Die Heiligenlegenden im einzelnen 397
Juliana s. LG. II, 1, 159 f., dazu E. Brunöhler, Üb. einige lat., engl.,franz. u. deutsche Fassungen der Julianenlegende, 1912. — Auch im Buch derMärtyrer. — Goedeke, Grundr. I 2 , 233; Ilse Wimmerer, ZfdA.70, 237-56.
Sehr verbreitet war die Legende von der hl. Katharina, der Jungfrauund Märtyrerin. Als Tochter des Königs von Alexandrien und dessen Thron-folgerin läßt sie sich taufen und gelobt Gott ihr Magdtum. Der römische Kai-ser, der den Götzen zu opfern gebietet, läßt ihr nach schweren Martern dasHaupt abschlagen. — Die Legende von der hl. Katharina ist im Deutschenmehrfach poetisch behandelt worden, über die verschiedenen Fassungen s.Schade S. 110 ff. (dort auch ein Katharinenlob und ein Katharinengebet,beide in Reimen); Lambel S. 132 ff. zählt 7 Bearbeitungen auf; Hilka,Archiv aaO.; Bobbe aaO. Ausg.: Schade, Geistl. Ged. vom NiederrheinS. 101-60 (Katherinen Passio, nach 2 Drucken, 531 V.); Lambel, Germ. 8,129-86 (md., 3250 V., nach Lambel 2. Hälfte 13. Jh., nach Schröder,ZfdA. 59, 328, um 1250); Will. Edw. Collinson, Die Katharinenlegende derHs. II, 143 der Kgl. Bibl. zu Brüssel (hgb. 1915, die mnd. Fassung, 1908 V.[s. auch Priebsch, ZfdPh. 36, 384-87] und die Bruchstücke der md. Fassg.),dazu Schröder, Anz.38, 109 f., Behaghel Lbl. 1916, 222 f.; Passional, KöpkeS. 667-91. — Bobbe, Mhd. Katharinenlegenden in Reimen, eine Quellen-untersuchung, 1921. — Bruchstücke: Ad. Wälder 3, 156; Ad. Bl. 2, 92 f.;Zimmermann, Germ. 25, 198-209; Gerß, ZfdPh. 10, 488 f.; Steffenhagen,ZfdA. 13, 505. 539 ff. (Deutschordenhs.); Herrn. Knust, Gesch. der Legendender hl. Katharina v. Alexandrien u. der hl. Maria Aegyptiaca, 1890; Hilka,Zur Katharinenlegende: die Quelle der Jugendgeschichte Katharinas, ins-besondere in der mittelniederdeutschen Dichtung und in dermittelniederländ.Prosa (hgb. Collinson aaO.), Archiv 140, 1920, 171-84 (mit Lit.); auch imBuch der Märtyrer. — Lit.: Goedeke, Grundr. I 2 , 233 f.; Piper, Geistl.Dichtg. 2, 81 f.; Jellinghaus, Grundr. II 2 S. 367. — Norrenberg, KölnischesLiteraturleben aaO. S. 12-14.
Eine seltsame, noch nicht aufgeklärte, auch von der Kirche nicht offiziellanerkannte Heiligengestalt ist die heilige Kumernus (auch Kümmernis)oder Wilgefortis, Tochter eines heidnischen Königs in Niederland. Sie warheimlich Christin und sollte auf Befehl ihres Vaters einen heidnischen Prinzenzum Mann nehmen; auf ihre Bitte entstellte Gott ihre Schönheit, und es wuchsihr ein mächtiger Bart, darauf wurde sie als Zauberin gekreuzigt. Ihr Kultus,der einer männlichen Heiligen, war in vielen Gegenden verbreitet, besondersam Rhein. Sie ist bildlich — bärtig mit Krone, auch mit Kranz — dargestellt.— Kern und Sloet, De heilige Ontkommer of Wilgefortis, 'sGravenhage1884; K. Rehorn, Der heil. Kumernus od. die heil. Wilgefortis, Germ. 32,461-80; J. H. Gallee, Zur Legende der heil. Kumernus od. Wilgefortis, ebda33, 311 f.; Sepp, Altbayr. Sagenschatz zur Bereicherung der indogerm. My-thologie, 1893; Fr. Plant, Eine Volksheilige (St. Kumernus), 1895; Wein-hold, Zs. f. Volkskde. 9, 1899, 322 ff.; Sankt Kümmernis in Schlesien, Mitt.