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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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371
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Marien legen den. Geistliche Lehren 371

der Jungfrau Maria. Heilige, Apostel und die Mutter Gottes selbst erscheinenihm in der Nacht von Maria Himmelfahrt und Engel reichen ihm ein pracht-volles Meßgewand. Diese deutsche Legende entstand wohl noch im 12. Jahr-hundert (oberdeutsch, 238 V., Abschnitte schließen mit Dreireim).

Das Jüdel, die Legende vom Judenknaben. 1 Ein Judenknabe wird in einechristliche Schule geschickt, lernt darin die Jungfrau Maria verehren undnimmt unter den andern Schülern am Abendmahl teil. Der Vater entsetzt sichdarüber, die Juden stecken das Kind in einen geheizten Backofen, aber durchMarias Schutz leidet der Knabe keinen Schaden und will nicht mehr zu seinenAngehörigen herauskommen, dagegen folgt er dem Geheiß des Bischofs, derihn und viele Juden tauft (12. Jahrh., 458 V.).

Die Marienlegende von Heinrich dem Klausner. 2 Ein Schüler trägteine hohe Verehrung für die heilige Jungfrau Maria, die er oft kundtut. Daerscheint sie ihm und überläßt ihm zwei Dinge zur Wahl, entweder 30 JahreBischof zu sein oder jetzt in drei Tagen zu sterben und den Himmel zu er-werben. Er wählt das letztere, und so geschieht es. Der Dichter nennt sich(V. 45) Heinrich Clüzenere, den Stoff erhielt er von Pilgerim von Görlitz (V.54)und verfaßte diz mere auf Geheiß des Königs von Böhmen (V. 1352, Wen-zel IL, 1278-1305). Er ist beeinflußt vom Passional (wie dieses haben dieAbschnitte Dreireim. Ostmitteldeutsch, 1364 V.).

Von den in GSA. abgedruckten Marienlegenden sind folgende noch ander-weitig literarisch behandelt, abgesehen von Pfeiffer in seinen Marienlegen-den: Frauentrost von Sigfrid dem Dorfer (Sifrit Dorfcere V. 637 ff.) 3und Marien Ritter (Unser lieben Frauen Ritter) (90 V.). 4

Geistliche Lehren

Vom Dichter selbst ausdrücklich auf Nutzen (Vers 66 ff.), also auf Belehrung,eingestellt ist Das Vaterunser des Heinrich von Krolewiz. 5 Es ist eine

Nachr. 75,1924, 1-12 (Krit. Text). Das lat. 287-90.

Gedicht, das Haupt ZfdA. 3,299-304 (s. auch 2 Hgb. Bartsch, Mitteldeutsche Gedichte,

Hoffmann, Ad. Bl. 1, 327 f.) herausgegeben 1860 S. 1-39.Lit.: Piper, Geistl. Dichtg. 1,

hat, liegt vielleicht dem deutschen Gedicht 284-86. Schröder, ZfdA. 67, 152-54.

zugrunde.Abh.: Goedeke aaO. u. Grundr. 3 GSA. Nr. 72, Bd. III, 429-50 u. S.CXXf.;

I 2 , 42 f.; Piper, Geistl. Dichtg. 2,49-51. Pfeiffer, ZfdA. 7, 109-28; Schröder, Anz.

1 Hgb. Hahn, Gedichte d. XII u. XIII. Jh.s, 43,98; Goedeke, Dt. Dichtg. im MA. 2 , 145-

1840, 129-34; Müllenhoff, Sprachproben 3 , 50; Roethe, ADB.34, 262.

1878, 107-12; Meyer-Benfey, Mhd. Übungs- * GSA. Nr. 74, Bd. III, 465-68; F. W. E.

stücke 2 , 1921, 84-96; eine jüngere Bearbeitg. Roth, ZfdPh. 28, 38 f., gekürzte Form, 47 V.

in Pfeiffers Marienlegenden Nr. 25 S. 237-60 gegen 90 V. in GSA. Altes Passional, Hahn

(568 V.). Eug. Wolter, Die Legende vom S. 142,75-143,65; Pfeiffer, .Marienlegenden

Judenknaben, Hall. Diss. 1879; Th. Pelizeus, S. 34-39.

Beiträge z. Gesch. d. Legende vom Juden- Ferners. Herbert Röhnert, Von dem armen

knaben, Hall. Diss., dazu Hilka, Arch. 133, Ritter, e. Marienlegende aus der ersten Hälfte

187-91. Sprenger, Germ. 27, 129-44; da- des 13. Jh.s Jenaer Diss. 1922 u. Beitr.48,

gegen Steinmeyer, ZfdA. 27,83-88; Schön- 472-85; J. Dohner, Die mhd. Versnovellen

bach, ebda 29, 350-52. Hs.abdrücke: Marien-Rosenkranz, München. Diss. 1928.

Graff, Diut. 3,399 f.; Franz Schmidt, Se- 6 Ausg. Ge. Chr. Friederich Lisch, 1839.

rapeum III, 1842, 343-54; Schönbach, ZfdA. Abhandl.: Steinmeyer, ADB. 17, 179;

47, 277-80. Lit. : Piper, Geistl. Dichtg. 1, Goedeke, Dt. Dichtg. im MA. 2 ,1871,234-37;24*