Der Magezoge. Tischzuchten. Der Cornutus 329
260 V.), worin die höfische Sitte gegen die bäurische stark hervorgehoben wird.Der guten Handhabung der Sprache nach könnte der Verfasser wohl mit demlyrischen Dichter Thannhäuser identisch sein. In den Tischzuchten des 14.und 15. Jahrhunderts tritt, der nun herrschenden Kultur entsprechend, einmehr bürgerlicher, derberer Ton in unbeholfenerer Sprache auf. Hierhergehören die Rossauer, Karlsruher und Ulmer Tischzucht 1 (H.Jahr-hundert), die von Tanhausers Gedicht ausgehen. Verwandt damit ist dieVersion, die zu jenen drei eingeschobenen Gedichten der erweiterten Fassungdes deutschen Cato gehört. 2 Nahe steht ein niederdeutsches Lehrgedicht, dassich am Schluß als Der kindere hovescheit bezeichnet. 3 Auch die Tisch-zucht im Liederbuch der Clara Hätzlerin 4 aus dem 15. Jahrhundert hatjenes in den Cato eingeschaltete Gedicht zur Voraussetzung. Mit dem Endedes 15. Jahrhunderts erscheinen dann gedruckte Tischzuchten, 5 eine Thes-mophagia (De moribus et facetiis mense) von Seb. Brant 1490, 6 der in seinemNarrenschiff auch eine grobianische Parodie „Von disches Unzucht"'' eingefügthat; von dem Oppenheimer Stadtschreiber Jacob Köbel erschien 1492 eine„Tischzucht". 8 Unter den einschlägigen Drucken sind noch hervorzuhebendie verschiedenen Tischzuchten des Hans Sachs 9 1534. 1542. 1543.1563.
Der Cornutus
Ebenfalls als Schulbuch weit verbreitet, jedoch von minderem literarischenAnsehen als die Facetus betitelten Spruchsammlungen war der Cornutus 10des Johannes de Garlandia (1. Hälfte des 13. Jahrhunderts); 21 Strophen vonje zwei Hexametern. Dies Spruchbuch gab Lehren der Sittlichkeit und popu-lärer Lebensklugheit und diente zugleich zur Einübung der lateinischen Gram-matik. Das lateinische Original erlebte im 14. 15. Jahrhundert eine Reihedeutscher (hd.und nd.) Übersetzungen in Strophen von jeweils zwei, seltenerdrei Reimpaaren. Ein zweiter lateinischer Cornutus, der Novus Cornutus
1 Hgb. v. Haupt, ZfdA.7, 174-7 (dazu F. 7 Zarncke S. 109-11; Merker, Tischz.lit.M. Wagner, ebda 19,210); Adalbert v. Kel- S. 46 f.
ler, Erzählungen aus ad. Hss. S. 531-46 u. 8 Hgb. v. Geyer S. 22-7; s. auch Hoffmann,
Ad.Gedichte5.Heft,1868,S.9-11. —Priebsch Ad. Blätter 1, 111 f.; Friedländer, ebda
Dt. Hss. in Engl. 2, 152 f. u. Beitr. 46, 19-21. S. 278-81; Zarncke, Cato S. 137.
43-5; Leitzmann, ebda S. 327-32; Euung, 9 Gedr. auch bei Geyer S. 29-33.
Priamel S. 296 ff. 10 Hans Liebl, Die Disticha Cornuti, auch
2 Zarncke, Cato S. 126. 136-40; Priebsch, Cornutus od. Distigium des Jo. v. GarlandiaHss. in Engl. 2 aaO. genannt, u. d. Scholiast Cornutus, Progr.
3 Hgb. v. Sievers, ZfdA. 60-5; Geyer Straubing 1880; Edwin Habel, Der DeutscheS. 12-4. — Priebsch aaO. Zwei andere mnd. Cornutus I Der Com. d. Joh. de Garlandia e.Exemplare s. Merker, Tischzlit. S. 28-8. Schulbuch d. 13. Jhs. in den dt. Uebersetzun-Siegburger Tischzucht hgb. v. Ad. Schmidt, gen des MA.s hgb., 1908, II Der Novus Cornu-ZfdA. 28, 64-7. Mnd. Prosa: Lübben, Germ, tus des Otto v. Lüneburg in d. dt. Über-21, 424-30, dazu Rud. Schulze in: Nieder- Setzungen des MA.s hgb. 1909. — Priebsch,Sachsen 19, 1914, 257 f. (Stellen); Leitzmann Dt. Hss. in Engl. 2, 46. — Cornutus, der Ge-aaO. S. 328. hörnte, nach Grimm, DWb. 5, 1831 f.: Kornut
4 Hätzlerin (s. unt.) hgb. v. Haltaus 1840 „Lehrjung, der seine Lehrjahre zwar geendet,S. 276-8. aber noch nicht zum Gesellen gemacht ist und
5 Die „bürgerlichen" Tischzuchten des 15./ deswegen unter den andern Hörner tragen16. Jhs. s. Merker, Reallex. 3, 371. muß" usw.
6 Zarncke, Narrenschiff S. 147-53. 470 ff.