Die Tierdichtung (Reinke de vos) 351
im Druck erschienen, der Verfasser nennt sich nicht und ist auch nicht sicherermittelt (vermutet werden der Sekretär Nicolaus Baumann, der BuchdruckerHermann Barkhusen). Es folgten dann im 16. 17. Jahrhundert eine großeZahl von Drucken; 1544 eine hochdeutsche Übersetzung, ebenfalls oft wiedergedruckt (21mal bis 1617); ein mehrfach gedrucktes Volksbuch; eine lateini-sche Übersetzung in vierfüßigen Jamben 1567, ebenfalls mehrfach gedruckt;eine dänische Übersetzung 1555 u.ö.; eine schwedische 1621 u.ö.; eine eng-lische 1706. In der neuhochdeutschen Literatur lebte der niederdeutscheReineke weiter durch Gottscheds Prosaübersetzung (1752), Goethe aber ver-lieh dem Reineke Fuchs, diesem „Hof- und Regentenspiegel", dieser „un-heiligen Weltbibel", durch seine „zwischen Übersetzung und Umarbeitungschwebende Behandlung" (1793) von Gottscheds Prosa Unsterblichkeit.
Das Verhältnis des niederdeutschen Reinke de Vos zu dem Original, demniederländischen Reinaert, ist nicht sicher festzustellen, weil die unmittelbareQuelle, der Antwerpener Druck um 1480, nur in Bruchstücken erhalten ist.Doch läßt die Vergleichung immerhin erkennen, daß die niederdeutsche Über-tragung eine musterhafte Arbeit ist und ein Glanzstück der niederdeutschenLiteratur. Von dem alten mittelhochdeutschen Reinhart Fuchs unterscheidetsich der Reinke de Vos doch wesentlich. Die Szene ist auf ei n Lokal zusammen-gedrängt, den Hof des Königs Nobel (Löwe). R. wird bei dem Hoftag, dender König geboten hat, vom Wolf und vielen Tieren angeklagt, zum Gerichtgeboten, schwindelt sich durch, und seine Feinde werden bestraft (I. Buch).Das II. Buch wiederholt das Motiv, wobei auch die Vögel Kläger sind.III. Buch: R. wird wieder zu Gnaden angenommen. IV. Buch: Isegrim klagtwieder; Zweikampf zwischen ihm und R.; R. siegt durch List und steht beiHof in hohen Ehren. Ausgefüllt ist dieser Rahmen mit Listen und Trügereien.Das Ganze, 6844 Verse, ist lang gedehnt, aber die Lust an Fabeleien, die derZeit eigen war, läßt die Beliebtheit begreifen. Dazu kam aber vor allem derlehrhafte Zweck, denn die im Eingang des niederdeutschen Reinke übersetzteVorrede des Hinrek van Alckmer (so!) besagt, daß die fabele van Reynken demevosse ... is ok vul van wyßheyt vndeguder exempel vnde lere. Und diese lehrhafte
ben 1867; Karl Schröder 1872; Friedr. overssettelse of Reinke de Vos, 2 Bde., 1915.
Prien 1887, 2.Ausg. von Leitzmann, mitEin- 1917; Rich. Dohse, „Reinke de Vos" u. die
leitung von Voretzsch, 1925, dazu L.Wolff, plattdeutsche Tierdichtung, Progr. Parchim
Anz. 45, 103-5, J. W. Müller, Museum 34, 1919; Müller-Suderburg, Tiernamen im
151-55, Piquet, Rev. germ. 17, 1926, 130; Reineke Fuchs, dazu Breuer, Riegler, Nie-
E. W. Grashoff, Reynke voß de olde nyge dersachsen 24, 1920, 95 f. 139, 26, 14; Fanny
gedrucket, 1923 (Prachtausgabe der Rostocker Kessler, Joh. v. Morsheim, Spiegel des Regi-
Ausg. von 1549). — Die älteren Drucke bei ments, Germ. Abhandl. 53,1921, 89 ff.; Seel-
Prien, Einleitung. — Abhandl.: Janssen, mann, Zum Rostocker Reineke Fuchs von
Gesch.d.dt.Volkes, 19.20.Aufl. 1930,215-19; 1650, Nd. Korrbl. 38, 1922, 4f.; E. Dam-
Prien, Zur Vorgeschichte des Reinke Vos, Köhler, ebda 42,47.43 Nr. 2; Stammler, Von
Beitr. 8, 1-53; Loersch, Zs. d. Aach. Ge- der Mystik zum Barock, 1927, 188-91; Ders.,
schichtsver. 2, 1880, 117-26; Heydenreich, Gesch. der nd. Lit., 1920, 54-57; Ders., Mnd.
Arch. f. Litgesch. 13, 1885, 145 ff.; Heinr. Leseb.Nr. 56 S. 87-90 u. Anm. S. 142 f. (Lit.);
Borgmann, Üb. d. Wert der hd. Reinke- Jellinghaus, Gesch. der mnd. Lit. 3 , 1925,
Übersetzung v. J. 1541, Straßbg. Diss. 1908; 28 f. — Goedeke, Grundr. I 2 , 480-84.N. Möller, En Raeffue Bog, Herman Weigeres