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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Das Leben Jesu und der Jungfrau Maria

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Der Verfasser nennt sich selbst im Epilog (V. 10122) Bruder Philippund den Ort der Abfassung: in dem orden von Carthüs ... ze Seitz ;er gehörte also dem Karthäuserorden an und dichtete am Anfang desH.Jahrhunderts (oder Ende des 13. Jahrhunderts?) in dem Kloster Seitzin Steiermark. 1 Die Mundart seiner Reime aber weist nicht nach Öster-reich, sonaern nach Mittel franken. 2 Er stammte also aus dem Mittel-fränkischen und dichtete in Seitz. Er hat das Buch (Marienleben 10082,vgl. V. 9 ff.) den Brüdern von dem deutschen Haus gesendet, weil sieMaria verehren und den Christenglauben verbreiten (V. 10089 ff.). DieQuelle des Gedichtes ist ebenfalls die Vita beatae Mar. Virg. usw. ; 3 dieÜbersetzung ist ziemlich frei; der von Rückert herausgegebene Text umfaßt10131 V. Die Darstellung des heiligen Gegenstandes ist trocken, der Vers-bau nachlässig, 4 doch war das Gedicht sehr beliebt, wie die vielen Hand-schriften zeigen. 5

Am Ende des 14. Jahrhunderts, nicht lange vor 1382 (Abfassung der Heidel-berger Handschrift), ist Das Marienleben des SchweizersWernher ge-

neu hgb. mit 20 Kupfertiefdrucken. Über-setzung: Wilh. Sommer, 1859. Abhandl.:Schröder, ADB. 26. 71 f.; Massmann, Hei-delb. Jahrbücher 1826, 1184; Pfeiffer, Nico-laus v. Jeroschin, Ausg. 1854 S.XV. XXXf.;Jos. Haupt, Br. Philipps Marienleben, Wien.SB. 68, II, 1871, 157-218; J. P. Siller, Br.Philipps Mar.leben u. die Marienlegenden inDer Heiligen Leben", Wagners Arch. f.Gesch. d. dt. Sprache u. Dichtg. 1, 1874, 497-506; Reinsch aaO. S. 116 f.; Dederich aaO.;K. Reissenberger, Zu Br. Philipp v. Seitz,Beitr. 41, 184-87; Helm, ZfddtUnterr. 30,1916, 296 f.; Ziesemer, D. Lit. d. dt. Ordens,1928, 38 f. Wahnschafte, Enjambementpass.; Agnes Geering, Die Figur d. KindesS.83ff. Goedeke, Dt. Dichtg. im MA. 2128-32; österley, ebda (Nd.) S. 11-13.Piper, Geistl. Dichtg. 1, 281 f.; Merker,Reallex. 2, 184. 40 Hss. u. Bruchstücke:Rückert S. 276 ff.; Jos. Haupt, S. 177-214,215-18; Goedeke, Grundr. I 2 , 228; zu Piper:Sieber, Progr. Leitmeritz 1883; V. E. Mou-Rek, SB. d. K. böhmischen Ges. d. Wissensch.1888, s. Heinzel, Anz. 17, 95; P.Mitzschke,Germ.37, 183-85; Conr. Schiffmann, Progr.Linz 1895 u. 1897, dazu C. Kraus, Anz.22, 321 f., Helm, Lbl. 1896, 260; C. Kraus,Anz. 22, 322; Scheel, Festg. Weinhold 1896Nr. 49; Singer, Prager dt. Stud. 8, 311;Priebsch, Dt. Hss. in England II, 106; Joh.Franck, ZfdA.44, 117 f.; Schiffmann, ebda47, 242-46; Franz Pennerstorfer, Progr.Leoben 1913; Max Päpke, D. Marienleben desSchweizer Wernher S. 30 ff.; dazu Strauch,Anz. 41, 41-55; Schröder, Anz. 41, 94;P. Hagen, ebda 43, 27 f. Heinr. Rau-scher, Weißkirchner Bruchstück von PhilippsMarienl., ZfdA.69,125-28; Herm. Menhardt,

24 Deutsche Literaturgeschichte IV

Klagenfurter Bruchstücke von Br. Phil. Maria,ebda S.304. Vier nd. Hss.: Jellinghaus,Pauls Grundr. II 2 , 367; Goedeke, Grundr. I 2 ,228 f.; F. Göbel, Nd. Jahrb. 31, 36-38.Eine Prosaauflösung von 1471, das sog.Volks-buch von Jesu Kindheit, s. Päpke aaO. S. 30Anm.2 u. S. 182.

1 Dieses ist die fast allgemein gültige Ansicht(s. Rückert im Vorwort seiner Ausg.). Jos.Haupt hat dagegen eingewendet: 1. die Spra-che sei ursprüngl. mittelniederfränk., 2. dasKloster ist nicht Seitz, sondern am Nieder-rhein gelegen, denn 4 Hss. haben statt Seitzandere Benennungen (s. Rückert, Ausg.S. 323); daraus schließt er auf Selem bei Diest(in der heutigen belgischen Prov. Limburg);der älteste mnfrk.Text ist verloren, unsere Hss.gehen auf einen md.Text zurück. Jos. Hauptfindet unter den Hss. 4 verschiedene Gruppen.

2 Jos. Haupt S. 157-76: Philipp hat höchst-wahrscheinl. niederrheinisch, ungefähr wieHeinr. v. Veldeke (!) gedichtet (S. 174).Zwierzina, ZfdA.45, 84 (Mittelfranken);Alfr. Juvet, Beitr. 29, 129-74 (Mittelfran-ken); Schröder, ADB. aaO. u.Münch. SB.1924 S.4 (Mittelrhein); Reissenberger aaO.(Mittelfranken); Ziesemer, D. Lit. d. dt. Or-dens, 1928, 38 f. (ebenso). Pfeiffer, Niko-laus v. Jeroschin S.XV.

3 Quelle: Schade, Liber de Inf. Mariae etChristi Sah/., Progr. Königsberg 1869 S. 11 ff.;C. v. Tischendorf, Evangelia apocrypha;Schönbach, ZfdA. 17, 523 ff.; Singer, Pragerdt. Stud. 8, 304.

4 A. Juvet, Üb. d. Reimgebrauch in Br.Philipps Marienl., Beitr. 29,127-74.

5 Siehe Hans Vollmer, Materialien zur Bibel-geschichte Bd. I, 1912, unter Gruppe III b,Hss. Nr. 65-77.