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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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366 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts

fall (157). Die Minne nötigte Gott, der Menschheit Heilung zu gewähren,da nahm er menschliche Form an; Maria und die Verkündigung Gabriels(269); weiter die Geschichte Jesu nach den Evangelien. Mit 3106,vonNichodemo", setzt das Ev. Nicodemi ein; den Schluß macht die vereinigtePilatus-Veronica-Legende (4045). Der Dichter, der sich nach der StadtJudenburg in Steiermark benennt (V. 188 f.), ist weiter nicht bekannt.Um der Erzählung einen besonderen Nachdruck zu verleihen, gibt er demVortrag eine persönliche Note, was diesen aber unnötig schleppend machtund den unmittelbaren Eindruck der Erhabenheit des Evangeliums ab-schwächt.

Ganz den Evangelien folgend erzählt Johannes von Frankenstein 1 inseinem Kreuziger (11475 V.) die Leidensgeschichte Christi, di mere vonder marter Jesu Crist. Johannes stammte aus Frankenstein in Schlesien (überseine Person: V. 11442 ff.), gehörte dem Johanniterorden an und wurde indas Ordenshaus zu Wien gesendet, wo er auf Bitten seines OrdensbrudersSeidel (des hüses schqffere, Schaffner, Verwalter) den Crüzigere (Kreuzträger)im Jahr 1300 schrieb. Es ist eine Übersetzung und Erklärung des Bibeltextes,ohne Selbständigkeit, aber mit warmem Gefühl für die Leiden des Erlösers.Der Stil ist, entsprechend den beiden Auffassungsweisen, der rein erzählendenund der dogmatisch-erklärenden, zum Teil einfach berichtend, zum Teil stili-siert und gekünstelt. Die Quelle, noch nicht nachgewiesen, war ein gelehrttheologisches lateinisches Werk ohne poetischen Zweck. Der Dichter jedochkannte auch die mittelhochdeutsche Profanliteratur, Wolfram, Ulrich v. d.Türlin, den Jüngern Titurel, Konrad v. Würzburg.

Die spärlichen Nachrichten, welche die Evangelien über Judaslschariothbringen, wurden im Mittelalter durch einzelne Züge bereichert, aber auchzuweilen zu einer ganzen Lebensgeschichte des verhaßten Verräters er-weitert. 2

Sehr bekannt war die Pilatuslegende, wie ihr Vorkommen in lateinischer,französischer, englischer, holländischer und deutscher Sprache und die invielen mittelhochdeutschen Dichtungen und Prosaschriften vorkommenden

bansky, Gerichtsszene u. Prozeßform, 1925, d. Joh.v. Fr., Progr. Graz 1880, dazu Strauch23-27; Wesle, Stammler, Verfasserlex. 2, Anz. 7,95, Roediger, DLZ. 1880, 371.108 f.; Stellen: Leitzmann, Beitr. 43, 540- 1 Hs.: Khull, Üb. d. Sprache S. 3 u. Ausg.;44. Hs. Wien, Jaksche S. Vff.; Bruch- Piper, Geistl. Dichtg. 2,136 Anm. ; Strauch,stücke: Mencik (Schröder), ZfdA. 50, 386 Anz. 7, 95; Crüger, Anz. 10, 277 f.-89; Helm, Beitr. 35, 329 ff. 2 W. Creizenach, Judas Ischarioth in Le-1 Ausg.: Ferd. Khull, Lit.Ver. Nr. 160, gende und Sage des MA.s, Beitr. 2, 177-207;1882. Abhandl.: Seemüller in Gesch. d. Anton Büchner, Judas Isch. in d. dt. Dichtg.Stadt Wien III. Bd. 1. Hälfte, 1907, S.7; vom MA. bis zur Gegenwart, 1920; PaulZwiesemer, Die Lit. d. deutschen Ordens in Lehmann, Jud. Isch. in der lat. Legenden-Preußen, 1928, 38. Baesecke, Wiener Os- Überlieferung des MA.s, Studi Medievali,wald (s. LG. II, 1 S. 337) S. XCI, dazu Keim, Nuova Serie 2, 1929, 289-346; Alfred Hein-Anz.36, 245; Naumann, Ausg. von Landgraf rich, Johannes Rothes Passion, 1926, darinLudwigs Kreuzfahrt (siehe oben) S. 195. Vita Pilati u. Vita Judae traditoris.Mundart (schlesisch): Khull, Üb. d. Sprache