384 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts
Eine niederdeutsche Kreuzholzlegende ist Van dem holte des hilligencruces, 770 Verse, eine fast wörtliche Übersetzung des niederländischen Ge-dichtes Boec van dem houte (hgb. Karl Schröder, 1869). Eine andereniederdeutsche Fassung: Van dem holte darane starf Marien sone,807 Verse. Weitere Bearbeitungen der Kreuzlegende: Passional, KöpkeS.265-90; Herrn, v. Fritzlars Heiligenleben S. 126-30; Schade, SibillenBoich, Geistl. Gd. S. 291-332; Frauenlob hat sie seinem schwülstigen Kreuz-leich zugrunde gelegt (Ettmüller S. 16-24); Heslers Evangelium Nicodemi(ed. Helm V. 2914 ff.).
Gegenüber der Legende vom Kreuzesholz ist die Legende von der Kreuz-erfindung (Kreuzauffindung) geschichtlich bezogen und wird als Tat derKaiserin Helena oder des Kaisers Eraclius (LG. II, 2, 117 ff.) dargestellt. —Goedeke, Grundr. I 2 , 234.
Legende von den heiligen Drei Königen. Das mittelniederdeutsche legen-darische Epos Zeno erzählt, wie die toten Körper der heiligen Drei Königeaus dem Morgenland nach Mailand und von da nach Köln gebracht wurden,wo sie als Reliquien verehrt werden. Um 1300, 1636 Verse. — Aug. Lübben,Zeno oder die Legende von den Heil. Drei Königen, Ancelmus vom LeidenChristi; 1869; Wilhelm, Zur Dreikönigslegende, Münch. Mus. 2, 146-190;Stammler, Geschichte d. nd. Lit. S. 20 f.; Ders., Mnd. Leseb. S. 70 u. Anm.S. 140; Stellen: Sprenger, Nd. Jb. 17, 1891, 92 f. — Druck einer anderenFassung nd. von 1509: Goedeke, Grundr. I 2 , 468; Norrenberg, KölnischesLiteraturlebenaaO.S. 14-16.39-54; Nd.: Oesterley in Goedekes Dt. Dichtg.im MA. 2 S. 17 f.— H. Kehrer, Die Heil. Drei Könige in Lit. u. Kunst, 1909,1, 82-95, Abdruck einer 1475 geschriebenen Dreikönigsieg. — Eine obd. Drei-Königs-Leg. von 1389 s. Wackernagel, Die ad. Hss. der Basler Univers.-bibl., 1835, 58 u. LG. I 2 , 451 Anm. 207; rheinisch: Karl Peusqueus, Zeno,ein rhein. Spielmannsged. von d. heil, drei Königen, Köln. Diss. 1923.
An die Christuslegenden schließt sich auch an Die Sultanstochter imBlumengarten, eine in Deutschland, Holland, Skandinavien häufig behan-delte, auch in viele deutsche Volksliedsammlungen übergegangene Legendevon der Entführung einer heidnischen Jungfrau durch Christus. Die ältestemittelhochdeutsche Fassung, Handschrift Ende 15. Jahrhunderts, hat fol-genden Inhalt: die Tochter des Sultans von Babylon geht im Blumengartendes Schlosses spazieren, wird verzückt von der Pracht der Blumen und vonVerehrung für deren Schöpfer hingerissen. Da sendet ihr Gott einen Engel,der bringt sie in ein Kloster und empfiehlt ihr Keuschheit; sie wird getauftund Äbtissin und nach dreißig Jahren von dem Engel in das Himmelreichabgeholt. Hier erscheint nicht Christus selbst, sondern sein Engel. Es ist eineLehre für Nonnen, die als erste Forderung Keuschheit verlangt. 1
1 Hgb. (400 V.) J. Bolte, ZfdA. 34, 18-31 sionen und neueren Volksliedern, alles zusam-(mit Aufzählung aller erhaltenen älteren Ver- men 34 Nummern und mit Lit.).