364 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts
heutige Hainsfarth bei Oettingen, bayerischer Kreis Schwaben. Urkundlich 1belegt als Laienzeuge ist ein Chünrat de Heimesfurt mehrmals 1198-1212;dies kann unser Dichter sein, der dann nach 1212 in den geistlichen Stand ge-treten wäre. Eingereiht ist er auch von Rudolf v. Ems in das Dichterverzeich-nis im Alexander, Einleitung zu Buch II. 2 Die Abfassungszeit der Himmelfahrtwird um das Jahr 1225,' die der Urstende um 1230 fallen. 3
Die Himmelfahrt Maria, 4 Von unser vrouwen hinvart (V. 64). Inhalt:Zwei Jahre nach dem Tode Jesu stirbt Maria zu Jerusalem, wie ihr der EngelGabriel verkündigt hatte (V. 181), umgeben von den zwölf Aposteln (317),die sie zu Grabe tragen (508); Christus erscheint an der Bahre (793), erwecktdie Tote (882) und beide fahren vereint gen Himmel (937). Als die zwölfApostel sich trennen wollen, kommt Thomas herangelaufen: Gott hat ihm dasGlück beschert zu sehen, wie die himmlische Heerschar die Königin empfingund sie ihm ihren Gürtel zufallen ließ (980); Schlußwort (1109); 1130 V. DieQuelle 5 ist ein griechisches Werk des Bischofs Melito von Sardes (spätestens4. Jahrhundert?), ins Lateinische übersetzt: De transitu Mariae virginis; denBischof „Milto von Sardania" nennt Konrad selbst als Urheber V. 77-118.
Die Urstende 6 erzählt Christi Leidensgeschichte, Kreuzigung, Höllen-fahrt, Auferstehung (urstende), das Eingreifen Josephs von Arimathia unddes Nicodemus, die Zeugnisse der Söhne Simeons, Leoncius und Karicius, dietot waren und wieder lebten (2162 V.). Quelle 7 ist das Evangelium Nicodemi,wobei lehrhafte und moralische Erörterungen eingeflochten sind.
Den tiefsten Ausdruck für die von ihm hochgehaltene ritterliche Kulturseiner Zeit hat Konrad in seinem ethischen Bekenntnis gefunden (Himmel-fahrt V. 909 ff.): Gott und der Welt wert sein, Gottes Huld behalten undder Welt Lob nicht lassen, das ist ritterlicher Humanismus, wie er in der höfi-schen Dichtung Formel geworden ist; so faßt besonders Wolfram den Sinnund Wert des Lebens zusammen am Schluß seines Parzivals (827,19 ff.): seineSeele bewahren und der Welt Huld behalten. 8
1 Haupt, ZfdA. 15, 468 Nr. 56; Ludw. schrift u. Auszug im Jahrb. d. philos. Fakult.
Steinberger, Münch. Mus. 4, 1924, 99 f.Schröder, ZfdA. 67, 232 f.
2 Leitzmann, ZfdPh. 43,314 f.; Junk, Beitr29, 424 u. Rudolf Alexander, Ausg. Einlzu Buch II.
8 MSH. 4, 866; Pfeiffer, ZfdA. 8, 158
1921, 2, 149; Alban Stöckli, ZfdA. 65, 177-88. — Textkritik: Jellinek u. Kraus,ZföG.44, 1893, 691 f.; Singer, Prager dt.Stud. 8, 304-6; Leitzmann, ZfdA. 67, 273-81.6 Franz Kramm, Üb. Konrads v. Heimesf.Sprache u. Verskunst. Seine „Himmelfahrt
Gompert S.34; Bartsch, Germ. 8, 327. Mariae" im Verhältnis zu ihrer Quelle, Diss.
4 Ausg. Pfeiffer, ZfdA. 8, 156-200. — Freiburg i. B. 1882 (S. 66-80), s. dazu E. F.
3 Hss.: Pfeiffer, Ausg. S. 156 f.; Schön- Kossmann aaO. S. 219 f.; Stöckli aaO.
bach, ZfdA. 17, 519 ff. (Grazer Hs.); Stein- S. 180.
meyer, ebda 18, 743 Anm. (Berlin. Hs.); 6 Ausg.: Hahn, Ged. d. XII. u. XIII. Jhs.,
Junk, Ausg. von Rudolfs v. Ems Willehalm 1840, 103-28; Erich Klibansky, Gerichts-
S. XVIII ff. (Donauesch. Hs.). Bruchstücke: szeneu.Prozeßform, 1925,9-16. — Textkritik:
Schönbach, ZfdA. 18,143 f.; v. Grienberger, Bartsch, Germ. 8, 328; Sprenger, ebda
Germ. 31, 93-96; v. Kraus, ZfdA. 55,296-98; S. 85-88; Leitzmann, ZfdA. 67, 281 f.
E. F. Kossmann, Frankfurter Bücherfreund 7 R. Wülcker, D. Ev. Nicodemi, 1872; Lit.
12, 1919, 217-20; Lotte Kunze, Stud. zu s. Piper, Geistl. Dichtg. 1, 268 f.
Konr. v. Heimesf., Gott. Diss. 1921, Masch.- 8 ZfdA. 56, 175 f. 201 f.