Geistliche Lehren
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als ein geistlicher Ritterorden aufgefaßt, und tatsächlich besteht eine Reihevon Beziehungen zum Passional (Wortschatz, drei- und vierfache Reime), alsozur Literatur des Deutschordens. Der Dichter gehörte wahrscheinlich zumKreise der Deutschordensritter. Den Titel des Gedichtes gibt er selbst an(3424): „der Sünden widerstrit", aber sein rechter Name soll sein „des liebenCristes büchelin". Sein Zweck ist eine Mahnung, die unermeßliche Liebe Christizu erkennen (3455). Es hat Anklänge an die Mystik. Warme Frömmigkeit isthier verbunden mit ritterlicher Gesinnung. — Versbau und Reim folgen derbesseren Technik der Zeit.
Schon dem folgenden Jahrhundert gehört an Der geistliche Streit, 1 einallegorisches Gedicht von 1025 Versen, um 1320, elsässische Mundart. Wer einreines Herz haben will, um zu Gott zu gelangen, der muß gegen sieben böseWeiber kämpfen (die sieben Todsünden) und sie alle totschlagen. Er muß gutgerüstet sein (Allegorie der Rüstung: Schwert = Gottes Wort, der Halsberc =rechter Glaube usw.) und muß eine Schar von sieben Helferinnen haben,sieben Jungfrauen, die sieben Tugenden; Schilderung des Kampfes, in demder Teufel den Lastern hilft. Sie werden getötet, aber der Teufel ficht beiTag und Nacht weiter. — Das Gedicht ist wohl von einer Nonne für Nonnenverfaßt.
Der Kampf der Tugenden und Laster ist auch der Kern des VII. Gedichtesbei Seifrid Helbling. 2 — Ein „Streit zwischen Tugenden und Lastern", mittel-hochdeutsche Handschrift: Heinrich Hemmer, D. Str. zw. T. u. L., mitge-teilt und übersetzt, Jahrb. f. els.-lothring. Gesch. 24, 1908.
Die Note wider den Teufel, eine allegorische Schilderung der 7 Haupt-tugenden und Sünden, jede Tugend und Sünde gewappnet auf einem Tierreitend. Mitte 15. Jahrhundert. Abgedruckt: J. V. Häufler, Archiv f. dieKunde Österreich. Geschichtsquellen 5, 1850, 583-606.
Hierher gehört auch die Visio Philiberti, der Streit zwischen Seele undLeib, s. oben.
Das Gedicht Der Tugenden Kranz 3 will den Weg zu Gott und zumHimmelreich lehren. Es beginnt mit dem Sakrament der Buße und zählt danndie Tugenden auf, unter dem Bilde eines Kranzes von Blumen; zuerst dieKardinaltugenden mit ihren verschiedenen Teiltugenden (das Honestum), danndie drei göttlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung; 342 Verse (doch ineiner Handschrift große Zusätze). Das Gedicht fällt in das 13. Jahrhundert,der Dialekt ist mittelfränkisch.
Des Zusammenhangs wegen sei hier eine Prosaschrift eingefügt, eine Anlei-tung zur Vollkommenheit für Klosterleute bestimmt: Die heilige Regel für
1 Hgb. Graff, Diut. 1, 292-301 (nur Anfangund Schluß); vollständig: Pfeiffer, Ad.Übungsb. S. 141-52; Fritz Hoepfinger, Dergeistl. Streit, e. mhd. Ged. hergestellt u. er-läutert, Straßbg. Diss. 1907 (mit Lit. S. 42 f.).— Raab aaO. S. 31 f.; Marie Gothein, Arch.f. Religionswissenschaft 10,1907,468. —2Hss.
2 Seemüller S. 238 ff. u. Anm. S. 364 ff.
3 Hgb. Schade, Geistl. Gedichte d. 14. u.15. Jh.s vom Niederrhein; Krit. hgb. vonMilchsack, Beitr. 5, 548-69 (unter dem TitelDer Sek Cranz), dazu s. Bartsch, Quellen-kunde S. 246-62. — Etwa ein Dutzend Hand-schriften (eine aus dem 13. Jh.).