362 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts
Krems in Niederösterreich (urkundlich genannt zwischen 1182 und 1186),schuf er sein Werk vor 1210, nach Hartmann von Aue, von dessen höfischerKunst er beeinflußt ist. Er war kein Geistlicher, wie aus der Haltung seinesPrologs hervorgeht; seinen Namen nennt er am Schluß V. 3023. Rudolf v.Ems 1 gedenkt Des von Vuozesbrunnen in seinem literarischen Katalog desWillehalm zwischen dem Dichter Absolon (siehe oben) und Konrad Flecke(Junk, Ausg. von Rudolfs Willehalm von Orlens V. 2215-18). 1 Zahl derV.3031 (Kochendörffer); Hahn (Hs. B) 3016 V.; Feifalik (Hs. A) 1838 V.;Donaueschinger Hs. 3048 V.; Öhmann, Bruchst. 1143 V.
Seiner Quelle, dem apokryphen Evangelium Pseudo-Matthaei, folgt der Dich-ter ziemlich genau. 2 In der früheren deutschen Literatur ist dasselbe bekanntdurch die Drei Lieder von der Jungfrau vom Priester Wernher, der ebenfallsnach dieser Vorlage arbeitete (s. LG. II, 1, 217-224), und vielleicht kannteKonrad v. Fussesbrunnen das Gedicht Wernhers. 3
Inhalt: V. 1-90 Prolog; zuerst religiös, dann spielt der Dichter bedauerndauf seine früheren weltlichen Verse an. Teil I, 139-1315, bis zur Flucht nachÄgypten, wird eingeleitet durch den Hinweis auf ein Lied des „Meister Hein-rich" über Anna, die Mutter der Maria und über deren Jugend, V. 91-138.V. 139-692: Vermählung Marias und Josephs; die Botschaft des Engels;Zacharias und Elisabeth; die Heimsuchung; Argwohn der Juden; ihre Ge-hässigkeit; die Aufklärung des Wunders der Magdgeburt; die Geburt desKindes in Bethlehem; nach zwei Jahren kommen die drei Könige; die Fluchtnach Ägypten. — Teil II, 1316 bis Schluß: In Ägypten und Nazareth; die Müh-sale auf der Flucht; das Kind gebietet dem Baume, sich zu neigen, so daßsie sein Obst brechen können (V.1450). Die Räuberepisode, V. 1503-1924: dieFlüchtlinge geraten in die Hände von Räubern; aber den einen erbarmen dasschöne Kind und die Eltern, er nimmt sie in sein Haus auf; er und sein Weibsorgen rührend für sie, am nächsten Tage bringt er sie auf den rechten Weg.Der Sturz der Götzenbilder, V. 1955-2067: als sie in den Heidentempel derHauptstadt treten, fallen die 350 Abgötter auf den Boden und brechen in
Keinz, ebda 25, 194-98. — Donaueschinger mann S. 33-46. Auch die Vita beatae Virginis
Hs.: Hahn S. 136-46, Pfeiffer, ZfdA. 8 et Salvatoris rhythmica (hgb. Vögtlin, Lit.
156, Junk, Rud v. Ems Willen., Ausg. S. Ver. Nr. 180) hat Konrad gekannt: Singer,
XVIII ff.; Scheel, Festg. Weinhold 1896, 41 Prager dt. Stud. 8, 303 f.; Max Päpke, Das
(Berl. Blatt); Schröder, Anz. 41, 94 (Ka- Marienleben des Schweizer Wernher, Pal. 181,
loczaer Bruchstücke). — Textkritik, Stellen: 175ff.; Ders., Ausg. des Schweizer Wernher
Bartsch, Germ. 8, 320-30; Schönbach, (s. unten) S. V; Öhmann S.33f.; Rob.
ZfdA. 27, 67-70; Sprenger, Germ. 30, 153 Reinsch, Die Pseudo-Evangelien v. Jesu u.
-70, dagegen Kochendörffer, ZfdA. 39,280 Maria's Kindheit in d. roman. u. germ. Lit.,
-95; Sprenger, Germ. 37, 173; Ders., ZfdPh. 1879.
26, 284. 342-70; Niejahr, Euphorion 5, 444; »Kochendörffer S. 36 ff.; Schönbach,
Jellinek u. Kraus ZföG. 44, 1893, 693 f. ZfdA. 27, 65-67; Öhmann, Die Kindheit Jesu
u. ö.; Singer, Prager dt. Stud. 8,304; Schrö- Konrads v. F. u. Priester Werners Maria,
der, Anz. 48,126. ZfdA. 65, 195-200; Schröder, Anz. 48, 126.
1 Pfeiffer, Freie Forsch. S. 156 f.; Leitz- — K. v. F. und das Anegenge; Öhmann S.37mann, ZfdPh. 43, 316 f.; Schröder, ZfdA. 67, -40; Schröder, ZfdA. 66, 141-47. — Bezie-245 f. hungen der Kindheit Jesu zu älteren Dich-
2 Quelle: Kochendörffer S. 26-^41; Öh- tungen: Öhmann S. 33-46.