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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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330 Die lehrhafte Dichtung

von einem Deutschen, Otto von Lüneburg (wohl im 14. Jahrhundert), derauch eine Rhetorica, ars dictandi, schrieb, wurde ebenfalls ins Deutscheübertragen (nd. und hd., Reimpaare), in fünf verschiedenen Fassungen.

Der Jüngling" von Konrad von Haslau

Eine Anstandslehre ist auchDer Jüngling" von Konrad von Haslau; 1264Verse (Reimpaare). 1 Der Name dieses Dichters ist uns nur bekannt aus SeifridHelbling 2,440 ff. (ed. Seemüller S. 81, s. unten): von Haslou meister Kuonrät(Zeit etwa 1270; 1264 Verse), eine Strafrede gegen die unzuht. Lernet zuht, irkint 62; eine Erziehungslehre für Jünglinge aus dem Herrenstande (herrenkint7, edel kneht 35 u. ö.), für die jungen Männer, aber auch zur Beherzigung derErzieher. Im wesentlichen wird äußeres Auftreten: Pflege der Hände, Haare,Nägel, Kleidung, Benehmen bei Tisch, beim Reiten behandelt und unsittlichesLeben, buhlen, spielen, Wirtshauslaufen, lügen verboten; richtiger Gebrauchdes Reichtums wird anempfohlen. Keine Vertiefung zu einer Tugendlehre, aberdoch wird die ganze Moral zusammengefaßt in den Satz: er bedarf wisheit undfugende wol, dersele und ere behalten sol (1093). Der Stil, nicht mehr bloß der einerZusammenstellung von Lernsprüchen, hat ausgeprägtere Formen: umfang-reichen Wortschatz, seltene Worte, Bilder, Häufungen von Synonyma, Reihen-bildung, kräftigen und lebendigen Ausdruck. Die Abschnitte schließen for-melhaft: sivd des niht tuot ein jüngelinc, der gebe mir einen pfenninc u. ä.

Die Warnung

In weiterem Begriff läßt sich auch das Gedicht ,,Die Warnung" 2 in die Lehr-dichtung einbeziehen, insofern es als Straf- und Bußpredigt Belehrung überdas Böse und Gute gibt. Dieses geschieht durch die Warnung vor dem Tode.So lautet denn auch in der Handschrift der Titel: Daz buch heizzet dei war-nunge und das Wort warnen kehrt mehrmals wieder (102. 179, der ungewarntetot 102, daz er ungewarnet stirbet 3111 [Haupt]). Der Verfasser, der seinenNamen nicht nennt, war Geistlicher, der Sprache nach aus dem österreichi-schen Gebiete; Zeit: wohl vor der Mitte des 13. Jahrhunderts. 3

Auf den Tod ist die ganze Bußpredigt zugespitzt. Alles muß ein Endenehmen, was der Welt angenehm ist: Freude und Wonne, Schönheit undKraft verkehrt sich in ein Nichts, zu schlechter Erde; Kot wird zu Kot

1 Hgb. v. Haupt, ZfdA. 8, 550-87. See- Steinmeyer, Anz. 2, 139. 238; Borinski,Müller, Studien z. kleinen Lucidarius, Wien. Germ. 35, 286-302; W. Jansen, Progr. EssenSB. 102, 1882, 85 ff.; Ders., Seifrid Helbling, 1890; Ant. Wallner, D. Entstehungszeit d.Ausg. 1886 S. XXXIII f. XXXVII f. u. ö\; mhd. Memento mori Die Warnunge, Progr.Merker, Tischz.lit. S. 19f. u. Reallex. 3, 371. Laibach 1896, dazu Helm, Lbl. 1897, 366 f.; Euling, Priamel S. 299; Schröder, ZfdA. Walther Rehm, Todesgedanke S. 34 ff.69, 334 f. (Stellen). Zum Text: Wallner, ZfdA. 42, 93-6; Schrö-

2 Hgb. v. Haupt, ZfdA. 1, 438-537, dazu der, ebda 59,46 f. 66,140; Leitzmann, Beitr.K. Borinski, Eine Ergänzung der Warnung, 56, 447 ff. (Stellen). Eine Hs. (Wien).ZfdA. 33, 402-12 (trägt 2 von Haupt über- 3 Schröder, D. Lz. 7, 882 f.; Borinski,sprungene Blätter nach); Leop. Weber, Germ.aaO. S. 288 ff.; Wallner, Entstehungs-Münch. Diss. 1914 u. Arch. H. 1, 1912, dazu zeit S.36ff.; Weber aaO.; Schröder, ZfdA.Behaghel, Lbl. 1915, 130 f. Abhandl.: 59,46.