Heinzelein von Konstanz. Die Satire: Seifried Helbling 335
Heinzelein steht in Stil und Technik unter dem Einfluß von Konrad vonWürzburg, besonders von dessen Klage der Kunst. Die Verse sind glatt, dieReime rein, doch oft nur durch Apokope des schwachen e. 1 Wenn ihn auchsein metrisches Gefühl von dem Dichter der Minnelehre unterscheidet, sogehören beide doch der gleichen Richtung an, die die gelehrte lateinischeKlerikerdichtung zur Voraussetzung hat. Entstanden sind die beiden GedichteHeinzeleins in Konstanz, wohl gegen den Ausgang des 13. Jahrhunderts.
Die Satire: Seifried Helbling
Die Satire ist nicht unmittelbar lehrhaft, aber indirekt dient sie zur Be-lehrung, indem durch die Kritik der Zustände und die Aufdeckung der Ge-brechen das Augenmerk auf deren Heilung gelenkt wird. Darum läßt sich auchdas hervorragendste Denkmal dieser Gattung im 13. Jahrhundert, die Zeit-satire Seifried Helbling, 2 hier anreihen. Dieser Titel kann irreführen, dennder Verfasser heißt nicht so, sondern nur eine der Personen, welche in demXIII. Gedichte (Seemüller S. 14-21) als Schreiber eines Briefes eingeführtwird, ein hovegumpelman, also ein niederer Spielmann. Der erste Herausgeber,Th. v. Karajan, meinte, der Dichter selbst nenne sich so 3 und gab dem Ganzendiesen Namen. Der Dichter war vielmehr, wie aus seiner ganzen Haltung undaus seinem oft zur Schau getragenen Standesbewußtsein erhellt, ein Ritter(seinen Namen nennt er nirgends). Standesbewußtsein und Heimatsgefühlsind die beiden diesen ritterlichen Dichter bewegenden Lebenskräfte, seineganze Dichtung ist von diesen treibenden Willensbewegungen durchzogen.Er ist Österreicher aus der Gegend von Zettl (Niederösterreich). Die 15hier vereinigten Gedichte hat er im Alter geschrieben, etwa in den Jahren1282-1300, fast alle tragen den Charakter der Zeit, ja sie gehen zumeist aus
hs. mit den Gedichten Heinzeleins kann in dem 56-8, Lambel, ZföG. 1885, 755-61, Schön-
Besitze der Familie Albrechts v. Hohenberg bach, DLz. 1883, 963; Seemüller, Zu Helb-
(gest. 1298) sich weiter vererbt haben, auch ling, ZfdA. 33, 439 f.; Karl Raab, Ueb. vier
auf den Enkel Albrecht (VI.), den späteren allegorische Motive, Progr. Leoben 1885,34 f.;
Bischofskandidaten von Würzburg, und auf Heitzeler, Ueb. die Gedichte des sog. Seifr.
diesem Wege dem Matthias v. Neuenburg be- Helbl., Progr. Reutlingen 1888; H. Hilde-
kannt geworden sein. Pfeiffer S. Vff.; brand, Didaktik in Kürschners Dt. Nat.-Litt.
Schröder, Gott. Nachr. 1899, 1, 49-71 u. Bd. 9, 195 ff.; Petersen, D. Rittertum in d.
ZfdA. 53, 395-8. Darstellg. des Joh. Rothe, 1909, 85. 90. 133;
1 Stil u. Metrik: Höhne aaO.; Brinkmann, Marie Gothein, Arch. f. Religionswissensch.Wesen u. Form S. 145 f. — Roethe, Reim- 10, 1907, 468 f.; Walth. Rehm, ZfdPh. 52,vorreden d. Sachsenspiegels S. 19 f. 304. — J. Seeber, Leben u. Treiben der öster-
2 Ausg.: Jos. Seemüller, 1866, dazu Mar- reich. Bauern im 13. Jh. nach Neidhart, Helb-tin, Anz. 13, 152-5, Kinzel, ZfdPh. 20, ling u. Wernher Gartenäre, Histor. Jahrb. d.126-8, Bartsch, Germ. 33, 235, Schönbach, Görres-Ges. 3, 1882, 416-44; O. Grupp, DieDLz. 1887, 306, Paul, Lbl. 1887, 153-8, Cbl. dt. Didaktik, s. ob. — Textkritik, Stel-1887, 1569; ältere Ausg.: Th. v. Karajan, len: Pfeiffer, ZfdA. 5, 471; Jänicke, ZfdA.ZfdA. 4,1-284. — Abhandl.: v. Karajan, Ad. 16, 402-19; Bech, Germ. 28, 385-88; Ehris-Blätter 2, 2-17; Martin, ZfdA. 13, 464-6, mann, Germ. 33, 370-79; Martin, ZfdA. 27,Grenzboten27,1868,321-38; Th.v. Karajan, 382 f.; Schröder, ZfdA. 47, 100; Euling,Zu Seifr. Helbl. u. Ottacker v. Steiermark, Priamel S. 440-42; Suolahti, Memoires de laWien. SB. 1870 u. SA., dazu Lambel, Germ. soc.neophilol.deHelsingforsö, 1917,109 ff.—17, 358-67; Seemüller, Stud. zum Kleinen Eine Hs. u. Bruchst. einer zweiten, Seemül-Lucidarius, Wien. SB. 102, 1882, dazu Mar- ler, Ausg. S. LXXVI ff.
tin, GgA. 1883, 897-901, Schröder, Anz. 10, s ZfdA. 4,243 ff.; Seemüller, Ausg. S. IV f.