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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die Heiligenlegenden im einzelnen 385

Die Heiligenlegenden im einzelnen

Selten nennen die Verfasser von Legenden ihre Namen, doch haben auchhöfische Dichter dieser religiösen Gattung sich zugewendet: so gehören hierherVeldekes Servatius, Hartmanns v. Aue Gregorius, Rudolfs v. Ems Barlaam,Reinbots v. Durne Heil. Georg, Konrads v. Würzburg Alexius, Silvester,Pantaleon (zugeschrieben wird diesem auch eine Legende von Nicolaus) undWolframs Willehalm, welcher ein der Geschichte angehöriger Heiliger ist.

Die Gestaltung der Heiligen ist ausgesprochen typisch, 1 ihr Leben und damitauch ihr Sterben, ihre ganze seelische Verfassung bewegt sich in den gleichenGedankengängen, Gefühlserregungen und Willensstrebungen, geht aus dergleichen seelischen Struktur hervor. Die höchste Verehrung, die Siegespalme,haben die Märtyrer errungen, sie gehören den frühesten christlichen Jahr-hunderten an; im Urchristentum erlitten als Glaubenszeugen den Tod Ste-phanus der Protomartyr, die Apostel Andreas und Thomas, Dionysius; zurZeit der römischen Christenverfolgungen Julianus, Sebastian, Mauricius,Georg, Gallicanus, St. Veit, durch die sarrazenischen Heiden Pelagius. Dievöllige Hingabe an Gott fanden die asketischen Heiligen in der Aufgabe allerErdenlust, der Ehren und des Reichtums: Alexius, Ludwig v. Toulouse, dieEinsiedler Abraham, Aegidius, Antonius, Paulus; durch Entsagung und Ka-steiung erlangten die hohe Gnade die Büßer Albanus, Gregorius (ödipussage),Theophilus (Faustsage); von Gott selbst zum Christentum berufen wurdenChristophorus, Eustachius; endlich wurden mit der Glorie des Heiligenscheinsumgeben besonders fromme und um die Kirche verdiente Geistliche: Hierony-mus, Hilarius, Silvester, Servatius, Nicolaus, Gallus, Gebhard, Ulrich, Anno,Patricius, Brandan, Dominicus, unter den Laien Karl d. Große, Wilhelm v.Toulouse. Sind so einzelne Typengruppen nach einem einheitlichen Planschematisiert, so bringen doch immer Einzelstilisierungen Abarten hervor,wie z. B. die Steigerung der allen Naturgesetzen widersprechenden Wunderbei den Folterungen derMärtyrer von unzerstörbarem Leben" (Zwierzina,Die Legenden der Märtyrer von unzerstörbarem Leben, Innsbrucker Festgrußdargebracht der 50. Philol.-Vers. in Graz 1909). Nach sozialer Abstufung er-gibt sich die Legendenreihe: Päpste, Bischöfe, Äbte, Mönche, Einsiedler;Kaiser, Fürsten, Ritter und Krieger, vornehme Bürger.

Der heilige Abraham, ein Einsiedler, in Edessa geboren, entsagte sofortnach den Zeremonien der Eheschließung der Welt und ging in eine einsameZelle. Mones Anz. 3, 38 ff. 8, 339 ff.

Der heilige Adelbert, s.oben Deutschordensliteratur, Legenden (Heinr.v. Hesler).

Aegidius, frommer Einsiedler, wird entdeckt von Kg. Flavius bei derVerfolgung einer Hirschkuh, wird Abt, vollbringt Heilungen und Wunder.

1 Nach Heiligen-Typen geteilt ist Heinrichs Litanei, Hoffmanns Fundgruben 2, 215 ff.;s. LG. II, 1, 172-75.

25 Deutsche Literaturgeschichte IV