Die Tierdichtung (Reinke de Vos) 349
einer Handschrift (S, Kassel, Ende 12. oder früheres 13. Jahrhundert)erhalten, zusammen 685 Verse, die etwa ein Drittel des vollständigen Ge-dichtes ausmachen. Seinen Namen 1 nennt der Dichter Vers 1784-90 (in derHandschrift verstümmelt), der jüngere Dichter bringt ihn ebenda und inseiner Schlußnotiz Vers 2249 ff. Reim und Versbau gehören noch dervorhöfischen Zeit an: 2 manche Freiheiten in den Senkungen, zu lange undzu kurze Verse, Assonanzen, doch alles dies mit Maß. Der Stil ist dürftigund mager.
Die Quelle für den Dichter war ein französischer Roman de Renard inBranchen; aber wie dieser beschaffen war, läßt sich aus der Überlieferungnicht ermessen. Jedenfalls ist die Übertragung, 3 wenigstens stellenweise, sehrfrei, indem der deutsche Bearbeiter manches aus seiner eigenen Beobachtunghinzugetan hat: Zeitverhältnisse, Erwähnung des Nibelungenhortes (662), be-lehrende Stellen, deutsche Rechtsformeln.
Vollständig erhalten (2266 Verse) ist der mittelhochdeutsche ReinhartFuchs in einer Bearbeitung 4 der alten Dichtung des Glichezäre. Der Verfasserdieser Version (wohl ein Fahrender) nennt sich nicht; Heimat 5 (Bayern?) undZeit (vor der Mitte des 13. Jahrhunderts?) sind umstritten. Der Zweck dieserErneuerung war, die veraltete, freiere Form in die dem herrschenden Ge-schmack entsprechende geregelte umzusetzen. Der Umdichter glättete denVersbau und stellte — freilich nicht ausnahmslos — reine Reime her. SeinVerfahren hat er selbst am Schluß, Vers 2249-2261, dargelegt. Er war einerpoetischen Darstellung nicht gewachsen und hat nur eine unbedeutende Machegeliefert. Sein Stil ist unbeholfen und öde.
Erich Klibansky, Gerichtsszene u. Prozeß- 2 ZurMetrik: W.Grimm, Graf Rudolf 2 S. 13;
form, 1925, 41-56. Schönbach, ZfdA. 29, 47 ff.; Leitzmann,
1 Zum Namen des Dichters: Wallner, Beitr. 42, 22ff.; Schröder, Gott. Nachr.
ZfdA. 63, 214-6; Schröder, Gott. Nachr. 1926 S.26ff. (Reime); Baesecke, ZfdA. 62,
1926, 22; Baesecke, ZfdPh. 52, 25-7; Wall- 251-60.
ner, ebda S. 266-9. Wallner liest die betr. 3 Reissenberger, Ausg. S. 26 f.; Baesecke,
Stelle V. 1786, die verderbt ist; der von dem ZfdPh. 52, 5-22.
glichezäre iu künde git gewärlich, er ist geheizen 4 Hss.: Heidelberg. Hs. 341 (P), Kalocsaer
Heinrich, wonach Heinrich der Name des Ver- Koderl (K). Schönbach, ZfdA. 29, 47 ff.;
fassers ist, glichezäre aber den Fuchs meint. Reissenberger, Ausg. S.28; Wallner,
Der jüngere Bearbeiter, der den Epilog anfüg- ZfdA. 63, 178-207; Baesecke, ZfdPh. 52,
te, ist durch den Fehler der Hs. V. 1786 zu 22-7; Wallner, ebda S.264-70; Baesecke,
seiner falschen Auffassung verleitet worden. — Ausg. S. XXXII (wo weitere Angaben üb. die
Titeides Werkes „Reinhart Fuchs": Brau- beiden Hss.); Schröder, Gott. Nachr. aaO.,
ne, Beitr.J3, 585 f.; Baesecke, ZfdPh. 52, s. ob. Textkritik. — Die Streitfrage, ob bei
7-9. 26. „Isengrines not" nehmen als Titel an: den handschriftlichen Verhältnissen (Alte
Wackernagel, LG. I 2 , 230; Martin, Prag. Übersetzung vertreten durch die nur bruch-
dt. Stud. 8, 273 u. a. (Lit. s. Reissenberger, stückweise erhaltene Handschrift S, Bearbei-
Ausg.S. 16Anm. 4), und neuerdings Wallner, tung durch P K) die Urfassung wiederher-
Beitr. 47, 196 ff., ZfdA. 63, 177. 216, ZfdPh. zustellen sei, wird von Schröder u. Wallner
52, 266 ff.; s. auch Naumann, Hof. Kultur bejaht.
S. 68 f. Jedenfalls ist Reinhart Fuchs der Held 6 Heimat. Die Merkmale der Mundart reichen
des Gedichtes, als solchen faßt ihn auch der nicht aus, zumal die Reime nicht unbedingt
Prolog der jüngeren Fassung V. 1-10, und die rein sind. v. Bahder, Beitr. 16, 51; Zwier-
Schreiber der beiden Hss. benennen danach zina, ZfdA. 44,306 Anm. 2; anders Baesecke,
das Gedicht, was zeigt, daß man jedenfalls im Ausg. S.XLII; Schröder, Gott. Nachr.
14. Jh. dieses für den Titel hielt. S. 45 f.; Wallner, ZfdA. 63, 177 ff. — Zeit: