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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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406 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts

Kreuzfahrt, berührt sich mit dem GedichteDie Kreuzfahrt des LandgrafenLudwig des Frommen von Thüringen" (s. oben).

Leben der Gräfin Jolande von Vianden 1 von Bruder Hermann. Ge-boren 1231 in Vianden in Luxemburg, will sie schon als Kind Braut Christiwerden, geht nach langem Widerstreben der Eltern ins Kloster Marienthalin Luxemburg, wo sie 1283 als Priorin stirbt. Das Gedicht, 5963 V.,Luxemburger Dialekt, wurde von einem Dominikanerbruder Hermann baldnach dem Tode der Jolande verfaßt. Er nennt seinen Namen Vers 395: brüderHereman. Es ist kein Heiligenleben, sondern eine historische Erzählung,unmittelbar unter dem Eindruck der Ereignisse entstanden.

Legendenhafte Erzählungen

Eine besondere Gruppe bilden die legendenhaften Erzählungen (GSA.Nr. 72-90, Bd. III, 427-623 u. S. CLXVI ff.). Ihr Gehalt ist Frömmigkeit,das Ziel zumeist Preis der barmherzigen Gottesmutter, die ihre Gläubigenaus Nöten befreit. Die handelnden Personen sind turnierende Ritter, Geist-liche, besonders Mönche, Schüler; Typen, individualisiert auf bestimmte Per-sönlichkeiten, sind Theophilus, der Teufelsbündler, bekannt aus der Faust-sage (s. unten, Legenden), und Thomas von Kandelberg 2 (der ErzbischofThomas v. Canterbury); 346 V.

Das Märchenmotiv vom Verschlafen langer Zeitfristen ist in verschie-densten Dichtgattungen verbreitet, so auch in Legendenform: Die siebenSchläfer.

Sieben vornehme Jünglinge in Ephesus wurden wegen ihres Christentumsvon Kaiser Decius bedroht, sie flohen in eine Höhle, dort ließ sie der Kaisereinmauern, unter Gebet zu Gott entschliefen sie. Nach 248 Jahren wurde dieHöhle eröffnet, da erwachten sie. Der Kaiser Theodosius selbst das Reichwar mittlerweile christlich geworden kam auf die Kunde von dem Wunderherbei. Darauf sanken die frommen Schläfer hin und gaben in Gott den Geistauf. Im Deutschen ist die Legende in einem Gedicht Von den siben släfcerenerzählt, Ende des 13. Jahrhunderts, mitteldeutsch, 935 V. Schon vorherhatte die Kaiserchronik eine kurze Notiz von den sieben Brüdern aufgenom-men, V. 6417-42; in einem Prosa-Passional des 15. Jahrhunderts: Wacker-nagel, Leseb. 5 Sp. 1397-1400. Die Legende hat eine ausgedehnte Geschichte.Zuerst im Griechischen (5./6. Jahrhundert) schriftlich fixiert, wurde sie imMittelalter besonders verbreitet durch die lateinischen Fassungen, des Vin-cenz von Beauvais Speculum historiale (um 1250) und des Jacobus a Voragine

!Ausg.: John Meier, Bruder Hermanns 2 GSA. Nr. 87, Bd. III, 573-86 u. S. CXXVI;

Leben der Gräfin Jolande von Vianden, 1889, Rich. Scholl, Th. v. K., 1928, dazu Nie-

dazu J. Franck, DLz. 1891, 417, Behaghel, wöhner, Anz. 47,169-74, Stammler, ZfDtsch-

Lbl. 1891 Sp. 3f. Pfeiffer, Ad. Übungsb., kde. 1928, 815f., Ehrismann, Lbl. 1930 ,8f.;

1866, 103-13; Joh. Franck, zu Br. H.s. Jol., Schröder, ZfdA. 61, 233-36; Ders., Anz. 44,

ZfdA. 35, 379-88; Frings, Teuthonista 3, 98; 98 f. s. unter Legenden.de Boor, Festschr. Ehrismann 1925, S. 144.