Christuslegenden 383
hannes des Täufers, wobei Ereignisse aus dem Leben Jesu eingeflochten sind,im zweiten die Legende von der Maria Magdalena, mit Beiziehung von JesuLehrtätigkeit, Leiden, Tod und Auferstehung. So sind Anfang und Schlußdes Lebens Jesu miteinander verbunden, und das Ganze ist zugleich eineDarstellung desselben. Das Eigenartige des Stils liegt darin, daß der Dichterseine Schilderungen oft nach der Mode und den Sitten seiner Zeit, auchin der drastischen Sprache, einrichtet, so daß er lebendig und gegenwärtigwirkt. Sein Gott und der heiligen Jungfrau geweihtes Buch soll den Aus-erwählten wohlgefällig sein, mehr als „Wigoleis" und „Tristand". Grund-lage ist die Bibel, dazu sind Kirchenväter beigezogen, auch die Legendaaurea. Der Verfasser war Geistlicher und besaß ein erhebliches Wissen(Zeit: bald nach 1298, Dialekt alemannisch, der Dichter war wahrscheinlichaus Basel).
Die Legende vom Kreuzesholz 1 geht in den Mittelpunkt des christ-lichen Glaubens, das Kreuz ist das Symbol der Erlösung. Die Legendedavon hat an sich nichts von diesem religionsgeschichtlichen Werte; sie istnur eine Sage von der Geschichte des Kreuzesbaumes. Als solche enthält siezunächst die Erzählung von der Sendung Seths ins Paradies durch Adam,dann die von der Königin von Saba und Salomo, weiterhin ist sie verbundenmit Sibyllen Weissagung (s. oben Sib. Weiss.). Durch die Beziehung zu Adamhängt die Kreuzholzlegende zusammen mit der Legende von Adam und Eva(siehe oben Lutwin), auch mit dem Feste der Kreuzerfindung (Entdeckungdes heiligen Kreuzes). Auch im Deutschen wie in den andern abendländischenSprachen ist sie mehrfach behandelt worden; an erster Stelle ist zu nennenHeinrichs v. Freiberg Gedicht vom heiligen Kreuz (siehe oben), das dieSchicksale des Paradiesesholzes erzählt bis auf Salomo und die Königin vonSaba mit Ausblick auf Christus. Einen noch weiteren historischen Umkreisumschließt Helwigs Märe vom heiligen Kreuz, 2 in dem die AbschnitteAdam, Moses, David, Salomo, Christus, Constantin, Eraclius ausgiebig er-örtert werden. Der Verfasser nennt sich im Eingang von Waldirstet Helwic, dieSprache ist thüringisch, die Zeit um 1350; 980 V. Helwig hat nach einerlateinischen Quelle gearbeitet, doch nicht mechanisch; sein Stil ist schlicht,ohne besondere Kunstmittel.
1 Mussafia, Sulla leggenda del legno della C. von Kraus, Über d. Kreuzesholz, Münch.
Croce, Wien. SB. 63; C. Schröder, Van deme SB. 1929, IV, 12 ff. Nd.: Oesterley in Goede-
holte des hilligen crüzes, 1869; A. Zöckler, kesDt.Dichtg. imMA. 2 S. 10 f. — Lit.: Piper,
D. Kreuz Christi, 1875, darin S. 235 u. 275 ff. Geistl. Dichtg. 2, 41-44. — Friedr. Ranke,
die Kreuzholzlegende des MA.s; Arturo Graf, Der Erlöser in der Wiege, 1911, dazu Panzer,
La leggenda del paradiso terrestre, Torino Anz. 38, 137 ff. — Siehe oben Geistl. Lit. d.
1878; Franz Kampers, Malterl. Sagen vom 14. 15. Jh.s.
Paradies u. vom Holz des Kreuzes Christi, 2 Paul Heymann, Helwigs Märe vom heili-
1897; Wilh. Meyer, Vita Adae et Evae, gen Kreuz hgb., Pal. 75, 1908, dazu Bernt,
Münch. Abh. 14, 1879 u. 16, 1882; Ders., Die Anz. 33, 278-82, Strauch, DLz. 1909 Nr. 15;
Geschichte des Kreuzholzes vor Christus, ebda Ehrismann, ZfdPh. 45, 305 f.; Zwierzina,
16, II, 1881. — W. E. Peukert, D. Leg. vom Festschr. Ehrismann 1925, 56 ff. (sprachl.);
Kreuzholz Christi im Volksmunde, Mitteil. d. Schröder, ZfdA. 69, 124 (aus Freiburg i. B.,
schles. Ges. f. Volkskd. 28, 1926/27, 164-76; Anf. 14. Jh.).