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Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts
schnitten: Leben Jesu und Mariae mit zahlreichen, zum Teil sehr poesievollenMarienlegenden; das Leben der Apostel und Evangelisten, Johannes des Täu-fers und der heiligen Magdalena; das Leben von fünfundsiebenzig Heiligenin der Reihenfolge des Kalenderjahres, darunter ebenfalls Perlen der Legenden-literatur wie die Legenden der heiligen Katharina, des heiligen Franziskus.Als Hauptquelle liegt zugrunde die Legenda aurea des Jacobus deVoragine. 1
Das Passional ist eine Dichtung von hohem Werte, sowohl in der sprachlichfreien Beherrschung der Form 2 als in der Wärme des Gehalts und zeugt nochvon guter höfischer Art. Die Masse zerfällt in einzelne Heiligengeschichten,die für sich Anteil erwecken und doch durch das gemeinsame Band eineschristlichen Heldenstaates zusammengehalten werden.
Der Verfasser, jedenfalls Geistlicher, nennt sich nicht. 3 Die Sprache 4 weistins Preußische Ordensland, der Wortschatz hat manche Verwandtschaft mitder sonstigen Deutschordensdichtung. Man nimmt an, daß der Dichter einMitteldeutscher war (vom Mittelrhein), der längere Zeit im Ordenslande lebte;er hat auch die spätere Ordensdichtung stark beeinflußt. — (Ein Prosa-Passional, 15. Jahrhundert, in einer Tübinger Handschrift, s. Wackernagel,Leseb. 5 Sp. 1397-1400.)
Köpke, D. Passional, 1852 (das dritte Buch).— Lit.: Goedeke, Mittelalter 2 S. 208-19. Pi-per, Geistl. Dichtg. 2, 128-33; Ziesemer, Lit.d. Dt. Ordens S. 39^9. — Abhandl.: Pfeif-fer, Vorw. S.Vff. u. ZfdA. 8, 159 f.; J. V.Zingerle, Wien. SB. 64; Bech, Spicilegiumverborum usw., Progr. Zeitz 1859; Bartsch,Mitteldeutsche Gedichte, 1860, XII f.; Rob.Reinsch, Die Pseudo-Evangelien von Jesuu. Maria's Kindheit, 1879, 115 f.; Osw. Zin-gerle, Üb. e. Hs. d. Passionais u. Buches derMärtyrer, Wien. SB. 105 H.l, 1883, dazuStrauch, Anz. 11, 233-35; Karl Schröder,Bartschs Germanist. Stud. 2, 159-97; Wil-helm, Deutsche Legenden u. Legendare, 1907,59 ff.; Erich Mai, D. mhd. Gedicht vom MönchFelix, 1912,63 ff.; Stroppel, Liturgie u. geistl.Dichtg., 1927, 44 ff.; G. Prochnow, Mhd. Sil-vesterlegenden, Marbg. Diss. 1901, 36-51; R.Latzke, Ueb. die Proömien u. Epiloge z. mhd.Pass., Progr. Korneuburg 1902/3; Hans Voll-mer, Materialien zur Bibelgesch. I, 1912;Schröder, Zwei Editionen d. Pass., ZfdA. 40,301 ff.; Helm, ZfdUnterr. 30, 1916, 298 ff.;Agnes Geering, Die Figur des Kindes, darinDie Heiligen des Passionais S. 95-98; H. Lich-tenberg, D. Architekturdarstellungen in d.mhd. Dichtg., 1931, S.27. 57; Maria Oesse-nich, D. mhd. Ged. v. der heil. Elisabeth, BonnDiss. 1921 ungedr., darin die Elisabethlegendeim Pass.; Dies., ZfdPh. 49, 181-95; Hübner,Reallex. 2, 653 f.; Merker, ebda S. 185. —Einwirkg. auf die Martina des Hugo v. Langen-stein: Helm, ZfdPh. 46, 479. — Hss.: 7 undviele Bruchstücke, Goedeke, Grundr. I 2 , 262;
Piper aaO., Kläden, v. d. Hagens Germ. 7,249-72; Steffenhagen, ZfdA. 13, 504 f.;Lambel, Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschenin Böhmen 22, 33-44; Alfred Neumann,ZfdPh. 22, 321-24; Schröder, ZfdA. 40, 301-4. 49, 159 f. 54, 423; G. Wolff, Münch. Mus.3, 344-50; P. Zimmermann u. Zwierzina, S.Margareta u. Daniel, ZfdA. 42, 179-85; Pol-heim u. Zwierzina in: Glückwunsch für Ferd.Eichler, 1920; Scheel, Festg. f. WeinholdS. 45 f.; Stoll, Beitr. 50, 302-5. — Veröffent-lichte Bruchstücke: Bruchstücke aus e. unbe-kannten Passional in Versen: Zimmermann u.Zwierzina aaO.; Heigel, Germ. 20, 444-48;Johannes Meyer, Alem. 9, 1-5; Friedr.Ranke, E. neue Hs. des gereimten Passionais,Königsberger Beiträge, Festgabe usw. (1929),301-15.
1 Hgb. Grässe, 1850. — Quelle: Jos. Haupt,Üb. d. Väterbuch, Wien. SB. 69, 71-146. 70,101-88; Jos. Wichner, D. Legenda aurea,Quelle des Alten Passionales, ZfdPh. 10, 255-80; Ernst Tiedemann, Passional u. Legendaaurea, Pal. 87,1909; s. auch Wilhelm, Legen-den aaO. Einfluß der Liturgie: Stroppel,Liturgie u. Geistl. Dichtg., 1927, pass.
2 Reimhäufung: Strauch, Anz. 23, 276;Wortwiederholung: de Boor, Festschr. Ehris-mann, 1925, 145 f. — Zum Stil s. AdolfHauffen, ZfdA. 32, 337-79 pass.
3 Schwietering, Demutsformel S. 31 f. —Heimat: Schröder, Münch. SB. 1924 S.5.
4 Franke S. 57-75, Stil S. 75-85, MetrikS. 85-97.