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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Geistliches Lied 375

Eine Lehre für Nonnen gibt der Geistliche Rat, ein alemannisches Reim-paargedicht (oberrheinisch, Breisgau? mit vielen unreinen Reimen, 178 Reim-zeilen, wohl 14. Jahrhundert). Es ist eine Lehre, wie man die Körperteile,Ohren, Mund, Hände, Knie, Füße im Dienste Gottes gebrauchen soll, beson-ders aber das Herz. Es soll ein Palast Christi sein; mystische Anklänge sindvorhanden. Das Gedicht ist eine Allegorie wie die Wunderburg der Tugendin Reinbots v. Durne Heiligem Georg (V. 4751 ff.). 1

Geistliches Lied

Religiöse Lieder in deutscher Sprache, 2 die, von Geistlichen ver-faßt, dem Volke unmittelbar zugänglich waren, mußten bei einem poetischbegabten Volke schon mit dem Beginn seiner literarischen Tätigkeit sicheinstellen. Für die althochdeutsche Zeit ist dafür das Petruslied ein Zeugnis(LG. I, 195-99, 2. Aufl. 203-07), elementarer waren die Leise, das Kyrieeleison, Rufe, die die Menge bei gemeinsamen Unternehmungen anstimmte(s. ebenda). Mit dem 12. Jahrhundert entfaltete sich das deutsche religiöseLied zu höherer Blüte, besonders in der Marienlyrik (LG. II, 206-16). Im13. Jahrhundert gelangte es zur erlesensten Form durch einige Minnesänger,vorab Walther, am Ende des Zeitraums durch Frauenlob; bei den Spruch-dichtern waren die religiösen Sprüche eine eigene Gattung. Gegenüber dieserKunstpoesie ist das religiöse deutsche Lied volkstümlicher Haltung im

13. Jahrhundert wenig gepflegt worden.

1 Ausg.: Wackernagel, Hauptu,Hoffmanns dazu G. Balke, Anz. 6, 71-76; JohannesAd. Blätter 1, 1836, 343-47; Hs. Zürich, Janssen, Gesch.d.dt.Volkes 1, 19.u.20.Aufl.,

14. Jh., s. Wackernagel, Ad. Predigten u. 1913 S. 289-99 (14. 15. Jh.); A. H. Kober,Gebete S. 271 Anm. *. Abhandl.: Scherer, Gesch. d. religiösen Dichtung in Deutschland,QF. 12, 1875, 116 f. u. ZfdA. 20, 341-46; 1919; Klapper, ZfdA. 50, 199-202; EmilSchröder, ZfdA. 70, 124-27 (Schröder Henrici, Sprachmischung in älterer Dichtg.möchte das Gedicht liebergeistlicher Reim- Deutschlands, 1914; Ders., Barbarolexis, 1914.brief" nennen). Goedeke, Grundr. I 2 , 286; Koberstein

2 Philipp Wackernagel, Das deutsche Kif- l 6 , 368-81; Götzen, Kirchenlied, Reallex. 2,chenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang 72-82. Einzelnes: H. Dederich, Zur geistl.des 17. Jh.s, 5 Bände, 1864-77 (13. Jh.: Bd. 2 Lit. des MA.s, 1877; Paul Küchenthal, DieS.41-104. 127-86 = Nr. 34-189. 214-317); Mutter Gottes in d. ad. schönen Litt, bis z.Ders., Bibliographie des deutschen Kirchen- Ende d. 13. Jh.s, Gott. Diss. 1898. W.Met-liedes, 1854-55; Hoffmann v. Fallersleben, TIN, Die ältesten deutschen Pilgerlieder, Festg.Gesch. d. deutschen Kirchenliedes bis auf Sievers 1896 S. 277-86. Wackernagel, Ad.Luthers Zeit, 1832, 3. Ausg. 1861; Ders., In Bl. 2, 121 ff.; Haupt, Marien Himmelfahrt,dulcijubilo, e. Beitrag zur Gesch. d. dt. Poesie, ZfdA. 5,515-64,13. Jh., rheinfränk.; Pfeiffer,2. Ausg. 1861, auch angebunden an Gesch. d. Gedicht auf Maria, ebda 8,298-302; Bartsch,dt. Kirchenliedes; Uhland, Schriften 2, 404 Deutsches Kyrie eleison, Quellenkunde S. 302-17; Bartsch, Die Erlösung, 1858, S. 187-331 -04 (12./13. Jh.); Das Blümel (Dichtung zum(Auswahl geistlicher Dichtungen vom XII. Lob Mariens, 800 V.), Gierach, Stammlersbis XV. Jh., meist aus Nürnberger Hss.) u. Verfasserlex. 1, 250; Priebsch, Mittelhoch-Germ. 7, 276-78; Wilh. Bäumker, D. kathol. deutsches aus e. Hs. des Merton Coli, in Oxforddeutsche Kirchenlied in seinen Singweisen von (Das Mensch gewordene Wort, Der Weise u. d.d. frühesten Zeiten bis gegen Ende des 17. Jh.s, Tor), 13./14. Jh., ZfdA. 38, 21 f.; H. Men-begonnen von Karl Severin Meister, l.Bd. hardt, Dt. Bearbeitung des Veni Sancte Spiri-1862, 2. Bd. von W. Bäumker 1883, l.Bd. tus aus Millstatt, Anz. 41, 201 f. (13. Jh.);von W. Bäumker 1886; Karl Aug. Beck, H.Vollmer, Ungedruckte geistl. GedichteGesch. d. kathol. Kirchenliedes von seinen aus d. MA., Christi. Welt 22, 1908, Nr. 50. 51.ersten Anfängen bis auf d. Gegenwart, 1878, Singer, Die religiöse Lyrik des MA.s, 1933.