358 Die geistliche Dichtung des 13. Jahrhunderts
obgleich erst dem 14. Jahrhundert angehörend, darf das Gedicht doch schonhier genannt werden wegen seiner Bedeutung für den Stoffkreis der geist-lichen Dichtung und seiner stilistisch rückwärts gewandten Haltung. Als Dich-ter ist der Verfasser unselbständig, er hielt sich an höfische Muster und iststark abhängig von Wirnts Wigalois, von dem er auch die Dreireime an Ab-schnittsschlüssen übernommen hat; auch kennt er Konrads v. HeimesfurtHimmelfahrt; 1 Handschrift.
Die Klage Adams und Evas ist auch Gegenstand einer kleineren Vers-erzählung (ostfränkisch, 426 V., GSA. Band I, 2-16 und S. LXIX ff.). 1 —Ein prosaisches deutsches Adambuch enthält viele Stellen, die aus einerSchwellhandschrift der Christherre-Chronik umgesetzt sind. 2
Die unversiegbare Kraft des Hohen Liedes, das in der symbolischenDenkweise des Mittelalters zu einer Heilslehre erweitert wurde (s. LG. II, 1,22), fand in diesem Sinne eine Darstellung in dem Hohen Lied des Brunvon Schonebecke. 3 Das ist schon deutlich in der Einteilung angezeigt.Das Gedicht (12719 V.) ist in drei „Stücke" geteilt (V. 38. 426. 1054), I undII gehören zusammen und machen die Erzählung des Inhalts aus: Teil I,erster erzählender Teil, V. 62^128, Salomos Weisheit, Schönheit, Reichtum;Teil II, zweiter erzählender Teil, 429-1055, Ankunft der Braut, Hochzeit. —Teil III, 1056-12719 (vgl. 1026 ff. 12543 ff.), auslegender Teil, bringt dieAuslegung und ist zehnmal so umfangreich als die beiden erzählendenTeile: I.Abschnitt 1056-6956 (s. V. 6952): Salomo wird auf Gott gedeutet1153-2004; die Braut auf Maria 2034-6956. IL Abschnitt: der Bräutigam istGott, die Braut die Seele 6957-10427 (darin vom Kreuzesbaum 9727 ff.).Zuletzt, im III. Abschnitt, 10428-12557, werden in Ausdeutung der letztenBraut Salomos, Mandragora (Alraun, Mhd. Wb. 2, 53), die den Antichrist
1 Herm. Fischer, Germ. 22, 316-41, 338; Jahrb. 30, 1904, 81-146 (hier mit Abdruck[Die Buße Adams u. Evas]; Ehrismann, Beitr. von kürzeren Gedichten Bruns); Mart. Göbel,22; Leitzmann, ebda 48, 46 f.; Jan van Dam, Die Bearbeitungen des H. Liedes im 17. Jh.,Verfasserlex. 1, 1931, 4-8. — Das Gedicht ist nebst e. Rückblick üb. d. Beschäftigg. mit d.auch in mehreren Hss. von Rudolfs v. Ems H. L. in früheren Jahrhunderten, Leipz. Diss.Weltchronik eingeschaltet (Wackernagel, 1913; Schröder, ZfdA. 60, 151; Burdach,LG. I 2 , 199 Anm. 5); Vilmar, Die zwei Rezen- Br. v. Seh. Hohes L. u. bildende Kunst, Vor-sionen S. 30-32 (s. ob. Rud. v. Ems). spiel 1, 1, 78; Golther, Parz. u. der Gral in
2 Hgb. Hans Vollmer, Progr. Hamburg d. Dichtg des MA.su. d. Neuzeit, 1925,259 ff.;1908, dazu Strauch, DLz. 1908, 2847 f., R. Plenzat, Die Theophiluslegende in d.Helm, Lbl. 1910 Sp. 6 f. — Zum Adambuch Dichtungen des MA.s, 1926, 45 ff.; Ludw.s. auch Max Förster, Adams Erschaffung u. Wolff, Das Magdeburger Gralfest BrunsNamengebung, Arch. f. Religionswissensch. v. Seh., Nd. ZfVolksk.5, 1927, 202ff.; Schrö-11, 1908, 477-529. der, Nd. Korrbl.42, 1928/29 S.4f.; Ludw.
3 Hgb. Arwed Fischer, Lit.Ver. 198, 1893. Wolff, Stammlers Verfasserlex. 1, 296-303— Abhandl.: Roethe, ADB. 33, 1892, 484 f. (mit Lit.). — Stellen: Bech, ZfdA. 40, 63-101;u. Reimvorreden S. 37; Arw. Fischer, Das Leitzmann, ebda 53, 61-69. — 1 Hs.; 2 zu-Hohe Lied des Brun v.Schonebeck, Germa- sammengehörende Bruchst.: Fischer, Ausg.nist. Abhandl. VI, 1886, dazu Schröder, S. XX-XXIV u. Germ. Abhandl. S.8-17;DLz. 1887, 163-65, Cbl. 1886, 1363; Behag- Bartsch, Quellenkunde S. 168 ff. 386; W.hel, Lbl. 1887, 7f.; Wolter, D. hohe Lied Norlind, Neu aufgefundene Bruchstücke desdes Br. v. Seh., Geschichtsblätter f. Stadt u. „Ave Maria" Bruns v. Schonebeck, Nd. Jb.Land Magdeburg, 1892; Fritz Breucker, Ge- 53, 59-87; Jellinghaus, Gesch. d. mnd. Lit.dichte Bruns v. Seh., Berl. Diss. 1904 u. Nd. 3. Aufl. S. 10.