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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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363
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Das Leben Jesu und der Jungfrau Maria 363

Stücke. Rückkehr nach Nazareth, V. 2068-3031 (Schluß). Der Engel verkün-det Joseph den Tod des Herodes und fordert ihn zur Heimkehr auf. Episode:Der freundliche Gastwirt wird auf einem Raubzuge schwer verletzt, sein Weibheilt ihn mit dem Schwamm, den sie von dem Bade des Jesuskindes aufbe-wahrt hatte. Joseph und die Seinen kehren auf dem Heimweg bei ihm ein -und werden köstlich bewirtet. Der Wirt aber war jener Schacher am Kreuzeneben Christus, der ihn bat, seiner im Paradiese zu gedenken, V. 2103-2534.Die acht Wundertaten des Jesusknaben: er bringt ein verschnittenes Holzwieder zurecht; er holt seiner Mutter Wasser im Mantel; einen seiner Gespie-len, der zu Tod gefallen war, macht er lebendig; er erweckt einen von einerTerrasse zu Tod gefallenen Knaben; er gebietet im Spiel mit anderen Kindernden Fischen, in eine von ihm gegrabene Furche zu gehen; er kommt in eineLöwenhöhle und spielt mit den Löwen; im Spiele mit seinen Kameradenmacht er Vögel aus Lehm und läßt sie fliegen; Jesus in der Schule.

Konrad von Fußesbrunnen ist geschult an der höfischen Kunst, 1 besondersHartmann von Aue (Erec, Gregorius) ist sein Vorbild in der Ausdrucksweiseund in der metrischen Behandlung. 1 Er ist der erste österreichische Dichter,der geistliche Epik in höfischer Sprache vorgetragen hat. Ist er auch im Stoffenicht originell, so hat er doch denselben zu einem wohlgegliederten Ganzenzusammengefaßt, und einzelnes ist sehr ansprechend erzählt, so die anschau-liche und lebendige Schilderung des Anwesens und Gartens bei dem gutenSchacher, der Verkehr des Jesusknaben mit seinen Gespielen, in deren Kreiser seine Wunder vollbringt. 2 Auch in der folgenden Literatur hat das GedichtNachwirkungen hinterlassen: bei Konrad von Heimesfurt, in Rudolfs v. EmsBarlaam und Willehalm, in Reinbots heiligem Georg, imPassional, in BruderPhilipps Marienleben. 3

Der gleichen Richtung wie Konrad von Fußesbrunnen, geistlichen Stoff indie zu der Zeit herrschende höfische Ausdrucksweise zu bringen, folgt derGeistliche Konrad von Heimesfurt in seinen beiden Epen Die Himmel-fahrt Maria und Die Urstende. 4

Der Dichter gibt seine Namen an in der Himmelfahrt V. 20 f.: ich armerpfqffe Kuonrdt geborn von Heimesfürte ; in der Urstende ist sein Name in einemAkrostichon der Abschnittsinitialen versteckt: Curat Jon Heimesvurt hat dizbuch gemachet des raten unde turt guten samen swachet. amen. 5 Heimesfurt ist das

1 Stil: Kochendörffer S. 42-51; Öhmann bots heil. Georg u. die Kindh. Jesu, ZfdA. 68,S.40ff.; Schröder, ZfdA. 66, 141 f., 67, 176. 27073.

Sprache (Mundart): Zwierzina, Anz. 26 * Steinmeyer, ADB. 11,1880,331 f.; Piper,

Reg. S.348f. 27, Reg. S.345; Leitzmann, Geistl. Dichtg. 1, 266-74; Gompert aaO.

ZfdA. 67, 169-73; Schröder, ebda S. 174-76; Verfasserfrage: Pfeiffer, ZfdA. 8, 158 f.;

Öhmann S. 26-33. Sprenger, Die Legende vom Judenknaben,

2 Urteil über den Dichter: Kochendörffer Germ. 27,129-44, dagegen Steinmeyer, IstS. 42-56, bes. S. 56. K. v. H. der Verfasser des Jüdel? ZfdA. 27,

3 Bartsch, Die Kindh. Jesu in dem Pas- 83-88.

sional, Germ. 5, 432-44; Schröder, Anz. 46, 5 Akrostichon: Wülckeru. Bartsch, Germ.96. Konr. v. Fussesbr. und Konr. v. Heimes- 15, 157-61; Singer, Prager dt. Stud. 8, 304 f.fürt: Schröder, ZfdA. 67, 176;Öhmann, Rein-