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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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370
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370 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts

dichtet. 1 Seinen Namen gibt der Dichter im Prolog bekannt: ich, genant Wernhir,V. 10, daselbst auch den Inhalt seines Werkes: Dis buch von unserer frowe lebenV. 33 (14914 V.). Seiner Sprache 2 nach war seine Heimat die nordöstlicheSchweiz. Seine Quelle war ebenfalls die Vita Mariae Rhythmica, 3 die er freierbenutzt als Walther v. Rheinau, wobei er Neigung zur Verbreiterung zeigt.Seine Darstellung ist wohl die tiefgehendste unter den Marienleben, sie zeugtvon innerer Teilnahme; das Werk ist ein religiöses Erbauungsbuch, währendWalther v. Rheinau, mehr auf Unterhaltung ausgehend, und auch BruderPhilipp in seiner schwunglosen Art dem großen Gedanken der Heilsge-schichte nicht gerecht werden. Die Metrik 4 ist ziemlich regelmäßig; dabeiist ein Streben nach Reinheit der Reime zu erkennen, wobei allerdings Mund-artformen mithelfen müssen.

In einer Königsberger Handschrift ist ein verstümmeltes Gedicht über-liefert, welches handelt: Van unser vrowen vnd van der bort sente marien derJoncvrwen, worauf folgt: Dit is van der hiemelvart vnser vrowen sinte marien,niederrheinisch, Mitte 13. Jahrhundert. 5

Ein mittelrheinisches Marienleben des 14. Jahrhunderts geht übereine bloße Übersetzung der Vita Mariae rhythmica nicht hinaus und ist nurin Bruchstücken erhalten (225 V.). 6

Marienlegenden

Die Innigkeit, mit der man die heilige Jungfrau als Mittlerin zu ihrem Sohne,als Helferin in Nöten verehrte, wob einen reichen Legendenkranz 7 um die ge-feierte Gottesmutter.

Der Bischof Bonus 8 (gestorben in Clermont 709) war ein eifriger Diener

1 Ausg.: Max Päpke, zu Ende geführt von s. Schröder, Göttinger Nachr. 1931, 1-27.Arthur Hübner, Dt. Texte d. MA.s Bd.27, ' Texte: Hahn, Das alte Passional, 1845,1920; Auszug: v. d. Hagens Germ. 8, 239-64. S. 126-54; Pfeiffer, Marienlegenden, 1846, Abhandl.: Max Päpke, D. Marienleben des neue Aufl. 1862 (25 Marienlegenden aus demSchweizers Wernher, Pal. 81, 1913, dazu alten Passional); v. d. Hagens Gesamtaben-Strauch, Anz. 41, 51-55, Werner Richter, teuer Nr. 72-90, Bd. III, 427-623 u. S. CXXArch. 134,454; Reinsch aaO. S. 118; Baech- -CXXVII. Abhandl.: Mussafia, Stud. zutold, Gesch. d. dt. Lit. in d. Schweiz S.139u. d.mittelalterl. Marienlegenden I-V, Wien. SB.Anm. S.40; Singer, Lit.gesch. d. dt. Schweiz 113,1887.115,1888.119,1889.123,1891.139,im MA., 1930, 41. 194; Wahnschaffe, En- 1899; Keinz, Bruchstücke von Marienlegen-jambement pass.; Piper, Geistl. Dichtg. 1, den, Germ. 25, 82-88 (12./13. Jh., bayer.);282; A. Schwinkcwski, Pr. Wernhers Maria, H. Schnell, Zu den Münch. Bruchstückeneine Stiluntersuchung, Kieler Diss. 1933. von Marienlegenden, Germ. 32, 427-32, weist1 Hs. (Heidelberg, geschrieben 1382): Päpke, den näheren Inhalt und die mutmaßlicheAusg. S. VI-XVII u. Pal. S. 2 ff. Quelle von zweien der von Keinz abgedruckten

2 Päpke, Pal. S. 61-118. Stücke nach; Joh. Bolte, Marienlegenden des

3 Päpke, Ausg. S. 1 f. u. Pal. S. 119-82; da- 15. Jh.s, Alem. 17, 1888, 1-25 (46 prosaischedurch Beziehungen zu Konrad v. Fußesbrun- Marienlegenden); Franz Bär, Die Marien-nen: Päpke, Pal. S. 175-82 (s. auch oben legenden der Straßburger Hs. 863 u. ihr lite-Konr. v. Fußesbr.). rarhistor. Zusammenhang, Straßb. Diss. 1914.

4 Päpke, Pal. S. 61-70. Goedeke, Grundr. I 2 , 230 f. u. Dt. Dichtg.B Steffenhagen, Königsberger Hss., ZfdPh. im MA. 2 S. 132-56; Günther Müller in

13,524; Schade, Liber de infantia Mariae et Walzeis Handbuch der Lit.-Wissensch. S. 23;

Christi salvatoris, Progr. Regimonti (Königs- Merker, Reallex. 2, 182-85; Hübner, ebda

berg) 1869 S. 8c. Noch nicht herausgegeben. 2,332-34.

8 Hgb.FRiEDR.GÜNDEL,ZfdA.68,233^13. 8 Hgb. Haupt, ZfdA. 2, 208-15; Goedeke,

DierheinfränkischeHimmelfahrtMariae" Mittelalter 2 . S. 158-60; Schröder, Gott.