Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen
 

Minnelehren 333

derts, kündigt im Prolog (V. 141) Inhalt und Zweck seiner lere an: er willeine schcene rede von minnen sagen (V. 3), wie man nach liebe werben sol (11).Der Titel des Gedichtes ist am Schlüsse angegeben: Der werden minne lere(2546; s. 2532). Es zerfällt in zwei Teile: 1. Der Dichter im Reiche der Minne,V. 42-1046: Er erzählt die Geschichte seiner Minne; er hat eine Traumvision:er kommt auf ein wünnckliches Feld, darin ein See von Blut, dessen Uferbrennen. Bei dem See steht eine goldene Säule, darauf ein schönes Kindsitzt, Cupido. Dies Kind der Frau Venus wird beschrieben: es hat Flügel, Speerund Fackel, ist blind und nackt. Da kommt Frau Minne auf einem von Taubengezogenen Wagen; auch sie wird beschrieben. Sie schießt ihn mit ihrem Pfeil;er bittet sie, seine Wunden zu heilen; sie rät ihm, seiner Dame einen Brief zuschreiben. Der II. Teil, 1047-2214, ist ein Liebesbriefsteller, fünf Paare vonBriefen zwischen dem Dichter und der Geliebten. Der letzte Brief der Damelädt zu einem nächtlichen Stelldichein ein. All die süßen Worte an dasherzeliebe vröuwelin enden mit einer schmutzigen Verführungsgeschichte. Seitder Zeit waren die Wunden des Erzählers der werden minne lere geheilt. DerI.Teil Cupido und seine Mutter mit den antiken Symbolen führt insReich der Allegorie 1 und eröffnet die im 14.15. Jahrhundert beliebte Gattungder Minneallegorien, 2 der II. Teil, der Minneroman, spielt sich in Liebes-briefen ab.

Der Dichter besaß gelehrte Bildung; sein Latein bringt er in den lateinischenSprüchen an, die in dem Reiche des Cupido und der Venus angeschriebensind. Einzelne Stellen zeigen Kenntnis der höfischen Romanliteratur. Fürden I. Teil scheint er eine lateinische Quelle gehabt zu haben, die Liebes-briefe (II) sind im Schema dieser Gattung gehalten (V. 1071-9 sind aus demWigalois entlehnt). Sie wurden später ausgiebig nachgeahmt, ja ausgeschrie-ben. 3 Die sprachliche Darstellung ist gewandt, der Dichter liebt Wort-und Reimspielereien. Reim- und Verskunst sind der guten Zeit nachgebil-det, doch zeigt sich schon Neigung zur Silbenzählung. 4 Seit Pfeiffer hat mandie Minnelehre lange für ein Werk des Heinzelein von Konstanz gehalten,aber der Stil und besonders die Verstechnik stimmen nicht zu den beidensicher von Heinzelein herrührenden Gedichten. 5

mit einer, allerdings an sich nichts beweisenden sprächen: in FrauenlobsMinne und Werlt",

Schreiberbemerkung am Schluß (Pfeiffer ed. Ettmüller S. 235-42 (s. Jantzen, Streit-

S.Vf.). 4 Hss.: Pfeiffer S. XIV-XVI; gedieht S. 50 f.; Kurt Matthaei, Das welt-

Piper aaO.; Hans Wegener, Beschreibendes liehe Klösterlein, Marbg. Diss. 1907 S. 15; s.

Verzeichnis der Bilder-Hss. ... d. Heidelb. unten Allegorie im 14. 15. Jh.). Die alle-

Univers.-Bibl. S. 98. gorische Anschauungsform ist allgemein üblich

1 Eine in vielem ähnliche Beschreibung des bei der Vorstellung der Tugenden und LasterAussehens derRechten Liebe" gibt das Ge- und begegnet darum in vielen lehrhaften Dich-dichtWer nicht weiß, was Rechte Lieb sei" tungen.

(75 V.), Germ. 36, 319 f.; s. auchVon der 3 Ritter, Altschwäbische Liebesbriefe S. 92

Mynne Kraft", Adelb. v. Keller, Ad. Ge- f.; Ernst Meyer, Die gereimten Liebesbriefe

dichte Nr. 6, 1877. S.8ff. 51 ff.

2 Die früheste deutsche Minneallegorie ist die 4 Höhne aaO.; Kraus aaO.Minnegrotte in Gotfrids Tristan (s. LG. II, 2, B Höhne aaO.; Kraus aaO.; Roethe, Reim-314). Personifiziert ist die Minne in Streitge- vorreden S. 19; Schröder, Anz. 31, 200.