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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Das Rätsel 353

das aber erst dem 14. Jahrhundert angehört. 1 Man hat es früher indas 12. Jahrhundert gesetzt, und es gehört auch seinem Inhalt nach in denKreis von Orendel und Oswald (s. LG. II, 1, 328 ff., 337 ff.; schwankhafteRätselfragen im Spruchgedicht von Salomon und Markolf ebenda S.326).Im Orendel (ed. Berger Vers 103 ff.), im Wiener Oswald (ed. Baesecke Vers42 ff.) und im Münchener Oswald (ed. Baesecke Vers 193 ff.) wird die Figurdes fahrenden Mannes gezeichnet, der als Pilger durch die Welt zieht undzweiundsiebenzig Länder kennt. Tragemund heißt er im Orendel und imWiener Oswald, Wärmund im Münchener Oswald; in formelhafter Weise wirder dargestellt: ein edeler pilgerin wolgetän (ein armer wallender man Orendel103), der was geheizen Wärmunt (Tragemund, Orendel 109), zwei und sibenziglaut (künigriche Orendel) wären ime kunt (Münchener Oswald 194). Durchausauf Formeln ist das Lied aufgebaut. Die 12 Strophen bestehen in Fragen desDichters (oder einer fingierten Person) und Antwort des fahrenden Mannes;die meisten Strophen (Strophe 2-11) beginnen abwechselnd mit den Formeln:Nu sage mir, meister Trougemunt, zwei und sibenzec laut diu sint dir kunt vomFrager und: Des (Daz) haste gefraget einen man der dirz wol gesogen kan vonseiten des antwortendenmeister Trougemunt". Je zwei Strophen bilden zu-sammen eine Gruppe, die erste enthält die Fragen, die zweite die Antworten,jeweils in je einer Zeile. So zerfallen die 10 Strophen 3-12 in folgende 5 Ab-teile nach den Schlagworten, I. Strophe 3. 4: Einschränkung, dasohneEtwas sein", z. B. welcher Vogel ist ohne Zunge? der Storch. II. Strophe 5. 6:Vergleichung (komparativisch): Was ist weißer als der Schnee, was ist schnellerals das Reh, was ist höher als der Berg, was ist finsterer als die Nacht? Ant-wort (Strophe 6): Sonne, Wind, Baum, Ruß (Schmutz, räme). III. Strophe 7.8:Fragen nach dem Grund mit der Anapherdurch waz?" : Wovon ist der Rheinso tief, wovon sind die Frauen lieb, wovon sind die Matten grün, wovon sinddie Ritter kühn ? Antwort: von den vielen Quellen, von der Minne, von Kräu-tern, von Wunden. IV. Strophe 9.10: Desgleichen anaphorischdurch waz?" :Wovon ist der Wald grau usw.?: vom Alter. V. Strophe 11. 12: Vergleiche:Was ist so grün wie der Klee, was ist weiß wie der Schnee?: die Elster ist grünwie der Klee und weiß wie der Schnee und schwarz wie die Kohle. Der Inhaltdieser Fragen ist der Natur, Pflanzen und Tierwelt, entnommen, zum geringenTeile dem Menschenleben.

Der Name Tragemund, Trougemund ist volksetymologische Umdeutungvon arabisch targoman, schon im Mittellateinischen: Dragumannus, Droga-mundus u. a. 2 Der Verfasser war ein Fahrender 3 und hat in den beiden ersten

Schriften 3, 190-194. 198f. 293-296. 4, 3-6; 1 Wackernagel, LG. I 2 , 123A.21 ;Bartsch,

Wackernagel, ZfdA. 3, 25; Scherer, Dt. Germ. 9, 66.

Stud. I 2 , 54; Wilmanns, ZfdA. 20, 250 ff.; 2 Grimm, DWb. II, 1327; Du Cange-Hen-

Burdach, Berliner SB. 1918 S. 1081 u. Vor- schel III, 192b; Mhd. Wb. 3, 80 f.; Lexer

spiel I, 1, 309; K. Wolfskehl u. Fr. v. d. II, 1489; Wackernagel, ZfdA. 3, 25 Anm.

Leyen, Älteste dt. Dichtungen übersetzt u. 3 Alemannischer Ursprung des Gedichtes:

hgb., 1920,22-25.196 f.; Roediger, ZfdA. 33, MSD. II 3 , 308.423 (Stelle); Petsch, Beitr. 41, 337.

23 Deutsche Literaturgeschichte IV