368 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts
Grazer Marienleben 1 in einer Grazer Handschrift, bayerisch-österrei-chisch, Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Text der Handschrift ist uneinheit-lich, die benutzte Vorlage war verstümmelt, hatte Lücken und Umstellungen.Quelle ist die oben angeführte Vita beatae Mariae virginis et Salv. metr.Die Metrik ist sehr glatt. 2 Der Dichter hat Erinnerungsstellen an Mai undBeaflor.
Der Abfassungszeit nach folgt Das Marienleben Walthers vonRheinau, 3 Ende des 13. Jahrhs, vielleicht auch erst ganz am Anfangdes 14. Jahrhunderts anzusetzen. Der Verfasser nennt sich am Schluß(Keller B. IV S.58, 35 ff.): Von Rinouw Waltherus, Von Bremgarten bider Rius (Reuß) geborn. Er war also der Heimat nach Schweizer ausdem Aargau, von Stand vielleicht ein verarmter Sprößling des Geschlechtesvon Rheinau; er mußte durch Schreiben seinen Unterhalt verdienen (Kel-ler aaO.). Das Werk, etwa 15000 V., zerfällt in 4 Bücher. Quelle istebenfalls die Vita beatae Mariae virginis et Salv. metrica, 4 der Waltherziemlich genau folgt. Er hat keine originelle Begabung, doch gute theo-logische Kenntnisse und vermag wirkliche Frömmigkeit anschaulich zurGeltung zu bringen; ohne daß er selbst eigentlich poetischen Schwungbesitzt, weiß er, geschult an dem Stil 5 Rudolfs v. Ems und Konrads v. Würz-burg, seiner Ausdrucksweise eine gefälligere Form zu verleihen, als er inseiner Quelle gefunden hat; beeinflußt ist er auch vom Passional undanderen deutschen geistlichen Dichtungen. 8 Die Verskunst handhabt ernicht pünktlich, der Versbau ist ziemlich frei, die Reime sind nicht seltenunrein.
Viel größere Bedeutung in der Literaturgeschichte hat DasMarienlebenvon Bruder Philipp dem Karthäuser. 7
1 Hgb. Schönbach, ZfdA. 17,519-60. — bilder oder Königsbilder? 1905, 141 ff.Lambel, Germ. 20, 71-81. — Piper, Geistl. Schwietering, Demutsformel S. 60; ZieseDichtung 1, 281. mer, Lit.d. dt. Ordens S. 39; Agnes Geering
2 Schönbach S. 521, Lambel aaO. Die Figur des Kindes S. 83-88. — Merker
3 Ausg.: Heinr. Adelb. Keller, (bzw. Dr. Reallex. 2, 182. — 2 Hss. 3 Brachst.: VoegtKeller, Adelbert v. Keller) in 4 Tübinger lin, Diss.; Hauffen, Anz. aaO. S. 35 f.Universitätsprogrammen 1849. 1852. 1853. Brachst.: Keller, Ausg. B. IV S. 59 (Zürich)1855. — Auszüge: Mone, Anz. 5, 1866, 322 ff. Seemüller, Zs. d. Ferdinandeums III. Folgeu. Schauspiele des MA.s 1, 181 ff.; Goedeke, 40.H.; Bartsch, QuellenkundeS. 176(Berlin)Dt. Dichtg. im MA. 2 S. 125 f. — Abhandl.: Menhart, Klagenfurter Bruchstücke von BrudSchröder, ADB. 28, 378 f.; Rob. Reinsch, Phil. Maria, ZfdA. 69, 304.
Die Pseudo-Evangelien von Jesu u. Marias 4 Schade, Liber de infantia Mariae et Christi
Kindheit usw., 1879, 117 f.; A. Voegtlin, W. Salv. 1869 S. 8b f.; Reinsch aaO. S. 117; H
v. Rhein, u. seine Marienlegende, Straßb. Diss. Dederich, Zur geistl. Dicht, des MA.s, 1877
1886, dazu Ad. Hauffen, Anz. 14, 35^12; Voegtlin, Diss. aaO.; hauffen, Anz. 14, 40
Ad. Hauffen, W. v. Rh., seine lat. Quelle u. 5 Stil u. Metrik: Voegtlin, Diss.; Hauffen
sein dt. Vorbild, ZfdA. 32, 337-79; Max ZfdA. 32, 337-79 u. Anz. 14, 35-42. Sprache
Päpke, D. Marienleben d. Schweizers Wernher Voegtlin, Diss.; Zwierzina, Anz. 26 Reg.
S. 43-47; Baechtold, Gesch. d. Lit. in der S. 353. 27 Reg. S. 349.
Schweiz, 1892, 138 u. Anm. S.40; Singer, 6 Hauffen, ZfdA. 30, 356-79.
Lit.Gesch. der dt. Schweiz, 1916, 25. 50; 7 Ausg.: Heinr. Rückert, 1853; Fel. Bo-
Ders., Die malterl. Lit. d. dt. Schweiz, 1930, bertag, Kürschners Dt. Nat.-Litt. Bd. 11,
41. 186; Ders., Wolframs Willehalm, 1918, 27; 1886, 1-92; Auszug: Docen, Mise. 2, 68-98;
K. Heldmann, Rolandspielfiguren, Richter- Bruder Ägidius, Phil. d. Karth., Marienleben,