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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Legendenhafte Erzählungen 409

Versionen umgegangen, dann aber auch im Abendlande sehr verbreitet gewesen.So wurde sie auch in die Gesta Romanorum aufgenommen (Cap. 80, Ausg.von Herrn. Oesterley, 1872, Cap. 80 S.396-99. 724f.; in der Übersetzungvon Grässe, 3. Ausg. 1905 S. 137-41 [Von des Teufels Arglist und wie GottesGerichte verborgen sind]; Wilh. Dick, Die Gesta Romanor. usw., hgb. 1890).Im Mittelhochdeutschen ist die Legende bearbeitet in einem bayerisch-öster-reichischen Gedicht um 1300 oder später, etwa 500 V. 1 Ferner im Väter-buch von Heinr. Kaufringer, in den deutschen Gesta Romanorum, inHans Vintlers Blumen der Tugend. 2

Auf historischen Gegenwartsboden gestellt ist die LegendeDie Jakobs-brüder" von Kunz Kistener. 3 Der Stoff besteht aus der Freundschaftssagein Verbindung mit dem Aussatzmotiv, also in dem Thema vonAmicus undAmelius", von Konrad v. Würzburgs Engelhart (Lit. Euling S. 41). Einbayerischer Grafensohn begegnet auf der Pilgerfahrt zum heil. Jakob vonCompostela einem ebendahin wallenden Schwaben aus einer armen Ritter-familie in Haigerloch. Beide reisen nun zusammen. Unterwegs stirbt derBayer, der andere behandelt den Toten, als ob er lebte, führt den Leichnamin einem Ledersack mit sich auf einem Pferde und versieht ihn täglich beiTisch mit Speise. In Compostela in der Kirche wird der Tote wieder lebendig;Rückfahrt in die Heimat. Der Schwabe wird in seiner Heimat vom Aussatzbefallen und geht zu seinem Freunde nach Bayern. Dieser schneidet ohneWissen des Aussätzigen seinem Kinde die Kehle ab. Durch Bestreichen mitdessen Blute wird der Sieche wieder gesund, der Knabe aber wird wiederlebendig durch Fürbitte des heil. Jakob bei Gott. Die Erzählung bestehtdeutlich aus zwei Teilen: die Reise mit der Erweckung des Toten in Com-postela und die Heilung vom Aussatz. Beide Teile haben auch ursprüng-lich als selbständige Geschichten bestanden (Euling S. 41. 44 f.; SparnaayS. 122 f.).

Der Dichter nennt sich selbst Kuonze Kistener, V. 9. 1195. 1205. DerSprache nach war er Elsässer in Straßburg. Abfassungszeit des Gedichtes(1230 V.) Mitte des 14. Jahrhunderts, demgemäß es auch den Typus der

x Hgb. Schönbach, Wiener SB. 143 Nr. 12, skript in 100 Exemplaren gedruckt); Felix1901, dazu Strauch, Anz. 28, 55-58. Otto Bobertag, Kürschners National-Litt. 11,1886,Rohde, Die Erzählung vom Einsiedler u. 237-75; Arth. Witte in Stammlers Verfasser-Engel in ihrer geschichtl. Entwicklung, Ro- lex. 1, 568-70. Abh.: Wackernagel, A.stock. Diss. 1894, dazu Euling, Anz. 23, 54- Heinrich ed. Toischer, 1885 S. 291, ed. Stadler,56. 1911 S.227; R. Köhler, Die Legende von

2 Kaufringer ed. Euling (s. unten); Der den beiden treuen Jacobsbrüdern, Germ. 10,

Römertäthgb. v.Adelb. v.Keller (s. unten) 447-55 u. Kl. Sehr. 2, 163-73; Richard

S. 103f.; Vintler V. 3058-3167. Arth. Wülcker, Germ. 17,55-61; Birlinger, Alem.

Witte, Stammlers Verfasserlex. 1, 568-70. 13, 42-45; Paulus Cassel, Die Symbolik des

a Hgb. Karl Euling, Germ. Ab. 16, 1899, Blutes u. der arme Heinrich, 1882; Sparnaay,

dazu Schröder, GgA. 1901, Panzer, ZdfPh. Verschmelzung legendarischer und weltlicher

34, 74-81, Ehrismann, Anz. 27, 36-41, Helm, Motive aaO. S. 122ff.; Otto Böckel, Volks-

Lbl. 1901, 10f., Seemüller, Archiv 111, 192- lieder aus Oberhessen, 1885 S. VHIf. Stel-

194, Khull, ZföG. 52, 614, Cbl. 1900, 492f.; len: Leitzmann, ZfdPh. 32, 422-30. 557-63;

frühere Ausg.: Goedeke, 1855 (als Manu- Helm, Beitr. 26, 157-66. LG. II, 2 S. 198.