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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Das Leben Jesu und der Jungfrau Maria 365

Hinsichtlich der Kunst des Verfassers ist ein Fortschritt im zweiten Ge-dicht zu bemerken. Die Himmelfahrt gibt Gelegenheit zu poetisch warmenStellen, die Urstende ist mehr dogmatisch. Für den Stil sind ihm Muster:Hartmann, Gotfrid und Konrad von Fußesbrunnen. 1 Sein Wortschatz istnicht eben groß, das zeigt sich auch in den Reimen, bei denen die gleichenBindungen öfter wiederkehren. Beide Gedichte sind mit Reimhäufung ge-schlossen.

In der Himmelfahrt fand die Verehrung der heiligen Jungfrau die höchsteWeihe, und so sind noch mehrere Gedichte Mariae Himmelfahrt gewidmet. 2Eine rheinfränkische Fassung 3 aus der Gegend von Mainz, später als Kon-rads von Heimesfurt Werk, beginnt mit einer kurzen Aufrollung der sechsWeltalter, um dann auf David zu kommen, aus dessen Geschlecht Mariastammte.

Rasch schreitet die Erzählung vorwärts: Geburt Jesu (V. 127), MariensKlage am Kreuz (V. 231); der Engel Gabriel erscheint und verkündet ihrihren Tod (V. 557), die weiteren Ereignisse bis zur Himmelfahrt gleichendenen von Konrads von Heimesfurt Gedicht (1844 V.). Die Darstellung istwarm und gemütvoll.

Ein ostmitteldeutschesBüchlein von der Himmelfahrt Mariae" 4 vomEnde des 13. Jahrhunderts geht, wie Konrads von Heimesfurt Gedicht,von dem apokryphen Liber de transitu Mariae aus (586 V.). Die Darstellungist nicht ohne poetischen Wert, die Form zum Teil Prosa, die zweite Hälftegereimt.

Mittelniederdeutsche Gedichte (15. Jahrhundert) über Marien Himmel-fahrt: 5 in der Sammlung geistlicher DichtungenHartebok" (Ph. Wacker-nagel, Das deutsche Kirchenlied 2, 309 ff.);Van der himmelvart unser levenvrouwen, wo se in den overtsen tron quam" (herausgegeben im Auszug vonHoffmann v. Fallersleben, Germ. 15, 369-74); Marienleben in einer Königs-berger Handschrift (ZfdA. 13, 524).

In den weitesten Rahmen stellt Gundacker von Judenburg dasLeben Christi in seiner ErlösungsgeschichteChristi Hort". 6 Das Ge-dicht (5320 V.) beginnt mit der Weltschöpfung (V. 1) und dem Sünden-

1 de Boor, Festschr. Ehrismann 1925, 144; 453-65.

Leitzmann, ZfdA. 67, 280 Sprach-, Laut- 4 Breslauer Hs., hgb. Klapper, ZfdA. 50,

u. Formenlehre: Kramm aaO., Dialekt: Zwi er- 172-82 (daselbst sind S. 172 alle Gedichte und

zina, Anz. 26 Reg. S. 350. 27 Reg. S. 346. Gedichtteile verzeichnet, die die Himmelfahrt

2 Lit. s. Klapper, ZfdA. 50,173. Mariae zum Gegenstand haben).

3 Hs. Gießen. Hgb. Weigand, ZfdA. 5, 5 Jellinghaus, Pauls Grundr. II 2 , 367.515-64. Bartsch, Erlösung S.XXII-XXIV 6 Ausg.: J. Jaksche, Gundackers v. Juden-u. Germ. 7,1; Zwierzina, ZfdA. 45, 22 f.; bürg Christi Hort, Dt. Texte des MA.s Bd. 18,Schröder, Die Gießener Hs.876 und die 1910, dazu Junk, Anz. 35,140^2, Wallner,rheinfränk. Himmelfahrt Mariae", Gott. DLz. 1910, 3107 f. Pfeiffer, Ad. Übungs-Nachr. 1931 S. 1 ff., bes. S. 12-20. Siehe buch S.73-90; Schönbach, Anz. 2, 204-06;auch F. Normann, Notes on a mhg.Marien Kurt Stübiger, Untersuch, zu G. v. J., 1922,Himmelfahrt", Mod. Lang. Rev. 23, 1928, dazu Schröder, Anz. 42, 81; Erich Kli-