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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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316 Die lehrhafte Dichtung

eine ist sicher, daß der Verfasser Wolfram kannte; das zeigen einige Wendun-gen und Eigennamen, besonders der Name Fridebrant. 1 Aber die Masse desStoffes hat er wohl selbst aus gangbaren Motiven zusammengetragen. Vonder weiteren Verbreitung des Tirolstoffes zeugt eine Spruchreihe Boppes(siehe oben), worin dieser sich auf des küniges Tirols buoch beruft, worunterdas Rätselgedicht gemeint ist; im jüngeren Titurel wird einiges von Fride-brant erzählt; dabei spielt ein zauberkräftiger Rubin eine Rolle, ebenso, aberin anderer Aufmachung, im Wartburgkriege. 2

Die Tirolstrophe trägt die gleiche Grundform wie die des Winsbeken,ist aber weniger reich ausgebildet; der Abgesang ist einfacher, so daß das ganzeStrophengebäude nur 6 Verse hat (Literatur: Leitzmann S. XVII).

Die Heimat des Gedichtes war, wie aus den Reimen hervorgeht, Thüringenoder das östliche Hessen. Die schon stereotypen Abenteuer weisen den Romanin die Zeit nach den großen Epikern, von 1220 bis 1250. Nach dem Rätsel-gedicht scheint der Verfasser die Bildung der Spruchdichter gehabt zu habenmit der Wichtigtuerei geheimnisvoller Weisheit, weshalb er auch von Boppeso hoch gestellt wurde. Das lateinische lignumaloe (Rätselgedicht Strophe 15)statt des in Wolframs Parzival und Willehalm mehrfach vorkommenden lignaloe könnte auf Lateinkenntnis schließen lassen.

Die knappste Form der Lehrmethode, die Spruchsammlung, hat aufdie Erziehung am stärksten eingewirkt, und diese Gattung hat auch die wei-teste Verbreitung gefunden. Weitaus die erste Stelle hält in dieser Gruppe

Freidanks Bescheidenheit

Lit.-Ausg.: (Christoph Heinr. Müller, Sammig. dt. Gedichte aus d. 12., 13. u. 14. Jh.1, 1784), Wilh. Grimm, Vridankes Bescheidenheit, 1834, dazu GgA. 1835, 402-24. 445-8 u. Kl.Sehr. 2, 449-68 (Selbstanzeige), 2. Ausg., Freidank, 1860 (doch ohne die wertvolle literatur-geschichtl.Einleitung"); H. E. Bezzenberger, Fridankes Besch., 1872 (mit reichhaltigen er-klärenden und Parallelen verzeichnenden Anmerkungen), dazu Paul, ZfdPh. 4, 478-80; FranzSandvoss 1877, dazu Paul, Jenaer Lit.-Ztg. 1877 Nr. 34, Steinmeyer, Anz. 4, 125-34, Behag-hel, Germ. 23, 239-41 (alle ablehnend). Übersetzungen: Baumeister 1861, Simrock 1867,Pannier (Reclam) 1878, mittelnd. s. Jellinghaus, Gesch. d.mnd. Lit. 3 , 1925, 29. Abhandl.:J. J. Eschenburg, Denkmäler ad. Dichtkunst, 1799, 83-118. W. Grimm, Freidanks Grabmal,ZfdA. 1, 30-3 u. Kl. Sehr. 4, 1-4, Üb. Freidank, Berl. Ak. 1850 u. Kl. Sehr. 4, 5-92, Nachtrag1851,.zweiter Nachtr. 1855 u. Kl. Sehr. 4, 93-116, Üb. Bernhard Freidank (gegen Pfeiffer,Germ. 2, 129 ff.), Cbl. 1857, 413 f. u. Kl. Sehr. 2, 508 f., Zurechtweisung (geg. Pfeiffer, Germ.3,367 f.), Cbl. 1858,771 f. u. Kl. Sehr. 2,509 f., Zum Freid., ZfdA. 11,209 f. u. Kl. Sehr. 4,117f.;Nochmals üb. Freid., ZfdA. 11, 238-43 u. Kl. Sehr. 4, 119-24. Franz Pfeiffer, Üb. Freid., Zurdt. Lit.gesch. 1855 u. Freie Forschg. 1867, 163-219, Üb. Bernhard Freidank, Germ. 2, 129-163u. Freie Forsch. S. 220-72, Entgegnung (gegen W. Grimm, ZfdA. 11, 238 ff.), Germ. 3, 367 f.Friedr. Reinhardt, Walther v. d. V. u. Fridank, Progr. Aschersleben 1878; Albert Freybe,

1 Bartsch, Germanist. Stud. 2, 1875, 129 f.; Gudrun: Panzer, Hilde-Gudrun S. 108. 188;

Oldenburg, Wartburgkr. S.48ff.; Maync Maync S. 68 ff.

S. 26-9. 68-71; Leitzmann S. XVI. Über den 2 Dieses Motiv scheint im Tirolroman ent-Namen Tirol s. Maync S. 68. Die Frage, halten gewesen zu sein, aus dem der j. Titu-ob es eine Fridebrantsage gegeben habe, führt rel und der Wartburgkrieg unabhängig von-ganz ins Dunkle, bekannt ist nichts von ihr, einander entnahmen. Oldenburg, Wart-Baesecke aaO. S. 31 f. Frideschotten in der burgkr. aaO. S. 36-51; Maync S. 77-85.