Das Leben Jesu und der Jungfrau Maria 367
Motive aus der Pilatussage bezeugen. 1 Weniger verbreitet war die Legendevom Schweißtuch der Veronica. 2
Nur in Bruchstücken erhalten ist eine poetische Bearbeitung des Pseudo-matthäus vom Ende des 12. Jahrhunderts. 3 Ein Bruchstück einer gereim-ten Passion (Jesus vor Pilatus, 64 V.) fällt ebenfalls an das Ende des12. Jahrhunderts. 4 Eine besondere Darstellung fand auch die OffenbarungJohannes durch ein Gedicht Von den fünfzehn Zeichen vor demjüngsten Tage (321 Verse, wohl aus dem Ende des 12. Jahrhunderts). 5
Das markanteste Beispiel für diese eschatologische Dichtung ist ein Gedicht,das die Überschrift trägt: „Ditz ist von dem jungesten tage Da manhoeret jamers klage". 6 Das jüngste Gericht ist verbunden mit dem Streitzwischen Seele und Leib (Visio Philiberti); aus Franziskanerkreisen, bayerisch,um 1270-80 (758 V.). Eine zweite, niederdeutsche, Fassung ist gekürzt (330 V.).
Zur Gattung der „Himmelsbriefe" gehört Die vrone Botschaft an dieChristenheit: ein Brief Christi über die Sonntagsheiligung kommt auf denAltar S. Petri in Jerusalem herab. Der Verfasser war wohl ein Mönch imKloster Weihenstephan und schrieb ohne poetisches Talent das Gedicht(890 V.) um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts. 7
Dem Lebensgange der Gottesmutter sind mehrere geistliche epische Dich-tungen gewidmet, die Marienleben. Quelle war meist die Vita beatae Mariaevirginis et Salvatoris metrica (um 1200), die in vier Bücher zerfällt: Buch I(V. 1-1478): die Eltern der Maria, Joachim und Anna; Maria Geburt;Jugend (Tempeldienst); Vermählung mit Joseph. Buch II (V. 1479-3622):Verkündigung von Jesu Geburt; Flucht nach Ägypten; bis zu Jesu zwölftemJahre. Buch III (V. 3623-6062): Taufe im Jordan; Christi Wunder; Leiden;Marien Klage. Buch IV (V. 6063-8031): Auferstehung und Himmelfahrt;Maria Tod und Himmelfahrt. 8
Da die „Marienleben" stofflich eng zusammengehören, sollen die des 13. und14. Jahrhunderts miteinander behandelt werden.
iLG.II.lSTf.Cm.LitOiaSf.jfernerGoEDEKE, 6 Pfeiffer, ZfdA. 1, 117-26; Schade,
Grundr. I 2 , 469; Hugo v. Kleinmayr, Hand- Creszentia S. 42-52; Nölle, Die 15 Zeichen
schriftliches zur Pilatuslegende, ZfdA. 62, vor d. jüngsten Gerichte, Beitr. 6, 413^76;
241-50 (Budapester Bruchstücke eines Pila- LG. II, 1,121. — Lat.: Sommer, ZfdA. 3,
tusgedichtes, s. auch JB. 1925 S. 175). 523-30. — Lit.: Piper, Geistl. Dichtg 2, 46
2 Eine Veronikalegende wird Regenboge -49.
zugeschrieben, hgb. Euling, Arch. 81, 381- 6 L. A. Willoughby, Von dem jungesten
404, ins Niederdeutsche übersetzt 1490 (Jel- Tage, a middle high germ. poem of the 13. cent.
linghaus, Grundr. II 2 , 367). Über die Legende edited, Oxford 1918.
von Joseph von Arimathias. LG. 11,2, 248 f. 7 Ausg.: Haupt, Ad. B1.2, 241-64; Rob.
u. bes. Zarncke, Beitr. 3,309 f. Priebsch, Diu vrone botschaft ze der chri-
3 Klapper, ZfdA. 50, 167-72. stenheit, 1895, dazu Michels, GgA. 1897,
4 Hgb. Bartsch, Germ. 4,245 f.; Kelle, 744 f., Rosenhagen, ZfdPh. 29, 126-31,Gesch. d. dt. Litt. 2, 153. 356. — Eine pro- Leitzmann, DLz. 1895,1453, Cbl. 1895,1530f.,saische Passion: Passie ons heren Jhesu chri- Helm, Lbl. 1896, 258 f., Zwierzina, ZföG. 48,sti, Kölner Druck: P. Norrenberg, Kölnisches 52-57. — Haupt, ZfdA. 4, 580.Literaturleben im ersten Viertel d. 16. Jhs., 8 Hgb. Voegtlin, Lit.Ver. 180, 1888/89; s.1873, S.4; Prosa, 14. 15. Jh. mittelfränk.: Max Päpke, D. Marienleben des SchweizersBirlinger u. Crecelius, Ad. Neujahrsblätter Wernher (s. unten) S. 8-29. 119-82; Schrö-für 1874 S. 1-52. der, ZfdA. 68 ,243-48.