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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Der deutsche Cato 323

Freidanksprüche angebracht, so 19 Sprüche als Umschriften von Brust-bildern auf hölzernen Scheiben, die sich auf dem Rathause zu Erfurt 1 be-finden (14. Jahrhundert), ferner Hausinschriften auf Balken eines Hausesin Hannover 2 (vom Jahr 1541), sowie eine Schwertinschrift in Graz 3(16. Jahrhundert).

In der Formgebung, der Einkleidung der übernommenen Gedanken, be-steht Freidanks Eigenschöpfung. Gewiß hat er viele Sprüche schon in festerForm vorgefunden, aber auch ohne dies besaß er eine eigene Treffsicherheitdes Wortes. Das Schlagwort einer Sentenz tritt kräftig hervor. Meist bestehtein Spruch aus zwei Zeilen, einem Reimpaar, seltener aus mehreren Zeilen, indenen der Gedanke weiter ausgeführt wird. Auch wird dann manchmaleins, zwei, drei gruppiert. Der Ausdruck gibt entweder die Tatsache einfachwieder, oder auch bildlich in einem Gleichnis. Etwa zehnmal ist eine Lehre indie aneinanderreihende Form der Priamel gehäuft; selten begegnet die Formdes Rätsels; Fabeln haben ihre Stelle in dem Abschnitt 43, von Tieren. 4

Der Bau der Verse bewegt sich mit der Senkungsfüllung in den üblichenGrenzen ohne strengen Wechsel von Hebung und Senkung. In den Reimenbegegnen einige Kürzungen (wie beriht = berichtet: niht). 5

In Sprichwörtern, 6 Gnomen, Memorierversen ward von jeher die Volks-erfahrung und -lehre bewahrt, aber auch die Geistlichen pflegten dieses Mittelzur festen Einprägung religiöser und moralischer Kenntnisse. So finden sichkürzere Sammlungen und vereinzelte Sprüche lehrhafter Ermahnung sehrhäufig in Handschriften verstreut, derart wie oben schon einige angeführtwurden. Ein erwähnenswertes Beispiel sind auch dieSpruchverse der Tugen-den und Laster" aus einer Handschrift des 14. Jahrhunderts, die Bartsch,Beiträge zur Quellenkunde S. 268-74, abgedruckt hat. 7

Der deutsche Cato

Wie Freidanks Bescheidenheit hat auch der Cato 8 die Form einer Spruch-sammlung, und wie jene gibt er allgemeine, nicht auf einen bestimmten Stand

1 W. Grimm, Kl. Sehr. 2, 466. 4,25; E. 7 Zur Einprägung der Tugenden und LasterNeidhardt, Üb. Freid.s Besch., s. oben Lit. gab es auch bildliche Darstellungen, vgl. die

2 Goedecke, Reinfrid von Braunschweig (s. Zeichnung des Arbor vitiorum und Arbor vir-ob. S. 109-12); Bezzenberger S. 51. tutum bei Hugo von St. Victor, Migne 176

3 Wallner, ZfdA. 64, 96. Sp. 1007-10; auch an Wänden von viel be-

4 W. Grimm, Ausg. 1 S. CXXII f. LXXVII suchten Gebäuden angebracht und in Schul--LXXXII; Bezzenberger S. 32 f.; P. Hil- klassen (11. Jh., Häufler, Arch f. österr. Ge-debrandt, Freidank u. Walther aaO.; Uhl, Schichtsquellen 5, 1850, 583 ff.).

Die dt. Priamel, 1897,282 ff.; Euling, Priamel 8 Ausg.: Fr. Zarncke, Der deutsche Cato,

aaO. 286-94.431-5.470; Loewenthal, Rätsel 1852. Abhandl.: Zarncke, Beiträge z. mlat.

S. 105 f. Spruchpoesie, Ber. d. kgl. sächs. Gesellsch. d.

5 W. Grimm, Kl. Sehr. 4,45-59; Pfeiffer, Wissensch. Bd. 15, 1863. Euling, KleinereFr.-Forsch. S. 187-91, Germ. 2, 152-8; Bez- mhd. Erzählungen, Fabeln u. Lehrgedichte,zenberger S. 33-6. 1908, pass.; Uhl, Die deutsche Priamel

6 Lit. Wackernagel, LG. I 2 Reg. S.497; S.299f.; J.NEVE.Catonis Disticha.Facsimiles,Koberstein I 6 Reg. S. 476; Kögel, LG. 1, 2 Notes, liste des editions du XV e siecle, LiegeS. 171 ff.; Ehrismann, LG. I, 54 f. 375 ff.; 1926 (Bibliographie), dazu Schröder, Anz.W. Uhl, Die deutsche Priamel, 1897, 221-235 46, 77; Walther Mitzka, Die dt. Catodich-(lat.). 266 ff. (Lit.). Siehe unten. tungen des MA.s, ZfdPh. 54, 1929, 1-20;

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