Die Heillgenlegenden im einzelnen 401
Die heilige Ursula, eine britische Königstochter, wird auf einer Fahrtnach Armorica mit vielen Tausend (elftausend) Jungfrauen an den Rhein ver-schlagen ; vor Köln, das die Hunnen belagern, werden sie von diesen erschla-gen. Sie ist ein Bild jungfräulicher Reinheit. — Das niederrheinische Gedichthgb. nach einer Hs. des 14. Jhs. von G. Friedländer, Ad. Bl. 2, 41-50 (395V.); Prosa: ebda Hoffmann S. 50-56; nach drei kölnischen Drucken vonSchade, Geistl. Ged. S. 161-202 (448 V.). Bruchstücke: Fritz Burg undEdw. Schröder, ZfdA. 42, 108-12 (Anf. 14. Jh., niederfränk., Original ober-rhein., späteres 13. Jh.); andere Bearbeitungen der Sage von Ursula und den11000 Jungfrauen s. Schade S. 168 ff. — Goedeke, Grundr. I 2 , 469.—Abhandl.: Schade, Die Sage von der Heiligen Ursula und den elftausendJungfrauen, 1854; Norrenberg, Kölnisches Literaturleben S. 6-10; A. Müller,D. Martertum der thebaischen Jungfrauen in Köln (die heilige Ursulaund ihre Gesellschaft), 1896 (s. die Kritik JB. 1896 S. 145 Nr. 119); P. Beck,Ein St. Ursula-Lied von Dr. Johannes Gäßler in Weißenau-Ravensburgaus d. 15. Jh., im Diözesanarchiv von Schwaben 23, 1905, 43 f.; J. Brühl,D. heil. Ursula in Geschichte, Legende u. Dichtung, 1906; Zopf, Das Heiligen-leben im 10. Jh. aaO. S. 64-70; W. Levison, Das Werden der Ursula-Legende, Bonner Jahrbücher H. 132 u. SA. 1928, dazu Schröder, Anz. 47,21-23; Stroppel, Liturgie u. geistl. Dichtg.; Guy de Schoutheete deTervarent,La legende de Sainte Ursule dans la litterature et l'art du moyen äge, 2 Bde.,Paris 1931. Passional, Köpke (11000 Jungfrauen) S. 565-74.
Ein gereimtes Legendenwerk von der Verherrlichung heiliger Frauen isteine alemannische Dichtung des 15. Jahrhunderts, Der Maget Kröne (Titelam Schluß des Werkes): es ist das Leben der Maria, der Krone ob aller Frauen,dem andere Legenden angeschlossen sind (hl. Barbara, Dorothea, Margareta,Ursula, Agnes, Lucia, Cäcilia, Christiana, Anastasia, Juliana). 1
Eine gesonderte Betrachtung gegenüber den vulgären Legenden bean-spruchen die Legendenromane, die sich schon durch ihren Aufbau undihre biographisch ausgeführte Handlung von jenen unterscheiden.
Eine neue Heilige hat Hugo von Langenstein in Deutschland bekanntgemacht, die heilige Martina. 2 Am Schluß seines umfangreichen, 33000Verse zählenden Gedichtes (287, 79 ff., Keller S. 723) berichtet er, natürlichunter den üblichen Demutsbezeugungen: Martina, die reine Magd, ward in
1 Hgb. auszugsweise: J. Zingerle, Wien. SB. 1912; Erich Wiegmann, Beitr. z. H. v. L. u.47, 1864, 489-564; Birlinger, Zs. f. vergl. seiner Martina, Hall. Diss. 1920; Helm, Zfddt-Sprachforschg. 14, 448 f.; Schröder, ZfdA. Unterr. 30, 1916, 297 f.; Ziesemer, D. Lit.67, 48. — Piper, Geistl. Dichtg. 2, 84 f. d. dt. Ordens in Preußen, 1928, 36 f.; Er.
2 Ausg. Adelb. v. Keller, Litt. Ver. Nr. 38, Klibansky, Gerichtsszene u. Prozeßform,1856 (daselbst S. 737 Lit. bis 1856). — Ab- 1925, 31-35. — Stellen: Bech, Alem. 18, 53handl.: Steinmeyer, ADB. 17, 673 ff.; -61; Lauchert, ebda 18, 61 f.; Bech, ebdaWackernagel, Die ad. Hss. d. Basler Uni- 19, 19-28; Schneider, Wolfdietrich S.308.vers.bibl., 1835, 39 ff.; P. Dold, Untersu- 326; Lichtenberg, Architekturdarstellungenchungen z. Martina d. H. v. L., Straßbg. Diss. S. 26 f. — 1 Hs. (Basel), Keller S. 738.
26 Deutsche Literaturgeschichte IV