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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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334 Die lehrhafte Dichtung

Heinzelein von Konstanz 1

ist der Verfasser zweier Streitgedichte: 1. Von dem Ritter und von demPfaffen 2 (388 V.). In einer Winternacht belauscht der Dichter durch einverborgenes Fenster zwei schöne Frauen, die sich über die Frage unterhalten,wo ein Weib ihre Minne am besten hinwenden soll. Die eine, die einen Ritterliebt, gibt diesem den Preis, die andere spricht für den Pfaffen. Da keine dieandere trotz aller Redekünste überzeugen kann, beschließen sie, an die Minneals Richterin zuappellieren", diu Minne sol ez rihten üz; damit schließt dasGedicht, die Entscheidung bleibt offen. Es ist das bekannte Vagantenmotivvon Phyllis und Flora (LG. 11,2, 152). 3

2. Von den zwein Sanct Johansen. 4 Dieses religiöse Gedicht (80 sechs-zeilige Strophen mit gekreuzten Reimen, a 4 Heb. stumpf, b 3 Heb. kling.)führt in ein Nonnenkloster. Zwei Nonnendisputieren", die eine für Johan-nes Baptista, die andere für den Evangelisten, ohne sich gegenseitig zu einigen.Da erscheint in der Nacht der einen, die für den Evangelisten eintritt, dieser,ihr Freund, und beweist ihr durch die Lebensgeschichte des Täufers, daß jenerder viel würdigere sei; zur selben Zeit geschieht der andern Nonne das Gleichevon Seiten des Täufers. Am Morgen beichten beide vor der Oberin unter Zu-strömen vieler Leute das Erlebte und bitten einander um Verzeihung. Derauch sonst belegte Stoff, welcher von den beiden Sankt Johannes der besseresei, ist hier einer Erzählung des Cäsarius von Heisterbach (s. LG. II, 2 Reg.S. 341) entnommen.

In keinem der beiden Gedichte nennt der Verfasser seinen Namen; überliefertist er durch die Schreiber: Ciain Haintzelin von Costentz Von dem Ritter vndvon dem pfaffen (Pfeiffer S. 101); ähnlich die Überschrift vor den Zwein S.Johansen in Hs. B.C; in A ausführlicher: klein heinze graue Albrehtes vonhohenberg küchenmeister (Pfeiffer S. 115). Heinzelein war Küchenmeister,also ein Hofbeamter; sein Herr Graf Albrecht von Hohenberg ein einfluß-reicher schwäbischer Großer (gest. 1298), dessen Ottokar, Johann von Würz-burg, Konrad von Ammenhüsen rühmend gedenken und der als Minnesingerselbst der Kunst 5 huldigte.

1 Ausg.: Pfeiffer, Heinz, v.K., 1852; ältere H. Walther, Altercatio de utroque Johanne,

Ausgaben (Hss.abdrucke): Piper, Höf. Ep. Quellen u. Untersuch, z. lat. Phil. d. MA.s

III, 520 f. Lit.: Goedeke, Grundr. I 2 , 265; V, 2, 129^14 (s. Schröder, ZfdA. 64, 266).

Piper aaO. Abhandl.: Pfeiffer S. V-XVII Heinzelein hat für dieses Gedicht Konrads v.

Höhne aaO.; Ernst Meyer, Die gereimten Würzburg Klage der Kunst benutzt, s. ob.

Liebesbriefe, Marbg. Diss. 1898 passim; Kurt 3 Hss.: Pfeiffer S. XVI; Haupt, ZfdA.6,

Matthaei, Dasweltliche Klösterlein" usw., 530; Schröder, Gott. Nachr. 1899, I, 49-71.

Marbg. Diss. 1907 S. 16 f. Streitgedichte: 6 Für den 1359 als Bischof von Freising ver-

LG. II, 2, 151 ff. storbenen Enkel des obigen, den Grafen Al-

M Hs.: Pfeiffer S. XVI; Ant. Ruland, brecht VI. v. Hohenburg, früheren ChorherrnD. Würzburger Hs. d. k. Univers.-Bibl. zu in Konstanz, dann Bewerber um den Bischofs-München, Arch. d. hist. Ver. f. Unterfranken sitz in Würzburg, liegen keine solchen Anzei-11, 1850, 1-66; Schröder, ZfdA. 53, 395-8. chenvor. Das Ansehen, das dieser Albrecht VI.

3 Jantzen, Gesch. d. dt. Streitgedichtes im in Würzburg hatte, mag allerdings Veranlas-

MA., 1896, 44 f.; Höhne S. 50-6 (Lit. S. 61 f. sung gewesen sein, daß Michael de Leone seine

Anm.); Brinkmann, Entstehungsgesch. S.l-12. Gedichte in dieWürzburger Hs." und in das

4 Abh.: Reinh. Köhler, Germ. 24, 385-91;Hausbuch" aufgenommen hat. Die Original-