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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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392 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts

ist sein Heiligentag als Theophilus Pönitens. Mhd. Gedicht GSA. Bd. IIINr. 87, 540-50 u. S. CXXV, 522 V.; Sommer, De Theophilo cum diabolofoedere, 1844; K. Plenzat, D. Theophilusleg. in d. Dichtgen d. MA.s, 1926,dazu Petsch, ZfdPh. 53, 406 ff., Golther, Euphorion 28, 1927, 624 f.,Stammler, ZfdPh. 53 H.3/4 u. Zs. f. Deutschkde. 1928, 815 f.; J. Rollauer,D. Sage von Doktor Faust, die Theophiluslegende, Lemberg 1927; L. Rader-macher, Griech. Quellen zur Faustsage, Cyprianus, Theophilus, Wien. SB.206, 1928, IV; Lit.: Goedeke, Grundr. I 2 , 235 f.; Piper 2, 65 f.; GoedekeDt. Dichtg. imMA. 2 S. 141^4; LG. 1, 380, 2. Aufl. S.391 (Hrotsvitha, Lap-sus et conversio Theophili vicedomini).

Der hl. Thomas, der Apostel. Die Legende erzählt von dem Zweifeldes Thomas an der Auferstehung Jesu (Ev. Johannis 20). Der Apostel predigtnach dem Tode Jesu im Orient, bekehrt Indien, das nach ihm Thomaslandgenannt wird, erleidet dort den Tod des Märtyrers; biblischer Heiliger.Wilhelm, Dt. Legenden u. Legendare.

Der hl. Thomas, Erzbischof Thomas Becket von Canterbury,1117-70, gerät in Streit mit seinem König Heinrich II. (1154-89), wird vonden Anhängern des Königs ermordet, 1173 vom Papst heilig gesprochen.Typus: der Erzbischof als Märtyrer, historische Persönlichkeit der Zeit.Passional, Köpke S. 53-62. GSA. Bd. 3, 573-86, Thomas v. Kandelberg= Canterbury (s. unten beinovellistische Legenden") ist keine Legende, son-dern religiös gewendete Erzählung; an den Thomas v. Canterbury ist imDeutschen die Erzählung von Th. v. Kandelberg geknüpft.

Die Legende vom Erzbischof Udo von Magdeburg (804 Verse), ent-standen nach 1325, hat eine historische Grundlage: die Fehde des die Stadtschwer bedrückenden Erzbischofs Burchard III. von Magdeburg (1307-25)und seine Erschlagung durch seine Untertanen. Die Legende weiß zu berichten,daß er von den Teufeln geholt wurde. Das Gedicht ist das Gegenstück einerHeiligenlegende, eine Warnung, wie verdammenswert der schlechte Lebens-wandel eines Prälaten sei, wie er also nicht sein soll. Ausg.: Helm, DieLegende von Erzbischof Udo v. M., Neue Heidelberg. Jahrb. 7, 1896, 95-120;Schönbach, Wien. SB. 144, 1902, II, dazu Helm, Lbl. 1903, 51 f.; Schönbach,Die Gesch. des Rud. v. Schlüsselberg, Wien. SB. 145, 1902, 78 ff.; Er. Kli-bansky, Gerichtsszene u. Prozeßform, 1925, 36-40.

St. Ulrich , Bischof von Augsburg, a. 923-978. Von ihm werden viele Wun-der erzählt. Er hat kräftig in die politische Geschichte eingegriffen, indem erAugsburg gegen den Ungarneinfall verteidigte und diese im Verein mit KaiserOtto 955 (Schlacht auf dem Lechfelde) besiegte. Typus: Kirchenfürst undWohltäter. Das Gedicht ist Ende des 12. Jahrhunderts verfaßt, übersetzt ausder lateinischen Vita des Abtes Berno v. Reichenau (um 1030); der Dichternennt sich in einem Akrostichon der Einleitung Albertus; er war wohl Geist-licher in Augsburg. J. A. Schmeller, St. Ulrichs Leben, lat. beschriebendurch Berno v. Reichenau und um das Jahr 1200 in deutsche Reime gebracht