Die Heiligenlegenden im einzelnen 403
Minne, die die törichten Kinder der Welt blind macht für Gottes Dienst, nichtvon weltlichen Abenteuern, die den Leuten Kurzweile bereiten, ez ist der weitewiderstrit. Dieser Polemik gegen das ritterliche Epos stellt er die Marter derheiligen Martina gegenüber, die ihr zarter Leib in der Minne Gottes empfing,und die Wunder, die Gott mit ihr beging.
Die Quelle, 1 die Hugo für die Legende, also für den historischen Grundstock,vorlag, ist erhalten in den Acta Sanctorum der Bollandisten Bd. I (gedr. 1734).Die weit ausgeführten Einschübe bezog er hauptsächlich aus dem vielgelesenenCompendium veritatis und der bekannten Schrift des Papstes Innozenz III.De contemptu mundi.
Unendliche Redseligkeit ist die kennzeichnende Eigenschaft des Stiles.Doch ist die Ausdrucksweise nicht ungewandt. 2 Der Dichter hat Rudolfv. Ems, Reinbot v. Durne, auch das Passional gekannt, sein Vorbild aberist Konrad v. Würzburg und besonders dessen Goldene Schmiede, die erin der häufigen Anwendung von gezierten Reimen nachahmt. Die Schlüsseder Abschnitte sind markiert und geschmückt durch zwei gleiche Reim-paare. Seinen alemannischen Dialekt 3 läßt der Dichter auch in die Reimedringen.
Eine würdige, ausführliche Darstellung ist dem Gründer des Bruderordensder Minoriten, dem heiligen Franz, gewidmet in dem Sanct FranciskenLeben des Lamprecht von Regensburg 4 (üb. Lampr. v. R. s. oben).Das Gedicht, 5049 V., ist eine getreue Übersetzung der Vita S. Franciscides Thomas v. Celano (um 1228-30). Der Dichter nennt sich selbst mehrereMale: Lampreht ist genant sin name, 304, ein knappe, heizet Lampreht, 376,öwe du armer Lampreht, 3244, er nennt sich werltlich, 3253, der arme Lampreht,4017. Er war also noch nicht in den Franziskanerorden eingetreten, aber mitmehreren Brüdern befreundet, unter anderem mit bruoder Berhtolt, d.i. Ber-thold v. Regensburg, V. 1750 ff. Danach fällt die Abfassungszeit des „Fran-cisken Leben" nach dem Jahr 1237, etwa 1240. Nur 1 Hs.
Die Legende Heinrich und Kunegunde von Ebernand von Erfurt. 5Seinen Namen und seine Heimat hat der Dichter in einem Akrostichon ver-
1 R. Köhler, Quellennachweise zu H.s v. L. Nr. 20. — Abhandl.: Geo. M. Priest, Eber-Mart., Germ. 8, 15-35 u. Kl. Sehr. 2, 118-46. nand v. Erfurt. Zu seinem Leben und Wirken,
2 Wortwiederholung: de Boor, Festschr. Diss. Jena 1907, dazu Ehrismann, ZfdPh. 42,Ehrismann 1925, 144 f. 361 f.; Priest, Beitr. 29, 368; Ders., The re-
3 Lauchert, Alem. 17, 211-38; Zwierzina, lation of Ebern, v. Erfurt to his sources,Anz. 26 Reg. S. 351. 27 Reg. S. 347. Princeton Univers.bulletin XV, 1904, 1,1-24;
4 Ausg.: Karl Weinhold, Lampr. v. R., Ders., Journal of Engl, and Germ. Philol.VSanct Francisken Leben u. Tochter Syon, Nr. 4, 505ff.; Ders., ZfdA. 53, 87-99; Schrö-1880, dazu Bech, GgA. 1881, 490-501, der, ZfdA. 51, 143-51; Wesle, StammlersStrauch, Anz. 8, 1-8, Kinzel, ZfdPh. 12, Verfasserlex. 1,477-80.—v. Eicken, Malterl.491-94, Rödiger, DLz. 1880, 233; Pfeiffer, Weltanschauung S. 686; Lichtenberg, Archi-Ad. Übungsb. S. 60-72 (Auszug), nd. Prosa tekturdarstellungen S. 33f. — Stellen: Bech(Auszug) S. 200-6. — Jellinek u. Kraus, aaO.; Bartsch aaO.; Priest, Journ. of Engl.ZföG. 44 (1893), 688 (Stelle). and Germ. Phil. aaO.; Jellinek, ZfdA. 43,
5 Ausg. Reinhold Bechstein, 1860, dazu 391 f. — 1 Hs.: Bechstein S.U. VII ff.;Bech, Germ. 5, 488-507, Erwiderung Bech- Priest, Diss. S. 41-43; Schröder aaO. S. 143.steins, ebda 6, 422-34; Bartsch, Cbl. 1861 150; Ders., ZfdA. 69, 112.
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