1897. Schröder, ZfdA. 58, 300 (mit Lit.). tritt. Pfeiffer, Germ. 9, 274-78.

4 Siehe LG. II, 1, 160-64; Max Voigt, Bei- 6 Voigt aaO. S. 119-245; Der lat. Text hgb.träge zur Geschichte der Visionenliteratur im L. L. Hammerich, Visiones Georgii, VisionesMA., Pal. 146, 1924, dazu Schröder, GgA. quas in Purgatorio Sancti Patricii vidit1925, 179-83, Jost Trier, Anz.44, 176-180; Georgius miles de Ungaria a. d. MCCCLIII,Gierach, DLz. 1925, 1063-65, Piquet, Rev. Kopenhagen 1931, dazu Schröder, Anz. 50,germ. 16, 472; L. L. Hammerich, Eine Pilger- 156f. (mit. Lit.); Hammerich, Eine Pilger-fahrt des 14. Jh.s nach dem Fegfeuer des fahrt aaO.