322 Dm lehrhafte Dichtung
stian Brant 1 dichtete eine Umarbeitung, die 1508 in Druck ging und bis1583 siebenmal wiederholt wurde.
Freidanks Sprüche wurden zum allgemeinen Gut. Eine Anzahl ostmittel-deutscher Handschriften (erstes Drittel des 15. Jahrhunderts) trägt den Na-men Proverbia Fridanci. 2 Es ist eine Sammlung von Sprichwörtern fürGeistliche zu praktisch-kirchlichen Zwecken, besonders für Predigten. Siebesteht aus lateinischen Sprichwörtern, die ins Deutsche übersetzt sind, auchaus original-deutschen, darunter solche aus Freidank. Ausgangspunkt ist einelateinische Sprichwörtersammlung. Die große sogenannte WolfenbüttlerPriamelhandschrift, 3 eine überaus reiche Sammlung deutscher Gnomikdes 13. 14. 15. Jahrhunderts, enthält unter vielen andern Sprüchen und an-derer Kleinkunst auch eine Folge von Versen aus Freidank. Verstreute Sprü-che, siebenzig, finden sich in einer Sammlung Etlicher maister und lerersprüch, die unter den Namen von Propheten, Kirchenvätern, mittelalter-lichen Theologen, mittelhochdeutschen Spruchdichtern eingetragen sind. 4 Ineinem Brevier von St.Lambrecht sind am Rande 6 zweizeilige Sprüche aufge-zeichnet, darunter 4 von Freidank. 5 Sehr häufig sind Freidanksprüche vonandern Dichtern mit — zuweilen auch ohne — Nennung seines Namen in ihreWerke aufgenommen worden. 6 Große Verehrung zollt Hugo von Trimbergim Renner 7 dem Freidank. Er nennt ihn gegen 40mal, darunter meister, öfterher, der werde, tugenthqfte, der heilige, selige man, der wise man, des Sprüchenieman vol prisen kan u. dgl. und hat etwa 170 Stellen aus ihm entlehnt.Ein fünfstrophiges Lehrgedicht (120 Verse) Oswalds von Wolkenstein 8 istaus Freidankschen Versen zusammengesetzt, unter Erweiterungen an diemetrische Form des Gedichtes angepaßt. — Viele Sprüche der Bescheidenheithaben in den Spruchsammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts fortgelebt,manche gehen noch heute im Volke um. Und auch als Inschriften wurden
1 Eschenburg, Denkmäler S. 93-111; W. in unsern Freidankhss. Freidanksprüche bei an-Grimm, Ausg. 1 S. X f., 2. Ausg. S. V; Zarncke dem Dichtern s. W. Grimm, Ausg. 1 S. XXXVIISeb. Brants Narrenschiff, 1854, S. XXXV. -XL. 182, 2. Aufl. S. XII u. Anhang S. 115-7,164-68; Goedeke, Grundr. I 2 S.391; A. Kl. Sehr. 4, 11-9. 31 f. 104-9; BezzenbergerTiedge, Seb. Brants Freidankbearbeitg. u. S. 242^1. - Pfeiffer, Fr.-Forsch. S. 233;ihr Verhältn. z. Original, Hall. Diss. 1903. Stosch, ZfdPh. 28, 429 f. — Bei den Überein-
2 Jos. Klapper, Die Sprichwörter der Frei- Stimmungen zwischen Freidank und Rudolfsdankpredigten Proverbia Fridanci, 1927, dazu v. Ems Gutem Gerhard (W. Grimm, Kl. Sehr.Paul Lehmann, ZfdPh. 54, 116 f., Götze, 4, 17. 105) müßte Freid. der Entlehnende ge-Lbl. 1929, 10, Stammler, ZfDtschkde. 1928, wesen sein, daderG.Gerh.vorderBescheidenh.817, Hoffmann-Krayer, Schweizerisches abgefaßt ist (die beiden Parallelen G. Gerh.Arch. f. Volkskde. 29, 265. 6670 u. 6741 mit Freid. 1, 2 u. 4, 7 können als
3 Hgb. v. Karl Euling, Kleinere mhd. Er- formelhaft auf Zufall beruhen).Zählungen, Fabeln u. Lehrgedichte II. Dt. 7 W. Grimm, Ausg. 1 S. XXXIX f., 2. Ausg.Texte des MA. s. Bd. 14, 1908 (S. 55-8 u. Reg. S. XII; Bezzenberger S. 52; Jänicke, Germ.S. 225 a ). — Eschenburg, Denkm. S. 387- 2,418-24; Leitzmann, Beitr. 45, 116-20. Die432; W. Grimm, Ausg. 1 S. X, 2. Ausg. S. XII; Stellen s. in d. Ausg. des Renner v. Ehris-Bezzenberger S. 52. mann Bd. 4 Reg. S. 255 u. Leitzmann aaO.
4 Ed. Pfeiffer, Germ. 2, 140-4, gegen W. 8 W. Grimm, 2. Ausg. S. XII; Bezzenber-Grimm, Kl. Sehr. 4, 27-9. ger S. 52; Leitzmann, Ein Cento aus Frei-
5 Schönbach, ZfdA. 20, 150-4. dank bei Osw. v. Wolkenstein, Festschr.0 Manche, die von anderen Dichtern unter Braune 1920, 255-9.
Freidanks Namen zitiert sind, finden sich nicht